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Der Preis der Gesundheit?

Die Beschaffung und Abgabe hochpreisiger Arzneimittel kann bei der heutigen Preisbildungssystematik für Apotheken existenz­gefährdend sein, wie Dr. Thomas Müller-Bohn und Uwe Hüsgen vor vier Wochen in der DAZ darlegten (s. „Teure Packungen, DAZ 2015, Nr. 15). Aber auch für die Krankenversicherungen – und damit für die gesamte Gesellschaft – sind sehr teure Arzneimittel zunehmend ein Problem.

Dr. Benjamin Wessinger, Chefredakteur der DAZ

Die betriebswirtschaftlichen Probleme, die Hochpreiser in der Apotheke (aber auch beim Großhandel) verursachen, könnten – zumindest theoretisch – relativ einfach gelöst werden. Müller-Bohn und Hüsgen schlagen ein System aus Bürgschaften und Versicherungen vor, DAZ-Herausgeber Dr. Klaus G. Brauer prozentuale Mindestmargen, die die bisherigen Regelungen ergänzen („Hochpreiser-Versorgung gefährdet?“, DAZ 2015, Nr. 15). Lösungsvorschläge sind also vorhanden. Die Frage ist, ob das auch für die Einsicht in dieses Problem gilt und den Willen, es zu lösen.

Das volkswirtschaftliche Problem, das immer die Hochpreiser verursachen, ist jedoch deutlich komplexer. Wenn die Tendenz zu immer teureren Arzneimitteln anhält, könnte dies unser heutiges Krankenversicherungssystem an seine Grenzen führen. Wie Müller-Bohn und Hüsgen im zweiten Teil ihrer Analyse der Hochpreiser-Problematik (s. „Teure Gesundheit“, S. 20 dieser DAZ) feststellen, geht inzwischen der Großteil der Ausgabensteigerungen für Arzneimittel auf das Konto sehr teurer Präparate. Immer kostspieligere Präparate „fressen“ die an anderer Stelle mühsam erzielten Einsparungen quasi auf.

Die Ursachen dieser Entwicklung sind deutlich komplexer als auf der Apotheken-Ebene, und entsprechend komplizierter sind die Lösungsansätze. So haben die hohen Einführungspreise vieler neuer Arzneimittel auch damit zu tun, dass es Preisbegrenzungsmechanismen gibt, die erst nach einem Jahr greifen. Das ist aber keine Gesetzeslücke, ­sondern ein gewollter Anreiz für die Entwicklung neuer Wirkstoffe.

Auch andere Maßnahmen, die eigentlich für niedrige Preise sorgen sollen, begünstigen die Einführung von Hochpreisern. Die Nutzen­bewertung beispielsweise hat die Nebenwirkung, dass es für die ­Pharma-Industrie attraktiver sein kann, Arzneimittel für eine kleine statt für eine möglichst große Patientengruppe zu entwickeln, weil dort ein Zusatznutzen einfacher nachweisbar sein kann.

Vergessen sollte man bei dieser Diskussion übrigens nicht, dass ­gerade die teuren, innovativen Arzneimittel zu erheblichen Einsparungen an anderer Stelle führen können.

Die grundsätzliche Frage ist also, welchen Preis die Gesellschaft für die Gesundheit zu zahlen bereit ist. Daraus folgt dann die zweite wichtige Frage, welcher Anteil dieser Gesundheitsausgaben für die Arzneimittelversorgung verwendet wird. Bei zunehmendem Nutzen der ­Arzneitherapie und Einsparungen an anderer Stelle könnte der Anteil für Arzneimittel durchaus steigen, ohne zum Problem zu werden.

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