Aus den Ländern

Fallstricke und Hoffnungsschimmer

Mitgliederversammlung des AV Mecklenburg-Vorpommern

ROSTOCK (tmb) | In der Mitgliederversammlung des Apothekerverbands Mecklenburg-Vorpommern am 22. April in Rostock wurde ein breites Themenspektrum angesprochen: von Retaxationen über laufende Gesetzgebungsverfahren bis zu Trends im Apothekenmarkt. Der Verbandsvorsitzende Axel Pudimat begrüßte, dass Retaxationen nun „in der Diskussion angekommen“ seien.

Axel Pudimat

Das größte Problem bei Retaxationen sei weniger die Gesamtsumme für alle Apotheken, sondern die Gefahr, zufällig mit einer drei-, vier- oder fünfstelligen Summe dabei zu sein. „Das ist ein bisschen wie Lotto“, folgerte Pudimat und fragte nach der Verhältnismäßigkeit. Zum Online-Vertragsportal für Hilfsmittel erklärte Pudimat, es gehe langsam, aber stetig voran. Doch habe der GKV-Spitzenverband erfolgreich verhindert, dass dabei die Präqualifizierungsdaten im per Gesetz definierten Format der Kassen verwendet werden dürfen, kritisierte Pudimat. Zudem berichtete er über Verhandlungen mit der AOK Nordost zum Medikationsmanagement. Ein gemeinsames Konzept in Greifswald mit der Krankenkasse und der Kassenärztlichen Vereinigung sei recht weit gediehen, nun gehe es aber um die Honorierung, und dabei „dauert es jetzt schon wieder verdächtig lange“, so Pudimat. Er erklärte dazu: „Wir stehen dabei aber auf dem Standpunkt, dass wir regelmäßige intensive pharmazeutische ­Arbeit nicht für symbolische Schutzgebühren verschleudern können.“

Neue Gesetze und Trends

Ralf Denda, Referent des ABDA-Hauptgeschäftsführers, beschrieb die laufenden Gesetzgebungsverfahren im Gesundheitswesen. Das Präventionsgesetz könne wie die drei vorherigen Entwürfe noch kippen, weil zu fragen sei, warum Gemeinwohlaufgaben nicht über Steuern finanziert werden. Für das eHealth-Gesetz sei die erste Lesung im September geplant. Strittig sei dort insbesondere die Vergütung für den Medikationsplan. Hinsichtlich des GKV-VSG bedauerte Denda, dass die Apotheker nicht als Antragsteller für den Innovationsfonds vorgesehen seien, sondern allenfalls Mitglieder im Expertenbeirat werden sollen.

Fotos: DAZ/tmb

Jens Leutloff (links), Deutsche Apotheker- und Ärztebank, und Ralf Denda, ABDA, ­referierten über ökonomische Trends und aktuelle Gesetzesvorhaben.

Jens Leutloff, Deutsche Apotheker- und Ärztebank, berichtete über Trends im Gesundheitswesen. So steigt bei Apotheken die Neigung zu größeren Einheiten und Filialen. Die Marktrealität entferne sich vom Bild des Apothekers in seiner Apotheke, folgerte Leutloff. Doch habe eine Umfrage der Bank gezeigt, dass potenzielle Existenzgründer die Risiken der Selbstständigkeit überbewerten. Der noch unveröffentlichte Existenzgründungsbericht 2014 der Apo-Bank zeige ein steigendes Investitionsvolumen bei Neugründungen und Übernahmen. Offenbar werden zunehmend wertvolle Apotheken verkauft, während wirtschaftlich schwache ­Apotheken eher geschlossen werden.

Vorsicht bei Minijobbern

Dr. Till Thomas, Berlin, berichtete über das Mindestlohngesetz und erinnerte daran, dass für Minijobber jeden Tag der Arbeitsbeginn, das Arbeitsende und die Gesamtlänge der Pausen dokumentiert werden muss. Unabhängig vom Zahlen des Mindestlohns sei es bereits eine mit hoher Strafe bewährte Ordnungswidrigkeit, wenn diese Dokumentation fehlt. Dies gelte bereits seit dem 16. August 2014, obwohl der Mindestlohn erst zum 1. Januar 2015 eingeführt wurde.

Retaxationen und Formalia

Verbandsgeschäftsführer Carsten Pelzer berichtete über vielfältige Probleme mit Retaxationen, hatte aber auch positive Botschaften. So führe die AOK Nordost keine Nullretaxationen wegen Rabattverträgen durch. Hilfsmittel ­seien stets ein problematisches Thema, derzeit besonders Sicherheitskanülen zulasten der Knappschaft. Dagegen werde mit der IKK über einen neuen Vertrag verhandelt, der vielleicht ohne Beitritt gelten könne. Möglicherweise drehe sich hier gerade der Trend bei den Krankenkassen.

Zum Mitgliedsbeitrag beschloss die Mitgliederversammlung auf Vorschlag des Vorstands, dass im Jahr 2016 drei statt bisher nur zwei Monate beitragsfrei sein sollen, denn der Verband habe sparsam gewirtschaftet. Weitere wesentliche Inhalte der Mitgliederversammlung waren die Vorstandswahl (siehe folgenden Bericht) und langfristige Strategien gegen den Personalmangel (siehe S. 18). |

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