Arzneimittel und Therapie

ACE-Hemmer verzögern Progression und fördern Regression

Blutdrucktherapie hilft bei diabetischer Retinopathie

Durch eine medikamentöse Blockade des Renin-Angiotensin-Systems (RAS) kann das Risiko für die Entwicklung einer diabetischen Retinopathie verringert und die Wahrscheinlichkeit einer Rückbildung erhöht werden, wobei ACE-Hemmer wahrscheinlich besser wirksam sind als Sartane, so das Fazit einer aktuellen Metaanalyse.

Zur Prävention und Therapie einer diabetischen Retinopathie, die bereits bei knapp 40% der Typ-2-Diabetiker zum Zeitpunkt der Diagnosestellung vorliegt, empfehlen die meisten Leitlinien eine optimale Blutzucker- und Blutdruckeinstellung. Während der protektive Einfluss einer glykämischen Kontrolle auf den Verlauf einer diabetischen Retinopathie unbestritten ist, liegen für den Nutzen einer Blutdrucksenkung kontroverse Daten vor, vor allem, was die Auswahl des Antihypertensivums anbelangt. Eine chinesische Arbeitsgruppe befasste sich daher erneut mit der Frage, welchen Einfluss die Blutdrucksenkung – insbesondere mithilfe von Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Systems (RAS-Inhibitoren) – auf den Verlauf einer diabetischen Retinopathie ausübt. Sie führte zum einen eine Metaanalyse durch, um den Nutzen von RAS-Inhibitoren einzuschätzen, und ergänzte die Informationen mit einer Netzwerk-Metaanalyse, um festzustellen, welche Klasse von Antihypertensiva den günstigsten Einfluss auf Progression und Regression einer diabetischen Retinopathie aufweist.

Metaanalyse zeigt Vorteil für ACE-Hemmer

In die Metaanalyse gingen die Daten von 21 randomisierten klinischen Studien mit knapp 14.000 Teilnehmern ein, in denen RAS-Inhibitoren, d. h. ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker (Sartane), mit anderen Antihypertensiva oder mit Placebo verglichen wurden. Der primäre Studienendpunkt umfasste die Progression und Regression einer diabetischen Retinopathie unter dem Einfluss einer antihypertensiven Therapie. Die Einnahme von RAS-Inhibitoren war mit einem verringerten Risiko für ein Fortschreiten der diabetischen Retinopathie und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine Regression der Erkrankung assoziiert. Dies galt jedoch nur für normotensive Patienten, bei denen RAS-Inhibitoren das Risiko einer Progression um 19% verringerten und die Wahrscheinlichkeit einer Regression um 43% erhöhten. Bei hypertensiven Patienten konnte kein signifikanter Einfluss festgestellt werden, was möglicherweise auf die limitierte Datenlage zurückzuführen war. Eine Differenzierung nach Wirkstoffgruppen ergab folgendes Bild: Die Einnahme von ACE-Hemmern führte zu einem um 16% verringerten Risiko für das Fortschreiten der Erkrankung und zu einer um 50% erhöhten Wahrscheinlichkeit eines Rückgangs der Erkrankung. Die Therapie mit Sartanen erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer Regression um 32%, hatte aber keinen Einfluss auf die Progression der diabetischen Retinopathie.

Netzwerk-Metaanalyse

Mithilfe einer Netzwerk-Metaanalyse, die es ermöglicht, Ergebnisse aus direkten Vergleichen zwischen zwei Behandlungen und solche aus Vergleichen zwischen anderen Behandlungen zusammenzuführen, wurden die Einflüsse einzelner Klassen von Antihypertensiva auf den Verlauf einer diabetischen Retinopathie eingeschätzt. Das Risiko für eine Progression der Erkrankung war am geringsten unter der Einnahme von ACE-Hemmern, gefolgt von Sartanen, Beta-Blockern, Calciumkanal-Blockern und Placebo. Die Wahrscheinlichkeit einer Regression war am höchsten unter ACE-Hemmern, gefolgt von Sartanen, Placebo und Calciumkanal-Blockern.

Kommentar

Die Studie zeigt den Benefit einer Blockade des Renin-Angiotensin-Systems. Dies gilt vor allem für ACE-Hemmer, die sowohl die Progression einer diabetischen Retinopathie verlangsamen als auch eine Regression herbeiführen können. Ein Kommentator der Studie erklärt dies durch die Blockade des ­Renin-Angiotensin-Systems. So verschlechtert Angiotensin den Blutfluss in der Retina und führt zur Bildung ­reaktiver Sauerstoffspezies sowie inflammatorischer Mediatoren. Desweiteren stimuliert Angiotensin die Bildung neuer Blutgefäße in der Retina durch eine vermehrte Expression vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktoren. Daher könnten RAS-Inhibitoren durch die Hemmung von Angiotensin neben ihrer blutdrucksenkenden Wirkung auch den Verlauf einer diabetischen Retinopathie günstig beeinflussen, so die Hypothese des Kommentators. |

Quelle

Wang B et al. Effects of RAS inhibitors on diabetic retinopathy: a systematic review and meta-analysis. Lancet Diabetes Endocrinol 2015;3:263-274

Van Sloten T et al. No need to change guidelines for diabetic retinopathy and renin-­angiotensin system inhibitors. Lancet Diabetes Endocrinol 2015;3:231-232

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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