DAZ aktuell

„Das Herz von ARMIN schlägt!“

Projektbeteiligte zeigen sich auf dem Sächsischen Apothekertag optimistisch

LEIPZIG (du) | Die Arzneimittelini­tiative Sachsen-Thüringen, kurz ARMIN, scheint an Schlagkraft zu gewinnen. Auf dem 13. Sächsischen Apothekertag in Leipzig äußerten sich Projektbeteiligte optimistisch, bis zum Ende der Modellinitiative im Jahr 2019 zeigen zu können, dass sich Therapietreue und Arzneimitteltherapiesicherheit deutlich verbessert haben. ARMIN soll dann ­soweit entwickelt sein, dass es als Blaupause für eine bundesweite Umsetzung dienen kann.

Allerdings sind noch einige Hürden zu überwinden, und das nicht nur in Sachen ARMIN sondern auch in Sachen Apotheke 2030. Das machte Friedemann Schmidt in seiner Funktion als Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer in seinem Festvortrag „Die Route wird berechnet – Wege und Umwege zur Apotheke 2030“ deutlich. Man werde hier auch in Zukunft immer wieder nachsteuern, Hindernisse umfahren, schlechte Wegstrecken langsam bewältigen, rückwärts aus Sackgassen herausmanövrieren und sich ­gelegentlich an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten müssen. Entscheidend sei, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Und das ist für Schmidt eine selbstbewusste Apothekerschaft in einer modernen Welt, flexibel aber nicht beliebig, tolerant aber nicht gleichgültig, stabil aber nicht verhärtet. In Bezug auf ARMIN betonte er, dass Apotheker Verantwortung für eine verbesserte Arzneimitteltherapiesicherheit übernehmen können und wollen. Er begrüßte vor diesem Hintergrund die Bestrebungen, den verbindlichen Medikationsplan schon ab einer Dauerverordnung von drei Medikamenten einzuführen.

Fotos: Dr. Ulrich Bethge

ARMIN lebt: Friedemann Schmidt, Dr. Klaus Heckemann, Dr. Ulf Maywald, Dr. Katrin Bräutigam, Monika Koch und Matthias Kahnt

Die Ängste der Ärzte

Doch nach wie vor herrschen vor allem bei Ärzten große Vorbehalte gegenüber ARMIN. Das bestätigte Dr. Klaus Heckemann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen im Rahmen einer von Dr. Katrin Bräu­tigam, Geschäftsführerin der AkdÄ, geleiteten Podiumsdiskusssion. Für Kellermann bietet ARMIN jedoch die Chance, dass aus etwas Negativem – in diesem Fall den Compliance konterkarierenden Rabattverträgen – etwas Positives entstehen kann. Mit den Rabattverträgen sei das Kind Compliance in den Brunnen gefallen. ARMIN sei jetzt das Instrument, mit dem die dadurch entstandenen Schäden minimiert werden könnten.

An dem Projekt nehmen zurzeit 527 Ärzte bzw. Praxen und 905 Apotheken teil. Um noch mehr Ärzte ins Boot zu holen, setzt Kellermann auf Überzeugungskraft. Denn für die intensive Beratung aller Patienten fehle in der Arztpraxis einfach die Zeit, man könne nicht überprüfen, ob das Erklärte auch verstanden worden ist. Eine Unterstützung von anderer Seite sei hilfreich, aber das müsse gemeinsam und nicht gegeneinander geschehen. Von Apothekerseite wurden bei der Projektumsetzung die Ängste der Ärzte sehr ernst genommen, betonte Apothekerin Monika Koch, die ARMIN-Beauftragte des Sächsischen Apothekerverbands. Man habe sehr viel Zeit darauf verwendet, eine Arbeitsteilung zwischen Arzt und Apotheker zu finden, die sicherstellt, dass kein Eingriff in die Therapiehoheit der Ärzte erfolgt. Sie ist davon überzeugt, dass es gelingen wird, immer mehr Ärzte für ARMIN zu gewinnen.

Sowohl Koch als auch Heckemann betonten, dass die Modellinitiative mit den Modulen Wirkstoffverordnung und Medikationskatalog gut gestartet sei. Sie zeigten sich zuversichtlich, dass im Laufe des Jahres auch die letzte Stufe, das Medikationsmanagement, erfolgreich eingeführt werden kann.

Am Ende des Projekts soll ARMIN Standards gesetzt haben, die als Basis für eine bundesweite Umsetzung dienen können. Dr. Ulf Maywald, Bereichsleiter Arzneimittel AOK plus, will sich vom Ergebnis überraschen lassen. 2018 sei man schlauer, aber gute Dinge würden es immer in die Regelversorgung schaffen. Matthias Kahnt von der unabhängigen Patientenberatung am Institut für Klinische Pharmakologie in Dresden setzt auf die Synergieeffekte von Arzt-, Apotheker- und Patientenbe­ratung. Wie Maywald äußerte er noch einen besonderen Wunsch: in Zukunft sollten alle wirkstoffgleichen Arzneimittel auch gleich aussehen. |

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