Arzneimittel und Therapie

Weniger Exazerbationen, weniger Antibiotika

Positiver Einfluss von Umckaloabo als Zusatzbehandlung bei COPD

Das Phytotherapeutikum Umckaloabo® wird seit vielen Jahren insbesondere zur Behandlung der akuten Bronchitis bei Kindern und Erwachsenen eingesetzt. Es enthält den Extrakt EPs7630® aus den Wurzeln der südafrikanischen Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides), für den immunmodulatorische Eigenschaften sowie indirekte und direkte antibakterielle und antivirale Effekte beschrieben sind. Klinische Studien deuten auf einen positiven Einfluss auf verschiedene Erkältungssymptome hin, wobei die Evidenz von einem Cochrane Review aus dem Jahr 2013 zurückhaltend beurteilt wird. Seit Kurzem wird nun der Frage nachgegangen, ob Umckaloabo® auch bei weiteren Atemwegserkrankungen wie COPD eine Therapieoption darstellen könnte.
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Inhalationen bilden die Basistherapie, Umckaloabo® könnte eine sinnvolle Ergänzung sein.

Man schätzt, dass in Deutschland drei bis fünf Millionen Menschen an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, kurz COPD genannt, leiden. Die Erkrankung betrifft insbesondere Raucher und ist durch chronisch entzündliche Prozesse im Bereich der Lunge sowie schubweise Ausbrüche (Exazerbationen) charakterisiert. Die leitliniengerechte Therapie beinhaltet derzeit inhalative Bronchodilatatoren (β2-Sympathomimetika, Anticholinergika, Theophyllin) bzw. die orale oder inhalative Verabreichung von Glucocorticoiden. Ziel ist es, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten und die Zahl der Exazerbationen zu reduzieren. Dies gelingt zwar schon in vielen Fällen recht gut, dennoch besteht durchaus weiterhin Bedarf an nebenwirkungsarmen zusätzlichen Therapieoptionen. Matthys und Malek haben zu diesem Zweck eine bereits publizierte Studie zum Thema Umckaloabo® als Add-on-Therapie bei COPD unter den Aspekten Exazerbations-Häufigkeit und Antibiotika-Bedarf erneut analysiert. Die Studienpopulation bestand aus volljährigen Patienten in den COPD-Stadien II oder III. In diesen Stadien kommt es zu einer deutlichen Einschränkung des forcierten exspiratorischen Volumens (FEV1), und die Patienten leiden zusätzlich unter weiteren chronischen Symptomen wie Husten, Auswurf und Dyspnoe. Die Studie lief über einen Zeitraum von 24 Wochen und schloss 199 Patienten ein, die zusätzlich zu einer standardisierten Basistherapie (inhalative β2-Agonisten/Glucocorticoide/Anticholinergika) entweder dreimal täglich 30 Tropfen EPs7630® (Verum-Gruppe, n = 98) oder eine entsprechende Menge Placebo (Placebo-Gruppe, n = 101) erhielten.

Gut verträglich und länger­fristig anwendbar

Anschließend wurden die Häufigkeit des Auftretens von Exazerbationen, der Antibiotika-Verbrauch und die Dauer der Exazerbations-bedingten Arbeitsunfähigkeit analysiert. Für alle drei Aspekte konnte ein positiver Effekt der Medikation mit EPs7630® beobachtet werden. So trat in der Verum-Gruppe während des 24-wöchigen Beobachtungszeitraumes lediglich bei 36% der Patienten eine Exazerbation auf, im Vergleich zu 71% in der Placebo-Gruppe (p < 0,0001). Ähnliche Zahlen ergaben sich auch hinsichtlich des Antibiotika-Bedarfs. Eine Antibiotika-Behandlung war bei 34% der Patienten in der EPs7630®-Gruppe erforderlich gegenüber 72% in der Placebo-Gruppe (p < 0,0001). Die exazerbationsbedingte Arbeitsunfähigkeit betrug in der EPs7630®-Gruppe durchschnittlich 5,5 Tage im Vergleich zu 7,5 Tagen in der Placebo-Gruppe (p = 0,0337). Die Autoren schlussfolgern aus diesen Ergebnissen, dass Umckaloabo® als gut verträgliche und auch längerfristig anwendbare Zusatzmedikation bei COPD-Patienten geeignet ist und sich positiv auf die Häufigkeit von Exazerbationen und den damit verbundenen Antibiotika-Einsatz auswirkt. Um den tatsächlichen Stellenwert von Umckaloabo® in der Therapie der COPD beurteilen zu können, sind allerdings weitere umfangreichere Studien erforderlich. |

Quelle

Matthys H, Malek FA. Antibiotic use in patients with COPD receiving EPs7630® as an add-on treatment. Atemwegs- und Lungenkrankheiten 2015;41:27-34

Apothekerin Priv.-Doz. Dr. Kristina Jenett-Siems

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