Arzneimittel und Therapie

Kampf gegen die Nicotin-Sucht

Bestimmen die Gene die optimale Therapie?

Um zu untersuchen, wie sich die individuelle Nicotin-Metabolisierungsrate auf den Erfolg einer Raucherentwöhnung auswirkt, wurden in drei Gruppen (Nicotin-Pflaster, Vareniclin und Placebo) langsame mit normalen und schnellen Metabolisierern verglichen. Für die langsamen Metabolisierer waren die nebenwirkungsärmeren Nicotin-Pflaster gleich effektiv wie Vareniclin. Die normalen und schnellen Metabolisierer hatten unter Vareniclin weniger Nebenwirkungen als die langsamen Metabolisierer und konnten unter dieser Therapie häufiger erfolgreich mit dem Rauchen aufhören.

Um mit dem Rauchen aufzuhören, stehen als Hilfe die Wirkstoffe Bupropion, Vareniclin sowie Nicotin, z. B. als Pflaster, zur Verfügung. Dennoch schaffen es in klinischen Studien nur etwa 30% der Patienten, zum Ende einer Therapie mit diesen Wirkstoffen abstinent zu sein. Da das Ansprechen individuell sehr unterschiedlich ist, hat eine US-amerikanische Studie jetzt Vareniclin und Nicotin-Pflaster mit Blick auf die individuelle Metabolisierungsrate von Nicotin untersucht.

1249 regelmäßige Raucher (mehr als zehn Zigaretten/Tag in den letzten sechs Monaten) wurden in drei Gruppen randomisiert (Nicotin-Pflaster, Vareniclin und Placebo). Zusätzlich wurden über Biomarker die Nicotin-Metabolite Cotinin und 3-Hydroxycotinin und per NMR die Aktivität des CYP-Enzyms 2A6 bestimmt. Diese Methode hat den Vorteil, dass nicht nur der Genotyp, sondern auch Umwelteinflüsse erfasst werden. In allen Gruppen waren etwa die Hälfte der Patienten langsame Metabolisierer.

Am Therapieende war Vareniclin bei normalen Metabolisierern effektiver (Odds ratio [OR]: 2,17), zeigte aber bei den langsamen Metabolisierern kaum einen Vorteil gegenüber Nicotin-Pflastern (OR: 1,13). Derselbe Effekt ließ sich auch noch sechs Monate nach Therapieende beobachten, war aber nach zwölf Monaten verschwunden.

Ferner hielten die Forscher fest, unter welchen Nebenwirkungen die Patienten litten. Bei den Nicotin-Pflastern ergab sich kein signifikanter Unterschied zu Placebo. Unter Vareniclin klagten langsame Metabolisierer oft über Übelkeit und abnormale Träume. Normale Metabolisierer berichteten ebenfalls vermehrt von Übelkeit, ­waren aber weniger reizbar, ängstlich oder unaufmerksam. Generell hatten die langsamen Metabolisierer häu­figer Nebenwirkungen unter Vareniclin.

FDA warnt vor Alkoholunverträglichkeit und Krämpfen unter Vareniclin

Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) informierte in einer Drug Safety Communication über Fälle, in denen Vareniclin (in Deutschland Champix®, in den USA Chantix®) offenbar die Reaktion auf Alkohol verändert hat. Mit dem den selektiven partiellen Agonisten am nicotinergen Acetylcholinrezeptor Vareniclin behandelte Patienten vertrugen den Alkohol schlechter als sonst, sie waren betrunkener, aggressiver und hatten mehr Gedächtnislücken. Zudem wurden seltene Fälle von Krämpfen bei Einnahme von Vareniclin berichtet, die nach Angaben der FDA meistens während des ersten Behandlungs­monats auftraten.

Patienten, die Vareniclin einnehmen und die Alkohol plötzlich schlechter vertragen, sollten ihren Alkoholkonsum verringern. Beim Auftreten von Krämpfen sollte die Einnahme von Vareniclin gestoppt werden. Die Fachinformationen in den USA werden entsprechend geändert, in Deutschland wird in der Fachinformation vor möglichen Krampfanfällen gewarnt, nicht aber vor einer Alkoholunverträglichkeit.

Quelle

FDA Drug Safety Communication: FDA updates label for stop smoking drug Chantix (varenicline) to include potential alcohol interaction, rare risk of seizures, and studies of side effects on mood, behavior, or thinking. Safety Announcement der Food and Drug Administration (FDA) vom 9. März 2015, www.fda.gov

Nach der Zulassung von Vareniclin in den USA war es bei Patienten zu depressiven Zuständen und Suizidversuchen gekommen. Ob ein kausaler Zusammenhang besteht, ist noch zu klären. Die Forscher fanden in dieser Studie jedoch keine Hinweise auf häufiger auftretende Depressionen.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass Raucher vor einer Entwöhnungstherapie von einer Biomarker-Analyse profitieren könnten. Langsame Metabolisierer können dann mit nebenwirkungsärmeren Nicotin-Pflastern behandelt werden, während normale Metabolisierer von den für sie effektiveren, synthetischen Wirkstoffen wie Bupropion und Vareniclin profitieren können.

Jedoch bleibt die Frage nach der Kosteneffektivität zu klären. Können die Vorteile die Kosten der Biomarker-Analyse aufwiegen? Dabei sind allerdings auch die weltweit etwa sechs Millionen Todesfälle durch Tabak­konsum zu beachten, ebenso wie die ca. 200 Milliarden US-Dollar an jähr­lichen Gesundheitskosten, die durch die Folgen des Rauchens entstehen. |

Quelle

Lerman C. Use of nicotine metabolite ratio as a genetically informed biomarker of response to nicotine patch or varenicline for smoking cessation, Lancet Respir Med, 12. Januar 2015

Ware JJ. Importance of national context in the translation of personalised treatments for smoking cessation, Lancet Respir Med, 12. Januar 2015

Apothekerin Sarah Katzemich

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