INTERPHARM 2015 – POP

Gemeinsam für den Demenz-Patienten

Interprofessionelles Zusammenspiel für eine optimale Therapie

kas | Wird beispielsweise eine Alzheimer-Demenz diagnostiziert, kann diese mit der bisher verfügbaren Pharmakotherapie weder geheilt noch auf einem bestimmten Niveau stabilisiert werden. Wie im Zusammenspiel von Arzt und Apotheker trotzdem die Verminderung der kognitiven Leistung verzögert und die Alltagskompetenz so lange wie möglich erhalten werden kann, erläuterten Isabel Waltering, PharmD, AMTS-Dozentin der Universität Münster und Dr. med. Tilman Fey, Chefarzt der Abteilung Gerontopsychiatrie der LWL-Klinik in Münster.

Alzheimer-Demenz ist die am häufigsten vorkommende Demenz-Form und betrifft circa 60% der Demenz-Patienten. Etwa 5 bis 15% leiden an einer vaskulären Demenz und weitere bis zu 15% an einer Lewy-Body-Demenz, außerdem gibt es seltene Demenz-Formen. Dass immer mehr Menschen von einer Demenz betroffen sind, liegt vor allem an der Überalterung der Bevölkerung – denn Alter ist ein wesentlicher Risikofaktor. Obwohl bestimmte Veränderungen im Gehirn mit einer Demenz-Erkrankung assoziiert sind, weiß man bislang in vielen Fällen nicht, welches pathophysiologische Geschehen der Auslöser ist. Und so beschränken sich die Präventionsmöglichkeiten auf die Optionen, welche auch zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen relevant sind: ­gesunde Ernährung, Normalgewicht, ­regelmäßige Bewegung und Nichtrauchen. Auch die soziale Interaktion spielt eine Rolle.

Foto: Christian Hartlmaier

Dr. med. Tilman Fey

Arzneimittel-induzierte Demenz ausschließen

Wie Fey erläuterte, ist bei Verdacht auf eine demenzielle Erkrankung stets ein differenzialdiagnostisches Vorgehen erforderlich. Neben einem ausführlichen Anamnese-Gespräch sind Laborparameter, eine Computertomografie, ggf. auch eine Kernspintomografie, eine Lumbalpunktion und diagnostische Tests wie der Uhrentest notwendig. Bereits bei der Differenzialdiagnose ist das Zusammenspiel von Arzt und Apotheker gefragt: Mit einer Arzneimittelanamnese sollte außerdem eine Arzneimittel-induzierte Demenz ausgeschlossen werden. Bei der Arzneimittelanamnese gilt es, die Arzneimittel zu identifizieren, die den kognitiven Abbau verschlechtern.

Steht nach der Differenzialdiagnostik eine Demenz-Erkrankung fest, zielt die dann folgende Therapie insbesondere auf den möglichst langen Erhalt der Alltagskompetenz. Pharmakotherapeutisch werden Donepezil, Galantamin, Rivastigmin und Memantin eingesetzt. Auch Ginkgo hat in einer Dosierung von 240 mg pro Tag einen geringen Nutzen für die Aktivitäten des täglichen Lebens – eine Prophylaxe ist damit aber nicht möglich.

Fey erläuterte, dass man die Arzneimittel in der Regel bis zur maximal verträglichen Dosis auftitriert, um den bestmöglichen Effekt zu erzielen. Waltering sensibilisierte die Zuhörer, dass sie bei den Antidementiva stets auf eine adäquate Dosierung achten. Denn nicht selten kommt es vor, dass vom Hausarzt der Starterpack, welcher vom Facharzt verordnet wurde, weiterverordnet wird. Die notwendige Auftitration der Dosis findet dann nicht statt.

Foto: Christian Hartlmaier

Isabel Waltering, PharmD

Galantamin morgens, Donepezil abends

Auch der Einnahmezeitpunkt kann für die Akzeptanz und Verträglichkeit der Therapie von entscheidender Bedeutung sein. Während Galantamin am besten morgens mit einer Mahlzeit eingenommen werden sollte, ist Donepezil abends einzunehmen. Zudem sollten Interaktionen vermieden werden: Bei der Kombination mit CYP-2D6-Inhibitoren ist beispielsweise Rivastigmin das Mittel der Wahl, da dieses im Gegensatz zu Donepezil und Galantamin nicht über CYP-3A4 und CYP-2D6 metabolisiert wird.

Häufige Probleme

Anhand von Fallbeispielen übten die Zuhörer das erworbene Wissen und identifizierten dabei beispielsweise folgende Probleme:

  • die Dosis eines Antidementivums wurde nicht auftitriert,
  • ein Patient erhielt das anticholinerg wirksame Amitriptylin, welches besser gegen ein Antidepressivum vom SSRI-Typ wie Citalopram ausgetauscht werden sollte,
  • ein Patient erhielt das stark anticholinerg wirksame Oxybutinin aufgrund seiner Harninkontinenz, das durch Trospium ersetzt werden ­sollte,
  • das Antidementivum wurde zur falschen Tageszeit verabreicht, sodass der Patient nachts unruhig war,
  • die Dauertherapie mit einem Benzodiazepin sollte langsam ausgeschlichen werden.

Generell sollten anticholinerge und sedierende Substanzen vermieden werden. Antipsychotika lassen sich nicht immer umgehen, da die Angehörigen und Pflegekräfte oftmals eine Pharmakotherapie zur Behandlung von aggressivem Verhalten und bei einer Störung des Tag-Nacht-Rhythmus benötigen. Für Schlafstörungen gibt es keine evidenzbasierten Empfehlungen bei Demenz, allerdings kann auch hier die Überprüfung der Medikation sinnvoll sein:

  • Wird das Antidementivum zum richtigen Zeitpunkt eingenommen?
  • Sorgen Diuretika am Abend für nächtliches Aufstehen?

Bei Aggressivität ist einzig Risperidon zugelassen, welches üblicherweise in einer Dosierung von 2 mg pro Tag gegeben wird. Das Wichtigste bei Demenz-Patienten ist, gemeinsam an den Ressourcen zu arbeiten. Besser als Gedächtnistraining sind eine Milieutherapie und die Biografiearbeit. |

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