INTERPHARM 2015 – Infektiologie

Scharfe Schwerter gegen Bakterien

Einnahme- und Vorsichtshinweise für eine bessere Verträglichkeit

hb | Antibiotika sind eine äußerst wichtige, aber auch sehr „sensible“ Arzneimittelgruppe. Offizinapothekerin Stefanie Eckard aus Hamburg stellte dar, was bei der Abgabe zu beachten ist, damit die „scharfen Schwerter gegen Bakterien“ nicht vorzeitig stumpf werden und unerwünschte Wirkungen so weit wie möglich in Grenzen gehalten werden.
Foto: DAZ/Alex Schelbert

Stefanie Eckard

Die am häufigsten verordneten antibiotischen Stoffe sind Amoxicillin, Cefuroxim, Ciprofloxacin, Azithromycin und Doxycyclin. Unabhängig vom Wirkstoff sollten Antibiotika ausreichend lange eingenommen werden. Als Faustregel gilt: bis Beschwerdefreiheit plus zwei bis drei Tage.

Wie alle Arzneimittel können auch Antibiotika zu unerwünschten Wirkungen führen. Die Schwere hängt sowohl vom Gesundheitsstatus des Patienten als auch vom Wirkstoff ab (Tab.)

Tab.: Verträglichkeit gängiger Antibiotika
mögliche unerwünschte Wirkungen
Amoxicillin Aminopenicillin-Exanthem
Cefuroxim ZNS-Reaktionen: Kopfschmerzen, Schwindel
Azithromycin ZNS-Reaktionen: Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit, psychiatrische StörungenGeruchs-, GeschmacksstörungenHör-, Sehstörungen
Ciprofloxacin ZNS-, psychiatrische Störungen:Kopfschmerz, Schwindel, BenommenheitZittern, Krämpfe, PolyneuropathienAngst, HalluzinationenDepressionen, Psychosen, Selbstmorde
Doxycyclin Magen-Darm-StörungenMund-, Rachenschleimhaut: Entzündungen, Reizung der Speiseröhre

. Bei vielen Patienten, die angeben, eine Penicillin-Allergie zu haben, trifft dies möglicherweise gar nicht zu. Eckard empfiehlt, die Patienten dazu zu ermuntern, dies gegebenenfalls noch einmal abklären zu lassen.

Auch Wechselwirkungen zwischen Antibiotika und anderen Arzneistoffen sind zu beachten. Deswegen sollte bei der Abgabe auf jeden Fall gefragt werden, ob noch andere Arzneimittel eingenommen werden. Flurochinolone (Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin) interagieren im Übrigen auch mit Kationen (vor allem Al, Ca, Fe, Mg, Sr, Zn), weshalb bei der Gabe ein Einnahmeabstand von zwei bis sechs Stunden eingehalten werden sollte.

Probleme können sich außerdem durch die Verstoffwechselung ergeben. Makrolide und Ciprofloxacin werden über Leberenzyme (CYP-450) verstoffwechselt. Bei gleichzeitiger Einnahme kann Ciprofloxacin dadurch zum Beispiel die Spiegel von Duloxetin, Olanzapin, Zolmitriptan und Phenytoin erhöhen.

Makrolide und Chinolone können außerdem eine Verlängerung der QT-Zeit bewirken, die sich klinisch in Anzeichen von Herzrhythmusstörungen bemerkbar macht. Eckard rät deshalb auch zu einer erhöhten Aufmerksamkeit bei einigen „Red Flags“ OTC-Arzneimiteln, die ebenfalls zu den ­potenziellen QT-Zeit-Verlängerern zählen. Hierzu gehören Diphen­hydramin, Azelastin, Dimenhydrinat, Phenylephrin, Pseudoephedrin und Pantoprazol.

Für die Recherche in Sachen Wechselwirkungen empfiehlt sie die ABDA-­Datenbank, weist allerdings darauf hin, dass es hier teilweise Abweichungen zu den Fachinformationen der entsprechenden Arzneimittel gibt. |

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