Gesundheitspolitik

An die Grenzen des Erlaubten gehen

7. Kooperationsgipfel des Bundesverbands Deutscher Apothekenkooperationen

MÜNCHEN (diz) | „Die Apothekenkooperationen sollten an die Grenzen des Erlaubten gehen und unser System dehnen“, zeigte sich Stefan Hartmann, Vor­sitzender des Bundesverbands Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) auf dem 7. Kooperationsgipfel am 4. und 5. Februar in München überzeugt. ­Kritische Worte ­äußerte er in Richtung Pharmazieräte: Hier wünsche er sich keine Einmischung in betriebswirtschaftliche Belange. Den diesjährigen BVDAK-Kongress nutzten knapp 400 Teilnehmer aus Industrie, Großhandel, ­Kooperationen und Apothekendienstleistern zum Netzwerken.

In seinem Eröffnungsstatement stellte Hartmann die Forderungen heraus, für die sein Verband eintritt: Anpassung des Apotheken­honorars, Erhöhung der BtM-Gebühr und der Rezepturpreise sowie das Ende von Nullretaxationen wegen Formfehlern. Außerdem sei es dringend notwendig, so Hartmann, die Berufsbilder des Apothekers und der PTA zu modernisieren: „PTA brauchen mehr Kompetenzen und mehr Verantwortung, dadurch wird das Berufsbild attraktiver.“

Foto: az/diz

Stefan Hartmann, BVDAK: Pharmazieräte sollen sich bei betriebswirtschaftlichen Belangen nicht einmischen.

Zur Äußerung des Vorsitzenden der Pharmazieräte, Christian ­Bauer, der unlängst sagte, „den Kaufmann Apotheker braucht die Gesellschaft nicht“, fand Hartmann deutliche Worte: Er wünsche von dieser Seite keine Ein­mischung in betriebswirtschaft­liche Belange.

Das von vielen Seiten gewünschte Medikationsmanagement sei zwar zu begrüßen, so Hartmann, aber die Frage sei, ob dies alle Apotheken leisten könnten, und: „Die ­Honorierung dafür muss vorher festgelegt werden!“

Eine grundsätzliche Neuausrichtung wünsche er sich beim Notdienst: Er müsse mit Fokus auf den Patienten aufgebaut werden: „Wie kann der Patient durch welches Konstrukt am besten versorgt werden“, dies sei die Ausgangsfrage für neue Strukturen.

ABDA verliert den Blick für die Realität

Der ABDA warf er vor, den Blick für die Realität zu verlieren. Denn der Apothekenmarkt habe sich weiter differenziert: „Die ABDA muss sich von der Vorstellung ­lösen, auch die letzte Apotheke im Bayerischen Wald vertreten zu können“, so Hartmann, schon längst erfüllten nicht mehr alle Apotheken die Anforderungen.

Herausforderungen für 2015

Als Herausforderungen für 2015 sieht der BVDAK die sinkenden Großhandelskonditionen, eine zunehmende Bürokratisierung und einen steigenden Fachkräftemangel. Für Apothekenkooperationen wünsche er sich, „an die Grenze des Erlaubten zu gehen und unser System zu dehnen“, denn die Anforderungen hätten sich geändert. „Die Kooperationen haben den Apothekenmarkt in den letzten zehn Jahren maßgeblich positiv weiterentwickelt“, zeigte sich Hartmann überzeugt.

Für den Bereich der Kooperationen wünsche er sich mehr Solidarität, so Hartmann mit Kritik nach innen. Leider fehlten in seinem Verband noch die großen Kooperationen, die auch für die Wahrnehmung des BVDAK in der Politik förderlich wären.

Der BVDAK gründete sich 2008. Ihm gehören 14 Kooperationen an, darüber hinaus wird er von 23 Fördermitgliedern aus Indus­trie und Großhandel unterstützt. |

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