Wirtschaft

Steht die DAK vor dem Aus?

Drohender Mitgliederschwund wegen Erhöhung des Zusatzbeitrags

wes | Das absurde Retax-Gebahren der DAK Gesundheit lässt bei Apothekern schon länger das Gefühl aufkommen, dass diese geradezu um sich schlägt. Nun mehren sich Berichte, dass die drittgrößte Krankenkasse vor dem Aus steht.

Verantwortlich dafür dürfte nicht zuletzt die Anhebung des Zusatzbeitrags ab 2016 sein. Der DAK-Vorstandsvorsitzende Herbert Rebscher kündigte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Erhöhung um 0,6%-Punkte und damit eine Steigerung des Beitragssatzes auf 16,1% an (die endgültige Entscheidung des Verwaltungsrats stand bei Redaktionsschluss noch aus).

Vor diesem Hintergrund spekulierte die Stuttgarter Zeitung in ihrer Online-Ausgabe am Mittwoch von einer drohenden Pleite der DAK Gesundheit und erinnerte an den Mitgliederschwund, den die Kasse erleben musste, als sie 2010 einen Zusatzbeitrag von 8 Euro pro Monat eingeführt hatte.

Ist die DAK pleite, aber „too big to fail“?

Nun mache in Berlin das Szenario die Runde, dass die DAK „nicht überlebensfähig“ sei. Zwar seien Krankenkassen-Pleiten prinzipiell denkbar, die DAK könnte mit ihren fast fünf Millionen Mitgliedern aber „too big to fail“ sein – „die Bundesregierung würde alles versuchen“, den Versicherer zu ­retten, vermutet die Zeitung.

Es ist schon länger bekannt, dass die wirtschaftliche Situation der drittgrößten gesetzlichen Krankenkasse in Deutschland nicht ­rosig ist. So gelingt es der DAK Gesundheit nicht, die Zahl ihrer Mitglieder dauerhaft über der 5-Millionen-Schwelle zu halten. Nach Medienberichten hat sie aktuell 4,9 Millionen Mitglieder – ­genauso viele wie 2004.

Das Handelsblatt hat die DAK – zusammen mit KKH und Barmer GEK – als „Verliererkasse“ bezeichnet, weil sie aus dem morbiditätsorientierten Strukturausgleich (Morbi-RSA) weniger Geld bekommen, als ihre Versicherten kosten.

Schikanen aufgrund des wirtschaftlichen Drucks?

Kenner der Apothekenbranche führen auch das teilweise absurde Retaxationsverhalten der DAK auf den gestiegenen wirtschaftlichen Druck zurück. Jüngster Fall: Eine Apotheke, die regelmäßig Nasenspray für ein Kind verdünnt, soll den Sprühkopf wiederverwenden. „Aus hygienischen Gründen ist der Aufsatz natürlich vor dem ­weiteren Gebrauch zu reinigen und ggf. zu desinfizieren“, schreibt die DAK an die Apotheke.

Der Präsident der Hamburger Apothekerkammer, Kai-Peter Siemsen, berichtete kürzlich von einem Gerichtsurteil, das eine 7000-Euro-Retaxation der DAK wegen eines kleinen Formfehlers als „rechtsmissbräuchlich“ einschätzte. Das DAP sprach im Zusammenhang mit Absetzungen von Rezepten, bei denen „pharmazeutische Bedenken“ angeblich nicht ausreichend begründet wurden, von einer „existenzbedrohenden Retaxwelle“ der DAK.

Vernichtendes Zeugnis von den Apothekern

Bei einer Erhebung von Prof. ­Andreas Kaapke und Uwe Hüsgen, mit welchen Krankenkassen die Zusammenarbeit von den Apo­thekern als besonders konflikt­beladen eingestuft wurde, bekam die DAK ein vernichtendes Zeugnis von den Apothekern ausgestellt (s. DAZ 2015, Nr. 44). Ins­gesamt 205 Apotheker hatten die Zusammenarbeit mit dieser Kasse als konfliktbeladen bezeichnet, so viele wie bei keiner anderen Krankenkasse. Ganze 24 Apotheker fanden, dass zur DAK ein ­gutes Verhältnis bestehe.

Viele Apotheker beschweren sich lautstark über dieses Verhalten der Kasse, „schikanös“, „Zechprellerei“ oder „Wegelagerer“ sind noch die harmloseren Begriffe, die fallen. Aber vielleicht handelt es sich bei dem „Umsichschlagen“ um das verzweifelte Strampeln ­eines Ertrinkenden? |

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