Gesundheitspolitik

Paper-Health statt e-Health

Kommentar von Peter Ditzel

Seit Jahren passiert nur wenig, jetzt kann’s unserem Bundesgesundheitsminister nicht schnell genug gehen: Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) soll (re-)animiert werden. Und ab Herbst 2016 soll jedem Versicherten, der mindestens fünf verordnete Arzneimittel anwendet, ein Medikationsplan zustehen, auf den man mittels Karte zugreifen kann – wenn denn die Server und die Datenautobahn stehen. Weil aber die Telematik-Infrastruktur für die eGK bis Ende 2016 noch nicht steht, gibt’s den Medikationsplan durch den Hausarzt erst mal in Papierform. eHealth startet Paper-Health – ist so ähnlich wie mit dem Fahrrad auf der Autobahn fahren.

Keine Frage, bei der eGK braucht es Druck, wie die Erfahrungen in den letzten Jahren zeigten. Zu unterschiedlich sind die Vorbehalte gegen und die Wünsche für eine eGK bei Ärzten, Apothekern und Kassen. Mit dem eHealth-Gesetz macht der Minister nun mächtig Dampf im elektronischen ­Kessel – mit festen Vorgaben und Fristen, bis wann was ­umgesetzt sein muss. Und die Vorteile eines Medikationsplans haben den Minister überzeugt, damit zu starten. Ein begrüßenswerter Schritt.

Fragt sich nur, wie die Papierpraxis – solange man nicht mit der Karte via Datenautobahn auf die Server zugreifen kann – realiter aussehen wird. Denn neben dem Hausarzt sollen auch Facharzt und Apotheker den Plan aktualisieren können. Bis April 2016 müssen sich daher erst mal Ärzte-, Apotheker-, Krankenhaus- und Kassenverbände über Inhalt, Struktur und Fortschreibung des Medikationsplans einigen. Bis ­e-Health läuft, wird es noch viel Paper-Health geben.

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