Wirtschaft

Was treibt die Ausgaben?

Arzneimittel-Atlas in Berlin vorgestellt

BERLIN (ks) | 2014 lagen die absoluten Arzneimittelausgaben erstmals über denen des Jahres 2010. Seit 2011 zäumte nicht zuletzt das AMNOG die Zuwächse. Das Plus von 2,95 Milliarden ­Euro im Vergleich zu 2013 beruht vor allem auf einmaligen Effekten, erklärte Professor Bertram Häussler, Leiter des Berliner IGES-Instituts, anlässlich der Vorstellung des aktuellen Arzneimittel-Atlas am 9. Juni: dem Auslaufen des erhöhten Herstellerrabatts und der höheren Apothekenvergütung.

Was in einer Grafik des IGES gleichwertig nebeneinander steht, hat bei genauerer Betrachtung ­allerdings eine recht unterschiedliche Gewichtung: Auf 1,16 Milliarden Euro beziffert das IGES die beiden genannten Sondereffekte des vergangenen Jahres – das sind 42 Prozent des Gesamtausgabenanstiegs von 2,76 Milliarden Euro (auf Basis von Daten von Insight Health). Wer genauer nachfragt, erfährt: Von diesem Milliardenbetrag gehen gerade einmal 68 Millionen Euro auf das Konto höherer Apothekenhonorare. Dahinter steckt die bereits im August 2013 eingeführte Nacht- und Notdienstpauschale, die sich tatsächlich noch 2014 als Sondereffekt bemerkbar macht, wenn auch im eher bescheidenen Bereich.

Ein Plus von 180 Millionen rechnet das IGES zudem dem Umstand zu, dass die Versichertenzahl der gesetzlichen Krankenkassen 2014 massiv angestiegen ist – knapp 430.000 Versicherte mehr als im Vorjahr zählten sie. Das bringt zwar mehr Einnahmen, aber eben auch mehr Ausgaben, so Häussler. Den größten Anteil am Zuwachs hatten mit 1,42 Milliarden aber der erhöhte Arzneimittelverbrauch sowie die Kosten für Innovationen.

Zahl neuer Arzneimittel auf Rekordhoch

Dabei machten Arzneimittel für fünf Anwendungsgebiete drei Viertel der Verbrauchskomponente aus: Insbesondere die Mehrverordnung von Arzneimitteln gegen Rheuma, multiple Sklerose, Schlaganfall, ­Hepatitis C und Makuladegeneration ließen die Ausgaben wachsen. Unter dem Innovationsaspekt waren die Mehrausgaben vor allem auf die neuen antiviralen Mittel ­gegen Hepatitis C zurückzuführen – hier wurden bisherige Arznei­mittel komplett von den neuen ­Präparaten verdrängt.

Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands forschender Pharma-Unternehmen (vfa), verwies auf die bemerkenswert vielen neuen Arzneimittel, die 2014 auf den Markt kamen: 49 allein, die auf neuen Wirkstoffen basieren. Elf davon kommen gegen Infektionskrankheiten zum Einsatz, acht gegen Krebs. Vier Medikamente zur Behandlung der Hepatitis C, zwei sind neue Antibiotika, die auch gegen den multiresistenten Klinikkeim MRSA wirksam sind.

Schwieriger Eingang in die Versorgung

Leider, so Fischer, zeigten die Analysen des neuen Arzneimittel-Atlas, dass viele neue Arzneimittel nur zögerlich Eingang in die Versorgung finden. Das ursprüngliche Ziel des AMNOG, neue Arzneimittel schnell zum Patienten zu bringen, werde leider häufig verfehlt. Das liege nicht zuletzt daran, dass die frühe Nutzenbewertung zu sehr als Kostendämpfungsmaßnahme gesehen werde. So werde auf Ärzte etwa mittels Wirtschaftlichkeitsprüfungen Druck ausgeübt, AMNOG-Arzneimittel nicht zu häufig zu verschreiben. Fischer hält dies für kontraproduktiv. Sie ist überzeugt, dass mithilfe der neuen Arzneimittel langfristig viel mehr eingespart werden könnte. Zum Beispiel Hepatitis C: Kann diese ­geheilt werden, bedürfe es keiner Lebertransplantation mehr. |

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