Steuer

Ein stiller Mit-Geschäftsführer?

Über die Bedeutung des Steuerberaters für die Apotheke

Weit verbreitet ist die Gepflogenheit, den Steuerberater nicht nur mit der Aufstellung des Jahresabschlusses zu betrauen, sondern auch mit der gesamten Buchhaltung. Verknüpft mit der Erwartung, dass er vor allem aus den unterjährigen Zahlen gewonnene Auffälligkeiten sofort mit dem Apotheker bespricht und gleichzeitig etwa erforderliche Weichenstellungen empfiehlt. Kennt aber der Steuerberater die Erwartungshaltung seiner Mandanten überhaupt, zumal er obendrein die EDV-Eingaben an seine Mitarbeiter delegiert und die monatlichen Ausdrucke meist nicht einmal sieht? Ob er auch als Betriebsberater qualifiziert ist, erfordert diese Aufgabe doch eine spezielle Ausbildung (keine Voraussetzung zur Zulassung als Steuerberater)? Eine Zusatz-Qualifikation, über die nur ein relativ kleiner Teil der Steuerberater verfügt. Zudem schließt sein Honorar keineswegs eine Tätigkeit als Betriebsberater ein. So behaupteten zwei Steuerberater in einer Fachbroschüre, Lieferantenkredit sei billiger als ein „teurer“ Bankkredit. Von ungewöhnlichen Ausnahmen abgesehen trifft jedoch das genaue Gegenteil zu.

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Vertrauenssache Die fachliche Qualität eines Steuerberaters kann man als Laie schwer beurteilen. Es gibt aber ein paar Punkte, die bei der Auswahl weiterhelfen können.

Ein Steuerberater hat sich mit häufig ändernden Steuergesetzen wie mit der einschlägigen Rechtsprechung zu beschäftigen. Zumal Nachlässigkeit in dieser Beziehung dem Apotheker schaden kann, ohne dass dieser es bemerkt. Leider betrachten viele Steuerberater alles durch die „Steuerbrille“, ohne das wirtschaftliche Gesamtergebnis zu bedenken. So empfehlen Steuerberater oftmals Neuinvestitionen nur wegen des Ablaufs des Abschreibungszeitraums des alten Anlageguts, um die „Steuer zu drücken“ bzw. global „aus steuerlichen Gründen“, ein Zauberwort, das bekanntlich jedes Nachfragen abwürgen soll. Fragen Sie daher, welche zusätzlichen Motive für eine Neuinvestition sprechen, und folgt keine wirtschaftlich nachvollziehbare klare (!) Begründung, sollten Sie dem Rat keinesfalls folgen. Werden beispielsweise wieder einmal degressive Abschreibungen gestattet – wie besonders in Konjunkturtälern üblich – sollten Sie sich die wirtschaftlichen Auswirkungen während der Abschreibungs-Gesamtlaufzeit vor Augen führen, und erst dann entscheiden (mehr zu diesem Thema lesen Sie im Beitrag „Investitionen – aus ‚steuer­lichen Gründen‘“ in AZ 2014, Nr. 37, S. 6). Damit seien wirtschaftlich sinnvolle Investitionen keinesfalls verteufelt. Schließlich sollte man aber bedenken, dass eine Reihe von Steuerberatern bereits auf sogenannte Steuermodelle hereingefallen ist. Auch selbst ein hoch qualifizierter Steuerberater kann für den Apotheker ­keineswegs optimal sein, findet er für seinen Mandanten zu ­wenig Zeit für ein fundiertes ­Beratungsgespräch, das freilich auch Geld kostet. Doch dieses ist dafür gut angelegt.

Des Steuerberaters Honorar

Die Gebührenordnung der Steuerberater sieht drei Alternativen vor: Wertgebühr, Zeitgebühr (in der Regel 40 bis 80 Euro je 30 Minuten, sofern nicht höheres Honorar vereinbart wird) sowie Beratungs(rahmen)gebühr. Auch lassen sich Festhonorare absprechen. Deren Vorteil: Kalkulierbarkeit; deren Nachteile: Der Steuerberater kalkuliert sie regelmäßig recht „großzügig“, um zeitlich unvorhergesehene Probleme einzubeziehen oder – sein Engagement erlahmt, sobald der angepeilte Zeitrahmen überschritten wird.

Die Wahl des „richtigen“ Steuerberaters

Leider ist es für einen Laien fast unmöglich, die fachliche Qualität eines Steuerberaters zu überprüfen. Dagegen verfügen Wirtschaftsprüfer regelmäßig auch wirtschaftlichen (nicht nur steuerlichen) Sachverstand, doch stellen sie vergleichsweise höhere Honorarrechnungen.

Jedenfalls sollte der Apotheker vor Mandatserteilung seinem künftigen Partner auf den Zahn fühlen. Das sollte man auch bei bereits bestehenden Verbindungen sinngemäß nachholen. Wichtig ist das Anbahnungsgespräch, das dem Kennenlernen dient, ob wohl auch „die Chemie“ stimmt. Freundlichkeit allein reicht dafür jedoch nicht. Es sollte geklärt werden:

  • Alter der Praxis
  • vorherige Tätigkeit des Steuerberaters (wenn im Finanzamt, in welcher Funktion und mit welchem Aktionsradius?)
  • deckt er Spezialbereiche ab, die für Sie von Interesse sind?
  • wie viele Apotheken betreut er bereits (wegen des Gespürs für eine Apotheke)?
  • scheint der Steuerberater auf das Gespräch vorbereitet?
  • Ihr künftiger Aufgabenbereich für den Steuerberater
  • Honorargestaltung (wenn er bereits für das Kontaktgespräch Honorar verlangt, kann man sich auf künftig deftige Rechnungen einstellen)
  • legen Sie ihm ihre letzten zwei, drei Abschlüsse vor und achten Sie auf des Steuerberaters Reaktion (sachdienliche Nachfragen dazu sind positiv zu werten; Lobeshymnen schmeicheln zwar, zeugen aber häufig von Unaufrichtigkeit)!
  • interessiert er sich für Ihre ­geschäftlichen Pläne?
  • binnen welcher Frist fertigt er normalerweise den Jahresabschluss (sollte unbedingt vor dem 30. Juni liegen, um etwaigen Fehlentwicklungen möglichst zeitnah begegnen zu ­können)?
  • Eine sofort parate Lösungsidee des Steuerberaters selbst für komplizierte Fachfragen spricht zwar für rasche Reaktionsgabe, jedoch angesichts des komplizierten deutschen Steuersystems und einer Flut einschlägiger Gerichtsurteile für Oberflächlichkeit.

Sicherlich ist Kanzleinähe ein nicht zu übersehender Pluspunkt, doch haben fachliche Qualifikation und ausreichend Zeit für ­Beratungsgespräche Vorrang. Bleibt nachzutragen: Absolute ­gegenseitige Offenheit bleibt die unabdingbare Basis einer ersprießlichen Zusammenarbeit. |

Michael Bandering

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