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Große Koalitionstreitet über PiDaNa

Anträge zur Entlassung aus der Verschreibungspflicht in Ausschüsse verwiesen

BERLIN (jz) | Bei der Frage, ob die „Pille danach“ in Apotheken rezeptfrei erhältlich sein sollte, ist die Große Koalition uneins. CDU-Gesundheitsminister Hermann Gröhe hat sich jüngst dagegen ausgesprochen. Dies sorgte für heftige Kritik – nicht nur von der Opposition. Jetzt soll sich der Gesundheitsausschuss näher mit dem Thema befassen.

Parteiübergreifend ist man sich einig, dass bei der Abgabe der „Pille danach“ Beratungsbedarf besteht – allerdings gehen die Meinungen auseinander bei der Frage, wer diese Beratung am besten leisten kann. Linke, Grüne und SPD setzen dafür auf die Apotheker, die Union dagegen auf die Ärzte. Neben der Beratung zu den möglichen Nebenwirkungen gehe es auch um individuelle Hilfe für betroffene Frauen, etwa im Falle einer Vergewaltigung, erklärte die parlamentarische Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (CDU) im Rahmen der Bundestagsdebatte am 13. Februar. „Das ist mehr als die bloße Abgabe eines Medikaments.“ Es erfordere auch mehr als in der Regel am Nachtschalter einer Apotheke, von einer Versandapotheke oder Pick-up-Stelle geleistet werden könne. Die Information, Beratung und Untersuchung durch den Arzt sei daher erforderlich.

Lauterbach verteidigt Apotheker

Birgit Wöllert (Linke) bezweifelte indessen, dass in Deutschland eine zügige ärztliche Beratung meist innerhalb weniger Stunden möglich ist. Diese Annahme gehe in vielen Regionen des Landes „schon längst an der Realität vorbei“. Sie könne „beim besten Willen nicht verstehen, warum unsere hochqualifizierten Apothekerinnen und Apotheker nicht mindestens genauso gut diese Beratung leisten können, wie der Bereitschaftsdienst am Wochenende beispielsweise durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt“, ergänzte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Kordula Schulz-Asche. Karl Lauterbach (SPD) machte sich ebenfalls für die Beratung in der Apotheke stark: Der Apotheker könne zum sicheren und wirksamen Wirkstoff Levonorgestrel „ohne Wenn und Aber beraten“. Es gebe andere Wirkstoffe wie ASS, Paracetamol oder Ibuprofen, die unsachgemäß eingenommen viel gefährlicher seien. Im Anschluss an die Debatte wurden die beiden Anträge von Linken und Grünen, die eine Entlassung aus der Verschreibungspflicht fordern, in die Ausschüsse für Gesundheit (federführend) und Familie (mitberatend) verwiesen.

Onlinepetition für Freigabe

Die Debatte ist inzwischen keine rein politische mehr. In den sozialen Netzwerken wird ebenfalls diskutiert und Stimmung gemacht. So hat eine Onlinepetition, die die sofortige Entlassung aus der Verschreibungspflicht fordert, bereits knapp 25.000 Unterstützer gefunden. Initiatorin der Petition ist Stefanie Lohaus, Gründerin und Chefredakteurin des Missy Magazines. Die medizinischen Fakten sprächen für die Freigabe, die Teil der sexuellen Selbstbestimmung der Frau sei, erklärt Lohaus auf der Petitionsseite. Für die Rezeptfreiheit der „Pille danach“ will sie 50.000 Unterschriften sammeln. „Dies ist unsere große Chance der Regierung zu zeigen, wie die gesellschaftliche Mehrheit zu dem Thema denkt.“ Zunächst wird die „Pille danach“ allerdings Thema im Gesundheitsausschuss sein. Allerdings: Selbst wenn dieser die Freigabe empfehlen sollte, wäre dies für den Gesundheitsminister nicht bindend. Abzuwarten bleibt daher, ob Gröhe seine Meinung überdenkt oder nicht. 

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