Arzneimittel und Therapie

HPV-Screening schützt besser

Wird der PAP-Test zum Erkennen eines Zervix-Karzinoms abgelöst?

Dem Follow-up von vier großen europäischen Studien zufolge könnte das HPV-Screening schon bald den bisherigen Standard ablösen. Wie die aktuell publizierten Daten zeigen, schützt der molekulare Nachweis des humanen Papilloma-Virus (HPV) um 60 bis 70% besser vor einem invasiven Zervixkarzinom als der Zellabstrich nach Papanicolaou (Pap-Test). Mithilfe des HPV-Screenings können Krebsvorstufen früher erkannt und behandelt werden, so dass es daher seltener zur Ausbildung des invasiven Karzinoms kommt.

In vier großen randomisierten Studien – Swedscreen (Schweden), POBASCAM (Niederlande), ARTISTIC (England) und NTCC (Italien) – wurde im Rahmen der Zervixkarzinom-Früherkennung das molekulare Screening auf humane Papillomaviren mit dem herkömmlichen zytologischen Abstrich nach Papanicolaou verglichen. Studienendpunkte waren jeweils die Dysplasievorstufen CIN2 und CIN3, nicht das invasive Karzinom selbst.

Daher sollte ein Follow-up der vier Studien eine valide Aussage über die langfristigen Auswirkungen der beiden miteinander verglichenen Screeningmethoden ermöglichen, also im Hinblick auf die Reduktion des tatsächlichen invasiven Zervixkarzinoms.

Unter der Federführung von Dr. Guglielmo Ronco vom Zentrum für Krebsepidemiologie und Prävention der Universität Turin poolten die Experten der „International HPV Screening Working Group“ die Daten der vier genannten europäischen Studien. Insgesamt waren 176.464 Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren entweder dem HPV- oder dem zytologischen Screening zugeordnet, die Teilnehmerinnen wurden über einen mittleren Zeitraum von 6,5 Jahren nach Studienbeginn beobachtet. Als Endpunkt des Follow-ups galt ausdrücklich auch das invasive Zervixkarzinom selbst, nicht nur seine Vorstufen.

Nach 2,5 Jahren weniger Krebsfälle bei HPV-Test

Insgesamt entdeckten die Forscher im Beobachtungszeitraum 107 invasive Zervixkarzinome. In den ersten zweieinhalb Jahren nach Studienbeginn zeigten sich – bezogen auf die Häufigkeit des malignen Tumors – zunächst keine wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Screening-Methoden. Danach jedoch traten bei Frauen, die am HPV-Screening teilnahmen, deutlich weniger Karzinomfälle auf (46,7 von 100.000) als bei Frauen, bei denen der Pap-Test durchgeführt wurde (93,6 von 100.000).

Weiterhin ergaben die Follow-up-Daten, dass die kumulierte Inzidenz des invasiven Zervixkarzinoms 5,5 Jahre nach einem negativen HPV-Test niedriger war (8,7 von 100.000) als 3,5 Jahre nach einem negativen Zytologie-Test (15,4 von 100.000).

Zusammengefasst sind die Frauen laut den Berechnungen der Autoren zu 60 bis 70% besser vor dem Auftreten von Gebärmutterhalskrebs geschützt, wenn als Primärscreening statt des bisherigen Zellabstrichs ein molekularer HPV-Test durchgeführt wurde. Und Fünf-Jahres-Intervalle mit dem HPV-Screening scheinen sicherer zu sein als Drei-Jahres-Intervalle mit dem bisherigen zytologischen Test nach Papanicolaou.

Krebsverursacher humanes Papillomavirus

Nach zahlreichen Studien und Kontroversen ist es heute unstrittig, dass bestimmte Typen des humanen Papillomavirus für die Entstehung des Gebärmutterhalskrebses verantwortlich sind, ebenso für andere Erkrankungen des Anogenitalbereichs wie z.B. Genitalwarzen (Condyloma acuminata). Je nachdem, wie stark sie die Ausbildung eines Zervixkarzinoms bzw. seiner Vorstufen (CIN1–CIN3 = Cervical Intraepithelial Neoplasia) fördern, werden High-Risk- und Low-Risk-HPV-Typen unterschieden.

Aus dem Kausalzusammenhang zwischen einer HPV-Infektion und der Entwicklung des Zervixkarzinoms ergibt sich die Rationale für das Screening auf humane Papillomaviren: High-Risk-HPV-DNA lässt sich weltweit in nahezu allen Zervixkarzinomen nachweisen. Der molekulare HPV-Test bietet eine sehr hohe Sensitivität für den Nachweis von Krebsvorstufen und invasiven Karzinomen.

Plädoyer für HPV-Screening mit „Triage“

Daher machen sich Dr. Guglielmo Ronco und seine Kollegen für die Einführung des HPV-basierten Screenings mit einer „zytologischen Triage“ stark, durchzuführen vom 30. Lebensjahr an in Intervallen von mindestens fünf Jahren. Unter Triage (gemeint ist hier die Nutzung verschiedener diagnostischer Ressourcen) verstehen die Autoren das Vorgehen im Falle eines positiven HPV-Tests. Bei diesen Frauen wird nachfolgend ein zytologischer Abstrich gemacht. Ist dieser auffällig, wird mittels einer Kolposkopie der Gebärmutterhals genauer inspiziert (entsprechend dem Ablauf in der Swedscreen-, POBASCAM- und ARTISTIC-Studie; in der italienischen NTCC-Studie folgte die Kolposkopie unmittelbar auf den positiven HPV-Befund). Fällt der zytologische Test negativ aus, hält aber die HPV-Infektion über einen längeren Zeitraum an, wird ebenfalls eine Kolposkopie durchgeführt. 

Quelle

Ronco G, Dillner J, Elfström KM et al. Efficacy of HPV-based screening for prevention of invasive cervical cancer: follow-up of four European randomised controlled trials. www.thelancet.com. Published online November 3, 2013. http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(13) 62218-7

 

Clemens Bilharz, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin

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