Prisma

Muttermilch gegen Diarrhöen

Fucosyllactosen wehren Erreger ab

cae | Bestimmte Oligosaccharide in der Muttermilch senken bei gestillten Säuglingen das Risiko einiger viraler und bakterieller Infektionen.

Diarrhöen unterschiedlicher Ätiologie sind wesentlich für die hohen Kindersterblichkeitsraten in tropischen und subtropischen Ländern verantwortlich. Am stärksten gefährdet sind Säuglinge, die nicht (mehr) gestillt werden, und Kleinkinder, denn solange sie Muttermilch erhalten, erkranken die Säuglinge deutlich seltener. Verantwortlich dafür sind die humanen Milch-Oligosaccharide (HMO), die in hoher Variabilität und Konzentration von zehn bis 15 Gramm pro Liter in der Muttermilch vorkommen. Es handelt sich um Verbindungen der Lactose, unter denen die 2‘-Fucosyllactose (2‘-FL) mit etwa 30 Prozent dominiert. HMO sind unverdaulich, wirken jedoch im Darm antiinflammatorisch, bevor sie ausgeschieden werden. Indem sie mit Bakterien interagieren, hindern sie dieselben, an Epithelzellen anzudocken und Infektionen auszulösen.

Ein Team um den Mannheimer Pädiater Horst Schroten untersucht in Kooperation mit der Firma Jennewein Biotechnologie die Wirkung von HMO vor allem in vitro. So zeigten Tests, dass 2‘-FL die Adhäsion von enteropathogener E. coli und P. aeruginosa um 18 bzw. 17 Prozent hemmt. Bei 3-FL betrugen die Werte sogar 29 bzw. 26 Prozent. Eine derzeit laufende Studie soll klären, welche HMO in welchem Ausmaß Noroviren inaktivieren.

Die Forschungen über HMO sollen dazu führen, maßgeschneiderte Arzneimittel zu entwickeln; bisher sind HMO-haltige Produkte nur als präbiotische Nahrungsmittel auf dem Markt. 

Quellen: Weichert S, et al. Bioengineered 2‘-fucosyllactose and 3-fucosyllactose inhibit the adhesion of Pseudomonas aeruginosa and enteric pathogens to human intestinal and respiratory cell lines. Nutr Res 2013;33(10):831-838. – http://w3.umm.de/5121.0.html

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.