Aus den Ländern

Arzt, Apotheker, Patient

Jahrestagung Consumer Health Care diskutiert über Zusammenarbeit

In welchem Verhältnis stehen Arzt, Apotheker und Patient zueinander, und wodurch wird dieses Verhältnis beeinflusst? Diesen Fragen widmete sich die 14. Jahrestagung „Consumer Health Care“ an der Charité-Universitätsmedizin Berlin, die am 17. Oktober stattfand und von Prof. Dr. Marion Schaefer moderiert wurde.

Durch die neuen Medien sind die Patienten heute besser informiert und wünschen sich eine partizipative Entscheidungsfindung mit dem Arzt sowie eine kompetente Beratung durch den Apotheker. Für den Therapieerfolg ist aber nicht zuletzt die Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker notwendig, wobei die Zuständigkeiten beider Heilberufler auch im Hinblick auf Haftungsfragen klar abzugrenzen sind.

Design Thinking

Prof. Weinberg, Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, stellte das Konzept des Design Thinking vor: In multidisziplinären Teams sollen alle Beteiligten ihre eigenen Ideen, Blickwinkel und Arbeitsweisen einbringen, um sie gemeinsam weiterzuentwickeln. Dies ist ein iterativer Prozess, der sich aus Verstehen, Beobachten, Sichtweise-Definieren, Ideen-Entwickeln sowie Testen zusammensetzt. Die Übertragung des Design Thinking auf das Zusammenwirken von Arzt, Apotheker und Patient sei eine dringende Aufgabe für die Zukunft, so Weinberg.

Behandlungsvertrag, Versorgungsvertrag

Prof. Dr. Dr. Christian Dierks, Berlin, beleuchtete einige rechtliche Aspekte: Zwischen Arzt und Patient besteht ein Behandlungsvertrag, neu geregelt im Patientenrechtegesetz. Der Behandler ist zur Behandlung verpflichtet und wird für sein Bemühen, nicht für den Erfolg honoriert. Der Patient muss in die Behandlung einwilligen, nachdem er aufgeklärt wurde, wobei die Aufklärung durch den Behandler selbst oder eine befähigte andere Person erfolgen kann.

Zwischen Apotheker und Patient besteht ein Versorgungsvertrag. Der Apotheker ist verpflichtet, die verordneten Arzneimittel an den Patienten abzugeben (Abgabeverpflichtung) und ihn hinreichend über die Arzneimittel zu informieren. Außerdem haftet der Apotheker für Fehler bei der Herstellung und Abgabe der Arzneimittel.

Zwischen beiden Heilberufen besteht ein Zusammenarbeitsverbot. Bevor der Apotheker die verordneten Arzneimittel abgibt, muss er erkennbare Irrtümer und Bedenken ausräumen. Diese Grundsätze werden jedoch zum Teil eingeschränkt, z.B. durch Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Herstellern oder bei der Integrierten Versorgung.

Medizinische Call-Center

Über medizinische Call-Center berichtete Ralf Pourie, Oberhaching. Sie können dem Patienten helfen, wenn er aus dem Krankenhaus oder von der Reha nach Hause kommt. Im Vordergrund der Betreuung steht ein Gesundheits- und Patientencoaching. Nach der Erfassung seiner gesamten Lebenssituation werden mit dem Patienten individuelle Gesundheitsziele definiert und Fähigkeiten sowie Fertigkeiten zum Selbstmanagement entwickelt. Die Betreuung erfolgt vorrangig telefonisch, wobei ein Telefonat im Durchschnitt 20 Minuten dauert (zum Vergleich: Arztbesuch durchschnittlich nur 8 min).

Medizinische Call-Center sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen, sie können jedoch die Ärzte unterstützen und die Nachhaltigkeit der ärztlich veranlassten Therapie sichern. Derzeit betreuen sie etwa ein Prozent aller chronisch kranken Patienten.

Arzt und Apotheker – Fallstricke bei der Kommunikation

Sie können oft nicht miteinander, sie können aber auch meist nicht ohne einander. So beschrieb Erika Fink, Frankfurt am Main, das seit mehr als 800 Jahren bestehende Verhältnis von Arzt und Apotheker. Oft erschweren unterschiedliche Sicht- und Herangehensweisen die Kommunikation zwischen den beiden Heilberufen. Schon die jeweils verwendeten Computersysteme und die von ihnen vermittelten Informationen sind unterschiedlich. So beurteilt der Arzt die Schwere von Interaktionen häufig anders, da er die Diagnose kennt, der Apotheker aber nicht. Versucht der Apotheker, Unsicherheiten zu klären, fühlen Ärzte sich oft gekränkt und empfinden das Nachfragen des Apothekers als Einmischung in die Therapie. Auch findet die Kommunikation telefonisch oft nur zwischen Arzthelferin und Apotheker statt. Ärzte wissen oft nicht, welchen engen Kontakt die Apotheker zu ihren Patienten haben. Fink empfahl, zur besseren Kommunikation den persönlichen Kontakt zu suchen und Gesprächsangebote zu unterbreiten, wie z.B. über einen Tag der offenen Tür oder Einladungen zu Themen, die alle Beteiligten interessieren.

Kommunikation mit Patienten in schwierigen Situationen

Die Kommunikationsberaterin Cornelia Tromm, Düsseldorf, nannte einleitend einige Beispiele für schlechte Kommunikation in der Apotheke: fehlendes Einfühlungsvermögen bei einem Kunden mit dem Wunsch nach Raucherentwöhnung oder bei einem Patienten mit mangelnder Compliance. Statt das Fehlverhalten des Patienten zu rügen, sollte der Apotheker die Gründe für das Complianceproblem erfragen und Lösungswege anbieten. Gründe sind z.B. Angst vor Nebenwirkungen, religiöse Überzeugungen, schwer verständliche Beipackzettel oder komplizierte Dosierungsschemata.

Laut Apothekenbetriebsordnung darf die Apotheke bei begründetem Verdacht auf Arzneimittelmissbrauch das jeweilige Arzneimittel nicht abgeben; laut Leitlinie der BAK soll sie den Arzt informieren und den Fall an die AMK melden. Dies sind nicht die besten Voraussetzungen, um das Vertrauen eines Patienten zu gewinnen, so Tromm. Deshalb sollte der Apotheker auch hier versuchen, die Ursachen zu erkennen. Oft mangelt es dem Patienten an Wissen, oder er hat Informationen nicht verstanden, was zum Teil durch irreführende Werbung unterstützt wird. Es ist wichtig, Begriffe wie Sucht oder Abhängigkeit im Beratungsgespräch möglichst nicht zu verwenden.

Schlecht informierte Patienten

Petra Merkle stellte die Ergebnisse ihrer Masterarbeit im Studiengang Consumer Health Care vor. Mithilfe eines Fragebogens hat sie Informationsdefizite von Patienten über die ihnen verordneten Arzneimittel identifiziert. Viele Patienten kannten deren richtige Applikation oder Dosierung nicht. Hinzu kamen Complianceprobleme bei dem Wechsel von Präparaten aufgrund der Rabattverträge.

Merkle fand heraus, dass Patienten, die über einen Medikationsplan verfügten, deutlich besser über ihre individuellen Arzneimittel informiert waren als die übrigen.

Foto: CHC-Team
Die frischgebackenen Master des CHC-Studiengangs in Berlin
Vordere Reihe von links: Sabine Breiholz, Beate Kern, Andreas Kischke, Astrid Geiseler, Maike Schulz, Sonja Mrohs. Hintere Reihe von links: Petra Merkle, Annika Sattler, Susanne Liewert, Dr. Christian Wiese, Oliver Scholle.

Elf neue Master

Die Jahrestagung bot neben den interessanten Vorträgen und der anregenden Diskussion den Rahmen für die Übergabe der Urkunden und Zertifikate im Masterstudiengang Consumer Health Care (CHC). Das Foto zeigt die elf diesjährigen Absolventen. Siehe auch: www.consumer-health-care.de

Dr. Editha Räuscher, Berlin

 

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