Prisma

Fruchtfliegen verbreiten Hefe

Dabei kommt es auf das Aroma an

cae | Die Bier- oder Bäckerhefe (Saccharomyces cerevisiae) produziert mehrere flüchtige Ester, die den mit Hefe fermentierten alkoholischen Getränken ein Gutteil ihres Aromas geben. Es ist nicht anzunehmen, dass die Hefe dies dem Menschen zuliebe tut. Sie selbst muss einen Vorteil davon haben, aber welchen?

Durch einen Zufall fanden belgische Biologen in Löwen eine Antwort auf diese Frage. Sie hatten eine Knock-out-Hefe ohne das Gen für die Alkohol-Acetyl-Transferase 1 (ATF1) gezüchtet, die keine flüchtigen Ester produziert, und beobachteten, dass die im Labor frei herumfliegenden Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster) diese Hefe verschmähten, obwohl Hefe sonst zu ihrer Lieblingsspeise zählt.

Die Hefe – ein vom Menschen in Jahrtausenden gezüchteter Organismus – ist bei uns so allgemein verbreitet, dass der Bayernherzog Wilhelm sie glatt übersehen hatte, als er im Jahr 1516 die drei erlaubten Zutaten für Bier – Wasser, Hopfen und Malz – festlegte und damit das bayerische (mittlerweile „deutsche“) Reinheitsgebot schuf. Doch die Hefezellen verbreiten sich nicht allein durch den Wind wie z.B. der Blütenstaub der Gräser, sondern sie nutzen auch Insekten als Vehikel: Dazu locken sie Fruchtfliegen durch die von ihnen produzierten Ester Isoamyl-, Ethyl- und Ethylphenylacetat an. Ein großer Teil der Hefe wird zwar von den Fliegen gegessen, der Rest aber fliegt mit ihnen ein Stück in die Welt hinaus und hat am Ziel die Chance, sich weiterzuvermehren – ein Beispiel für Symbiose und vermutlich auch für Koevolution. 

Quelle: Christaens JF, et al. The Fungal Aroma Gene ATF1 Promotes Dispersal of Yeast Cells through Insect Vectors. Cell Reports; Epub 09.10.2014

 

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