Prisma

Lungenkrebs erwärmt Atemluft

Neue Diagnostik im Gespräch

cae | Krebszellen haben einen enorm hohen Energieumsatz und sind deshalb wärmer als gesunde Zellen. So lässt sich Krebsgewebe durch Infrarotaufnahmen nachweisen. Im Fall von Lungenkrebs könnte die erhöhte Atemtemperatur einen diagnostischen Hinweis geben.

Mediziner der Universität Foggia in Italien haben mithilfe des Atemthermometers X-Halo die Temperatur der Ausatemluft von 82 Personen gemessen, bei denen aufgrund von Röntgenbildern der Verdacht auf Lungenkrebs (nichtkleinzelliges Lungenkarzinom) bestand. Da sich bei etwa der Hälfte der Personen der Verdacht bestätigte, bei der anderen Hälfte nicht, bot sich eine günstige Gelegenheit, um die diagnostische Aussagekraft der Ausatemlufttemperatur zu prüfen. Die Mediziner, die Anfang September auf einer Fachtagung in München über ihren Test berichtet hatten, behaupteten, bei der Temperatur einen Trennwert (cut-off value) identifiziert zu haben, der mit hoher Wahrscheinlichkeit anzeigt, ob die untersuchte Person an einem Lungenkarzinom erkrankt ist oder nicht. Erwartungsgemäß stieg die Temperatur in Korrelation zur Größe des Karzinoms an. Ferner fanden die Italiener eine Beziehung zwischen der Temperatur und der Anzahl der täglich gerauchten Zigaretten sowie zur Anzahl der Jahre, in denen die betreffende Person schon geraucht hat.

Ob diese Temperaturmessung in der Praxis einen diagnostischen Fortschritt bedeutet, ist allerdings fraglich. Bedarf besteht an einer Diagnosenmethode, die ein Lungenkarzinom schon nachweist, wenn es noch sehr klein ist. Ein sehr kleines Karzinom hat allerdings auch nur einen sehr kleinen Energieumsatz und dürfte bei der Temperaturmessung nicht auffallen. 

Quelle: Carpagnano E. Exhaled breath temperature in NSCLC: Could be a new non-invasive marker? Vortrag auf dem Kongress der European Respiratory Society (ERS), München, 08.09.2014

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