Arzneimittel und Therapie

Vor Chemotherapie gegen Zoster impfen

Krebspatienten profitieren von der Prävention

In einer Studie wurden Wirksamkeit und Sicherheit einer Herpes-zoster-Impfung bei Tumorpatienten untersucht. Dieser zufolge sollten Krebspatienten vor Beginn einer Chemotherapie geimpft werden, um Häufigkeit und Folgen einer Herpes-zoster-Infektion zu verringern.

Fortgeschrittenes Alter und eine eingeschränkte Immunfunktion sind Risikofaktoren für die endogene Reaktivierung einer Herpes-zoster-Infektion. Diese zwei Faktoren finden sich oft bei Krebspatienten, da sich im Alter Tumoren häufen und zytotoxische Therapien die Immunabwehr schwächen. Es liegt nahe, diese Patienten gegen Herpes zoster zu impfen. Bei einem intakten Immunsystem ist die Herpes-zoster-Impfung sicher und unbedenklich, für Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr ist sie aber kontraindiziert, weil eine Impfung Immundefizienter mit einer Lebendvakzine – dazu gehört der Herpes-zoster-Impfstoff – zu einer Reaktivierung der viralen Aktivität oder zu einer verminderten Immunantwort führen könnte. Was tun? Ein pragmatisches Vorgehen, nämlich die Impfung älterer Krebspatienten, bevor diese immundefizient werden, wurde in einer kanadischen Studie untersucht. Dazu wurden ältere Patienten, die eine Chemotherapie erhalten sollten, vor der zytotoxischen Behandlung gegen Herpes zoster geimpft. Anschließend wurden Sicherheit und Wirksamkeit dieses Vorgehens beurteilt. Die 4710 Studienteilnehmer waren über 60-jährige, krebskranke Mitglieder eines kalifornischen Gesundheitssystems (Kaiser Permanente Southern California), die vor Erhalt einer myelosuppressiven Chemotherapie gegen Herpes zoster geimpft wurden. Studienendpunkte wie die Inzidenzrate für eine Herpes-zoster-Infektion sowie das Risikoverhältnis zwischen der geimpften und der nicht geimpften Gruppe (Hazard ratio) wurden mithilfe einer Regressionsanalyse ermittelt. Als Vergleich dienten 16.766 ungeimpfte Patienten mit ähnlichen Charakteristika. In der Verum-Gruppe traten 91 Herpes-zoster-Infektionen auf, in der Vergleichs-Gruppe 583. Auf 1000 Personenjahre bezogen entspricht das einer Inzidenzrate von 12,87 (95% Konfidenzintervall [KI] 10,48 bis 15,80) bzw. von 22,05 (95% KI 20,33 bis 23,92). Die fünfjährige kumulative Inzidenzrate lag in der geimpften Gruppe bei 3,3% und bei 5,3% in der nicht geimpften Gruppe (p < 0,5). Die Hazard ratio betrug 0,58, das heißt durch die Impfung wurde eine Senkung der Herpes-zoster-Infektionen um 42% erzielt. Keiner der geimpften Probanden musste aufgrund einer Herpes-zoster-Infektion hospitalisiert werden, in der Vergleichs-Gruppe mussten hingegen sechs Patienten im Krankenhaus behandelt werden.

Das Fazit der Autoren: Durch die Impfung kann die Häufigkeit der Herpes-zoster-Infektionen deutlich gesenkt werden. Da viele ältere Patienten aufgrund einer Tumorerkrankung eine immunsuppressive zytotoxische Therapie erhalten werden, sollte eine rechtzeitige Impfung – das heißt vor Einleiten der Chemotherapie – erwogen werden. 

Quelle

Tseng H et al. Vaccination against zoster remains effective in older adults who later undergo chemotherapy. Clin Infect Dis; 4. August 2014; doi.10.1093/cid/ciu498

Oxman M et al. Zoster vaccine in immunocompromised patients: time to reconsider current recommendations. Clin Infect Dis; 4. August 2014; doi.10.1093/cid/ciu501

 

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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