DAZ aktuell

GSK-Impfstoffe teilweise nicht lieferbar

Exklusive Rabattverträge in Baden-Württemberg ruhen

BERLIN (ks) | GlaxoSmithKline (GSK) hat letzte Woche wegen eines Herstellungsproblems vorsorglich die Freigabe aller seiner Varizellen-Einzel- und Kombinationsimpfstoffe gestoppt. Damit wird es im Verlauf des ersten Quartals 2014 zu einer Lieferunfähigkeit sowohl des Masern-Mumps-Röteln-Varizellen (MMRV)-Kombinationsimpfstoffs (Priorix-Tetra®) als auch des Varizellen-Einzelimpfstoffs (Varilrix®) von GSK kommen. Überdies hat GSK angekündigt, dass auch sein Kombinationsimpfstoff zur Auffrischimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Polio (Boostrix® Polio) ab Februar nicht mehr lieferbar sein wird. Für zwei dieser Impfstoffe bestehen exklusive Rabattverträge mit den gesetzlichen Krankenkassen in Baden-Württemberg.

Wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und das Robert Koch-Institut (RKI) am 15. Januar mitteilten, können bereits ausgelieferte Chargen der betroffenen Varizellen-Impfstoffe uneingeschränkt verwendet werden. Mit weiteren Freigaben und Auslieferungen sei jedoch frühestens im Verlauf des zweiten Quartals 2014 zu rechnen. Der genaue Zeitpunkt hänge von den derzeit laufenden Untersuchungen zum Herstellungsproblem ab.

Kompensation durch andere Hersteller fraglich

Als Alternativen für die GSK-Varizellen-Impfstoffe stehen den Instituten zufolge alle Masern-Mumps-Röteln (MMR)-Kombinationsimpfstoffe (Priorix®, M-M-R-VaxPro®), sowie der Varizellen-Einzelimpfstoff Varivax® zur Verfügung. Es sei jedoch davon auszugehen, dass diese in den jeweils verfügbaren Mengen nicht den Bedarf abdecken werden und die Lieferunfähigkeit von GSK nicht vollständig kompensieren können. Um die noch zur Verfügung stehenden Bestände optimal einzusetzen, haben RKI und PEI in Abstimmung mit der Ständigen Impfkommission (STIKO) eine empfohlene Vorgehensweise erarbeitet, wie während der zu erwartenden Impfstoffknappheit die Standardimpfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen am sinnvollsten erfolgen können. Während anstehende MMR(V)-Zweitimpfungen verschoben werden sollten, sollte die erste MMR-Impfung in jedem Fall entsprechend der STIKO-Empfehlungen durchgeführt werden. Solange monovalenter Varizellen-Impfstoff zur Verfügung steht, sollte eine empfohlene erste Varizellen-Impfung zeitgleich verabreicht werden. Gibt es ihn nicht mehr, sollte dies auf keinen Fall dazu führen, die erste MMR-Impfung zu verschieben, so die Empfehlung (weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des PEI: www.pei.de).

Probleme auch bei Herstellung von Boostix® Polio

GSK hat diese Woche Montag PEI, RKI und STIKO zudem über einen weiteren Ausfall informiert: Im Februar werde es auch bei seinem Vierfach-Impfstoff Boostrix® Polio zu einer Lieferunfähigkeit kommen, bestätigte ein Unternehmenssprecher der DAZ. Grund hierfür sei ein erhöhter Marktbedarf für den Impfstoff bei gleichzeitig beschränkten Herstellungskapazitäten. Wie lange die Lieferunfähigkeit für den Kombinationsimpfstoff andauern wird, sei noch nicht genau bekannt.

Klar ist aber: Über 14 Tage wird sie hinausgehen – damit ist sie ein Fall für die Liste für Lieferengpässe beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. GSK selbst geht allerdings nicht davon aus, dass es deshalb zu ernsthaften Versorgungsengpässen in der Bevölkerung kommen wird. Das Unternehmen verweist auf alternative dTpa-Auffrischimpfstoffe. Zudem sei gemäß den aktuellen STIKO-Empfehlungen die zusätzliche Polio-Komponente in Boostrix® Polio nur in wenigen Ausnahmefällen erforderlich.

Plan B in Baden-Württemberg

Besondere Konsequenzen hat der Ausfall in Baden-Württemberg: Dort haben die gesetzlichen Krankenkassen mit GSK seit Anfang 2013 und bis Ende 2014 Rabattverträge sowohl über Boostrix® Polio als auch den Varizellen-Einzelimpfstoff Varilrix® abgeschlossen. Diese exklusive Versorgung wird jedoch ab Februar 2014 nicht mehr bestehen, teilten die Kassen(-verbände) den Apotheken im Bundesland mit. Vielmehr können Apotheken in diesem Zeitraum auch alternative Impfstoffe für die Indikationen Varizellen sowie Diphterie, Pertussis, Poliomyelitis und Tetanus abgeben – jedenfalls so lange die Krankenkassen ihnen nichts anderes mitteilen. Ebenso können Ärzte diese Alternativen verordnen. „Die Aufhebung der Exklusivität für diese Impfstoffe dient der Sicherstellung einer reibungslosen Impfstoffversorgung in Baden-Württemberg“, heißt es im Schreiben der Kassen an die Apotheken.

Weitere Infos im Web

Eine Übersicht über die in Baden-Württemberg rabattierten Impfstoffe und die Anpassung der Verträge finden Sie im Internet unter www.aok-gesundheitspartner.de/bw/arztundpraxis/vertraege/index_09892.html

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