DAZ aktuell

Teure Heil- und Hilfsmittel

Barmer GEK-Report belegt Preissteigerungen

BERLIN (jz) | Die Luft zwischen Apothekern und Kassen ist dünn, wenn es um das Thema Hilfsmittelversorgung geht. Die Kassen wollen sparen, schließlich verzeichnen sie eine deutliche Zunahme der Ausgaben für Heil- und Hilfsmittel. Im ersten Halbjahr 2014 gab die Barmer GEK 4,1% mehr für Heilmittel und sogar 10,8% mehr für Hilfsmittel aus, wie aus dem Heil- und Hilfsmittelreport 2014 hervorgeht. Die Steigerungsraten für die gesetzliche Krankenversicherung seien insgesamt beachtlich, betont die Kasse – sie lagen im Zeitraum Januar bis Juni 2014 für Heilmittel bei 7,1% und für Hilfsmittel bei 9,5%.

Bereits im Jahr 2013 waren die Ausgaben bei der Barmer GEK gegenüber dem Vorjahr gestiegen, für Heilmittel auf 774 Mio. Euro (+5,6%) und für Hilfsmittel auf 867 Mio. Euro (+10,2%) – bei gleichbleibender Versichertenzahl. Angesichts der demografischen Entwicklung werde sich die Situation in Zukunft tendenziell noch verschärfen, glaubt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker. Um die Preis- und Mengenentwicklung im Auge behalten zu können, hält er eine Nutzenbewertung von Medizinprodukten für erforderlich – und fordert ein MeMNOG (Medizinproduktemarktneuordnungsgesetz) analog zum AMNOG. Der Mitautor des Reports, Prof. Dr. Gerd Glaeske, verweist auf weitere Möglichkeiten, die Qualität und Transparenz der Hilfsmittelversorgung zu verbessern, etwa höhere qualitative Anforderungen an Hilfsmittel und Medizinprodukte. Auch könnte das jetzige Hilfsmittelverzeichnis nur solche Produkte führen, die einem hohen Stand der Technik entsprechen und Studien zum Patientennutzen vorweisen können. Zudem sollte eine Task-Force, etwa beim GKV-Spitzenverband, eingerichtet werden, die sich mit den Qualitätsanforderungen für Hilfsmittel und ihren Marktgegebenheiten beschäftigt.

Der Report beruht auf den Daten von über neun Millionen Barmer-Versicherten. „Es gibt Hinweise auf Über-, Unter- und Fehlversorgung“, heißt es in der Zusammenfassung. Etwa die podologische Versorgung von Diabetikern in Deutschland lasse zu wünschen übrig. Drei Viertel aller Risikopatienten werde nicht mit medizinischer Fußpflege versorgt – insbesondere bei den über 70-Jährigen wächst der Anteil der Nicht-Versorgten, obwohl es sich bei ihnen um Teilnehmer an DMP handelt, die zwingend eine medizinische Fußuntersuchung und podologische Versorgung vorsehen. 

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