Arzneimittel und Therapie

Kein Benefit für die Mutter, aber fürs Kind

Nicotin-Pflaster während der Schwangerschaft

Eine Nicotin-Ersatztherapie während der Schwangerschaft führt im Vergleich zu einer Placebogabe zwar zu keiner höheren langfristigen Abstinenzrate der Mutter, wohl aber zu einer besseren Entwicklung des Kindes. Zu diesem Schluss kommt eine zweiteilige, in England durchgeführte Studie.

Die randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde SNAP-Studie (Smoking and Nicotine in Pregnancy Trial) untersuchte Wirksamkeit und Sicherheit einer Nicotin-Ersatztherapie während der Schwangerschaft. Der erste Teil der Studie zur Wirksamkeit von Nicotin-Pflastern bei schwangeren Raucherinnen ist bereits abgeschlossen und 2012 publiziert. An der Studie hatten 1050 Frauen teilgenommen, die in der 12. bis 24. Schwangerschaftswoche täglich mindestens fünf Zigaretten rauchten. Die Hälfte von ihnen hatte acht Wochen lang ein Nicotin-Pflaster (15 mg/16 h) erhalten, die andere ein wirkstofffreies Pflaster; alle Frauen wurden zusätzlich verhaltenstherapeutisch beraten. Der primäre Studienendpunkt war die Abstinenzrate bei der Geburt. Das Ergebnis war enttäuschend: Zwar verdoppelte sich während der ersten vier Wochen die Rate der abstinenten Schwangeren in der Verumgruppe (21,3% vs. 11,7%), zum Zeitpunkt der Geburt war aber kein signifikanter Unterschied mehr zwischen den zwei Gruppen feststellbar (9,4% vs. 7,6%).

Auswirkungen auf das Kind

Teil zwei der Studie untersuchte die Auswirkungen der mütterlichen Nicotin-Ersatztherapie auf das Verhalten und die kognitive Entwicklung des Kindes nach zwei Jahren. Dazu wurden Verhalten und Entwicklung des Kindes anhand von Fragebögen beurteilt, deren Rücklaufquote bei 88% lag. Beurteilt wurden unter anderem respiratorische Probleme der Kinder, ihr Kommunikationsvermögen, grob- und feinmotorische Fähigkeiten sowie ihre persönliche und soziale Entwicklung. 73% der Kleinkinder, deren Mütter eine Nicotin-Ersatztherapie erhalten hatten, zeigten keine Beeinträchtigung der Entwicklung, verglichen mit 65% der Kinder, deren Mütter ein Placebo-Pflaster erhalten hatten (odds ratio 1,40; 95% Konfidenzintervall 1,05 bis 1,86; p = 0,023). Respiratorische Probleme waren bei 25% der Kinder aufgetreten, deren Mütter Placebo und bei 30% der Kinder, deren Mütter ein Nicotin-Pflaster erhalten hatten. Dieser Unterschied war jedoch nicht signifikant (odds ratio 1,30; 95% Konfidenzintervall 0,97–1,74; p = 0,08). Was die dauerhafte Wirkung der Nicotin-Ersatztherapie bei den Müttern anbelangt, so lag die anhaltende Nicotin-Abstinenz (zwei Jahre nach der Entbindung) bei den Frauen der Verumgruppe bei 3%, bei den Frauen der Vergleichsgruppe bei 2% (odds ratio 1,71; 95% Konfidenzintervall 0,74 bis 3,94; p = 0,20).

Auch kurzfristige Abstinenz bringt Nutzen

Aus diesen Ergebnissen kann der Schluss gezogen werden, dass sich auch eine kurzfristige Zigarettenabstinenz der Mutter – es kam zu einer vorübergehenden Verdoppelung der Abstinenzrate – günstig auf die Entwicklung des Kindes auswirkt. 

Quelle

Cooper S et al. Effect of nicotine patches in pregnancy on infant and maternal out- comes at 2 years: follow-up from the randomised, double-blind, placebo-controlled SNAP trail. Lancet online vom 11. August 2014; http://dx.doi.org/10.1016/S2213-2600(14)70157-2

Coleman T et al. A randomized trial of nicotine-replacement Therapy patches in pregnancy. N Engl J Med 2014;366(9):808-818

 

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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