Feuilleton

Pharmazie hinter dem Eisernen Vorhang

Das Apothekenmuseum in Kaunas, Litauen

Von Andreas S. Ziegler | Mitten in der Altstadt von Kaunas, unweit des Rathauses, befindet sich das Museum für Litauische Medizin- und Pharmaziegeschichte. Seit 1987 beherbergt das liebevoll restaurierte Gebäude aus dem 16. Jahrhundert die größte pharmaziehistorische Sammlung des Baltikums, die zuvor über fünf Jahrzehnte von engagierten Pharmazeuten unter teils widrigen Bedingungen zusammengetragen und verwaltet worden war. Denn die wechselnden Besatzungsmächte und insbesondere das gescheiterte kommunistische Gesellschaftsexperiment beeinflussten nicht nur das litauische Apothekenwesen, sondern auch den Werdegang des Museums für Pharmaziegeschichte ganz unmittelbar. Daher gewährt das Museum gerade westeuropäischen Besuchern aufschlussreiche Einblicke in alltägliche und weniger alltägliche Probleme des Apothekerdaseins in der ehemaligen Sowjetunion.
Fotos: Ziegler
Abb. 1: In den Kellergewölben des Museums lagern Weinfässer und Tonkrüge wie zu Urzeiten.

Litauens erste Apotheke kam aus Polen

Da viele Dokumente während Kriegen oder bei Bränden verloren gingen, gibt es heute keine genauen Angaben darüber, wann die ersten Apotheken in Litauen entstanden. Die meisten Pharmaziehistoriker vertreten die Auffassung, dass die erste litauische Apotheke 1506 in Vilnius gegründet wurde. In diesem Jahr erkrankte in Vilnius der Großfürst Alexander von Litauen (1461–1506), der wie seine Nachfolger zugleich König von Polen war. Zu seiner (erfolglosen) Heilung kam der berühmte Arzt Alexander Baliński von Krakau nach Vilnius und brachte auch einen Teil der königlichen Apotheke aus Krakau mit. Dieses Ereignis markiert den Beginn der Apothekengeschichte Litauens. Im Jahre 1510 kaufte König Sigismund I. in Vilnius ein Grundstück für die Errichtung eines Apothekengebäudes. Zwischen 1540 und 1600 arbeiteten 14 Apotheker in Vilnius, sodass König Sigismund II. August seiner frisch angetrauten Ehefrau Barbara schreiben konnte, sie könne unbesorgt in Vilnius verweilen, da es dort ausreichend Ärzte und Apotheker gebe.

Abb. 2: Eine Offizin aus dem frühen 20. Jahrhundert empfängt den Museumsbesucher mit schmuckvollen Standgefäßen und Fertigarzneimitteln aus den Anfängen der pharmazeutischen Industrie in Litauen.

Das Großfürstentum Litauen wird russisch

Anfang des 17. Jahrhunderts unterhielten die Jesuiten in Vilnius zwei Apotheken. Eine davon versorgte ausschließlich Novizen und Hörer der Jesuitenakademie. Im Jahre 1758 erhielten die Jesuiten von König August III. das Privileg „für alle Zeiten eine Apotheke zu unterhalten“. Dem Privilegschreiben ist zu entnehmen, dass die Jesuiten in ihrer Apotheke nicht nur Arzneimittel vertrieben, sondern auch Pharmazeuten ausbildeten. Anfänglich erzielte der Orden mit seinen Apotheken hohe Gewinne, als diesen jedoch 1764 der Handel mit Spirituosen untersagt wurde, verringerten sich die Einkünfte erheblich. Nach der Auflösung des Jesuitenordens (1773) wurde die Jesuitenakademie zunächst in die „Höchste Schule“ des Großfürstentums Litauen und 1803, nachdem Litauen 1795 an Russland gefallen war, in die Kaiserliche Universität Wilna (mit polnischer Unterrichtssprache) umgewandelt. Die Apotheke wurde dabei weiter zu Lehrzwecken genutzt, bevor sie nach der Schließung der Universität im Jahre 1832 verkauft wurde. Schon damals durften Apotheken nur von Personen geführt werden, die eine Prüfung abgelegt und vom staatlichen Kollegium für Medizin ein Diplom für Pharmazie erhalten hatten. Ferner regelten die russischen Vorschriften die Gründung und Geschäftsführung von Apotheken sowie die Herstellung, Lagerung und Abgabe von Arzneimitteln.

Abb. 3: Arbeitsplatz des Apothekenleiters, Mörsersammlung und ein Schrank für Homöopathika („Goméopatijos“, rechts).

Sonderregelungen für Landapotheken

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl der Apotheken in Litauen nur langsam zu. Das lag vor allem an den damals gültigen Vorschriften, die besagten, dass bei der Errichtung einer neuen Apotheke die Zustimmung der Inhaber der benachbarten Apotheken erforderlich war, die natürlich nur selten damit einverstanden waren. Im Jahre 1864 traten neue Zulassungsbestimmungen für Apotheken in Kraft, nach denen das Einverständnis der benachbarten Apotheken nicht mehr eingeholt werden musste. Stattdessen waren nun Faktoren, wie die Einwohnerzahl und der Umfang der zur Verfügung stehenden Rezepturen für die Erteilung einer Apothekenbetriebserlaubnis entscheidend. Ab 1881 wurde die Apothekengründung außerhalb der Städte deutlich erleichtert, was zu einer signifikanten Vermehrung von Landapotheken führte. Während Apotheken in der Stadt weiterhin nur von Provisoren geleitet werden durften, konnten Dorfapotheken von einfachen Apothekergehilfen geführt werden. Auch hinsichtlich Raumgröße und Einrichtung waren die Anforderungen auf dem Land niedriger.

Foto: Museum
Abb. 4: Heilgott Asklepios im Schwanensee. Dieses Gemälde aus der Schwanenapotheke in Kaunas erregte den Unmut der atheistischen Sowjets.

Wechselnde Okkupationen, Arzneimangel und der Weg zur unabhängigen Republik

Während des Ersten Weltkrieges wurden viele Apotheken durch Kriegshandlungen zerstört. Der Rest verfiel zusehends und wurde überdies nur ungenügend mit Medikamenten versorgt. 1918 wurde Litauen unabhängig. Dennoch galt mit einigen kleinen Veränderungen das russische Statut für Gesundheitseinrichtungen von 1905 vorerst weiter. Erst 1937/38 erließ Litauen eigene Vorschriften für pharmazeutische Einrichtungen, die das bestehende Rechtssystem aber im Wesentlichen unangetastet ließen, und gab auch die erste staatliche Pharmakopöe in litauischer Sprache heraus. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt fiel Vilnius, das zuvor polnisch gewesen war („Wilna“), 1939 an Litauen. Im Sommer 1940 wurde die Sozialistische Sowjetrepublik Litauen in die UdSSR eingegliedert und Vilnius zur Hauptstadt ernannt. Alsbald wurden alle privaten Apotheken, Arzneimittellager und Betriebe der pharmazeutischen Industrie durch die Sowjets enteignet. Zudem galt von nun an die Arzneitaxe der UdSSR, wodurch die Arzneimittelpreise um 15 bis 20% sanken.

Mit dem deutschen Angriff auf die UdSSR im Juni 1941 löste in Litauen eine Okkupation die andere ab. Das Reichskommissariat Ostland schloss 29 Apotheken, deren Inhaber meistenteils Juden waren, was zu einer Arzneimittelknappheit und einer Ausbreitung des Schwarzhandels führte. In den großen Städten wurden daraufhin Apotheken eröffnet, die nur Deutschen zur Verfügung standen. Nachdem die Rote Armee das litauische Territorium Ende 1944 zurückerobert hatte, gestalteten die sowjetischen Machthaber auch das Apothekenwesen nach ihren Vorstellungen um. Von nun an gab es wieder vermehrt kleine Apotheken, die vor allem in den Siedlungen der Kolchosen errichtet wurden. Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit im März 1990 wurden die Apotheken privatisiert. Diese waren anfangs recht profitabel, was einen sprunghaften Anstieg der Neueröffnungen zur Folge hatte. Eine Liberalisierung führte jedoch bald zur Aufhebung von Niederlassungsbeschränkungen und des Fremdbesitzverbots, weshalb Apothekenketten heute den litauischen Apothekenmarkt dominieren.

Abb. 5: Während der Unabhängigkeit von 1918 bis 1940 waren Aspirin-Packungen in den litauischen Landesfarben gelb-grün-rot gehalten (grün ist verblasst).

Schwieriger Start für das Pharmaziemuseum

Die Ursprünge des Museums gehen zurück auf das Jahr 1936, als die litauische Apothekervereinigung auf die Idee kam ein Pharmazie-Museum zu gründen und ihre Mitglieder aufforderte bei dessen Aufbau mitzuwirken. 1937 wurden zu diesem Zweck in Kaunas, der damaligen Hauptstadt Litauens, entsprechende Räumlichkeiten angemietet. Aufgrund von Personalmangel wurde das Museum jedoch nie offiziell eröffnet. Als die Sowjets Litauen 1940 besetzten, wurden die Apothekervereinigung aufgelöst, die Museumsräume verstaatlicht und die Ausstellungsstücke in einer Lagerhalle untergebracht. Nach der Eroberung Litauens durch die Nazis ein Jahr später wurde dieses Lagerhaus wieder geschlossen und die Exponate in die staatliche Aufsichtsbehörde für das Apothekenwesen verbracht. Zu Beginn der zweiten sowjetischen Herrschaft 1944 wurde die Behörde in die neue Hauptstadt Vilnius verlegt. Die pharmaziehistorische Sammlung verblieb in Kaunas und wurde der dortigen medizinischen Fakultät übergeben. Kleinere Objekte wie Standgefäße, Bücher und Waagen wurden im Büro des Pharmazieprofessors Benediktas Siaulys untergebracht, während größere Exponate im Keller der Fakultät magaziniert wurden; die Letzteren wurden 1946 bedauerlicherweise komplett zerstört, als Kaunas eines der schlimmsten Hochwasser seiner Geschichte erlebte.

Abb. 6: Eine Mühle aus den USA veranlasste den KGB, dem Museum adäquate Räumlichkeiten zu organisieren.

Als Siaulys 1957 starb, gingen die verbliebenen Exponate in den Besitz von Alfonsas Kaikaris über, der Dozent für Pharmaziegeschichte in Kaunas war. Eine spezielle Lizenz der Litauischen Regierung gestattete es Kaikaris und seinen Mitstreitern ab 1964, weitere historische Zeugnisse der Medizin- und Pharmaziegeschichte in der Medizinischen Fakultät Kaunas zusammenzutragen. Die Art und Weise, wie manche Objekte in den Besitz des Museum gelangten, sind Ausdruck des Geistes jener Zeit. So befand sich in der Schwanenapotheke in Kaunas ein allegorisches Gemälde mit Asklepios, dem griechischen Gott der Heilkunst (Abb. 4). Eines Tages rief ein Kind in der Offizin: „Sieh’ mal Oma, da steht Gott!“ Als der örtliche Parteivorsitzende der KPdSU von dem Vorfall erfuhr, ordnete er umgehend an, das Gemälde abzunehmen und zu zerstören, schließlich war die Sowjetunion atheistisch geprägt. Dennoch behielt der Apothekenleiter das Asklepios-Porträt und versteckte es in seinem Kohlenkeller, bis er es Alfonsas Kaikaris für dessen Sammlung übergab.

Foto: Museum
Abb. 7: Seit 1987 beherbergt das liebevoll restaurierte Haus auf dem Rathausplatz von Kaunas das Museum für Litauische Medizin- und Pharmaziegeschichte.

Erste Ausstellung auf dem Dachboden der Fakultät

Nachdem immer mehr Ausstellungsstücke zusammengekommen waren, beschlossen die Verantwortlichen der Universität Kaunas, die Sammlung auf dem Dachboden des zentralen Fakultätsgebäudes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit der Unterstützung einiger pharmazeutischer Unternehmen wurde dort 1973 die erste pharmaziehistorische Ausstellung Litauens mit dem Titel „Die litauische Stadtapotheke vom Ende des 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts“ eingerichtet. Da Museen in der Sowjetunion auch die Staatsideologie vermitteln sollten, kritisierten einflussreiche Parteifunktionäre vor der Eröffnung des Pharmazie-Museums, die Erfolge des Sozialismus auf dem Gebiet des Gesundheitswesens kämen nur unzureichend zum Ausdruck. Dennoch konnte das Museum wie geplant eröffnet werden, nicht zuletzt weil politische und wirtschaftliche Verantwortungsträger auch persönlich von dem Museum profitierten. Sie erhielten verschiedene Arzneien, die in der Museumsapotheke nach alten Arzneibüchern extra für sie angefertigt wurden. Diese Tatsache sicherte dem Museum auch finanzielle Zuwendungen, die die planwirtschaftlich bedingte Mittelknappheit weitgehend wettmachte.

Abb. 8: Trejos Devynerios (3 mal 9). Die Kräutermischung wurde früher in Apotheken verkauft und zu Hause mit Wodka angesetzt. Heute ist „999“ ein Modegetränk, das in verschiedenen Farben und Geschmacksrichtungen in Supermärkten erhältlich ist.

Das Museum und der KGB

Dennoch gab es in der Zusammenarbeit mit staatlichen Organen immer wieder Reibungspunkte. Als beispielsweise ein Funktionär aus höchsten Parteikreisen das Museum besichtigen wollte, wurde Prof. Kaikaris kurz vor dem Besuch von einem Mitglied des Instituts, das im Verdacht stand, verdeckt für den KGB zu arbeiten, genötigt, alle Drogen, Gefäße, Etiketten und Bücher, die das Wappen der unabhängigen Republik Litauen von 1918 bis 1940 trugen, aus der Ausstellung zu entfernen. Auch Aspirin-Packungen, die in den damaligen Landesfarben gelb, grün und rot gehalten waren (Abb. 5), mussten bei offiziellen Besuchen versteckt werden, da die Sowjets darin ein Symbol für die Ablehnung ihrer Autorität sahen. So kurios sich das anhören mag, aber der KGB hatte auch positiven Einfluss auf die Entwicklung des Museums. 1975 besuchte Louis Ravin, einer der damaligen Manager der Firma SmithKline, das Institut in Kaunas, um eine Vorlesung über die Pharmazeutenausbildung in Amerika zu halten.

Foto: Museum
Abb. 9: Die Apotheke in Palanga. Foto aus der Zwischenkriegszeit.

Da Kaunas zu jener Zeit ein wichtiger Standort der sowjetischen Rüstungsindustrie war, wurde jeder Ausländer von KGB-Agenten begleitet. Nach der Vorlesung besuchte Ravin das Museum und war begeistert, dabei eine Mühle zu entdecken, die in den USA hergestellt worden war (Abb. 6). Lachend fragte Ravin den Dekan der pharmazeutischen Fakultät Antanas Praskevicius, ob er die Mühle kaufen könne. Dieser scherzte: „Warum nur eine Mühle und nicht gleich das ganze Museum?“ woraufhin der Amerikaner augenzwinkernd 1.000.000 $ als Startsumme anbot. Im Gegensatz zu den beiden Pharmazeuten hatten die KGB-Agenten keinen Sinn für Humor. Sie informierten ihre Vorgesetzten, dass ein Amerikaner das Museum für 1.000.000 $ kaufen wolle. Nur zwei Tage später kam der Ältestenrat der kommunistischen Partei ins Museum, begutachtete die Ausstellungsstücke und entschied, dass die Sammlung eigene Räume benötigt. Daraufhin erhielt das Museum zwei Gebäude aus dem 16. und 19. Jahrhundert am Rathausplatz von Kaunas (Abb. 7). Der bestehende Charakter der Ausstellung blieb dabei weitgehend erhalten. Neu hinzu kam jedoch die Einrichtung eines Apothekenkellers. Zudem wurde auch eine kleinere Abteilung für Medizingeschichte eingerichtet. 1987 wurde das Museum für Litauische Medizin- und Pharmaziegeschichte in eigenen Räumen im Stadtzentrum von Kaunas schließlich offiziell eröffnet.

Abb. 10: Die dampfbetriebene Transmissionsanlage mit Tablettenpressen und Dragierkesseln stammt aus der Krankenhausapotheke des Litauischen Roten Kreuzes in Kaunas und ist noch voll funktionsfähig.

Der Zusammenbruch des Sowjet-Regimes

Der Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 befreite die Museumsangestellten zwar von den Gängeleien des KGB, brachte dafür aber neue Herausforderungen mit sich. 1993 wurden die Enteignungen der Sowjet-Ära wieder rückgängig gemacht, d.h. die enteigneten Gebäude und Ländereien standen den Erben der ursprünglichen Eigentümer zu; so auch das Domizil des Museums. Dank der Bemühungen der Museumsleitung und der Bereitstellung des notwendigen Kapitals durch das litauische Gesundheitsministerium konnte der Staat das Museumsgebäude 1996 erwerben. Heute ist das Museum das größte seiner Art im Baltikum und zugleich ein angesehenes Zentrum der pharmaziehistorischen Forschung.

Abwechslungsreicher Rundgang auf drei Etagen

Am Eingang empfängt den Besucher eine Offizin, die Anfang des 20. Jahrhunderts für die Apotheke in der Kaunostraße in Vilnius angefertigt wurde (Abb. 2). Die Regale sind voll mit alten, teils recht kuriosen Arzneien, wie beispielsweise „Frauenhaar-Tinktur“ (von dem Farn Adiantum capillus-veneris), die jungen Frauen als Elixier zum Erhalt von Jugend und Schönheit empfohlen wurde. Zu sehen ist außerdem die litauische Spezialität „Trejos Devynerios”, auf Deutsch „3 mal 9“ (Abb. 8). Einst wurde die Mischung aus 27 Heilkräutern und Gewürzen zur häuslichen Zubereitung eines Digestivums in den Apotheken verkauft. Die Ursprünge der Rezptur liegen im Dunkeln, aber einer der ersten Hersteller war die Apotheke in Palanga (Abb. 9). Heute ist das alkoholische Fertiggetränk „Trejos Devynerios” als Genussmittel in verschiedenen Farben und Geschmacksrichtungen im Supermarkt erhältlich; in Polen ist es als „Trojanka Litewska” bekannt und beliebt.

Museum

Rotušės a. 28 (Rathausplatz), LT-44275 Kaunas

www.muziejai.lt/kaunas/medicin_farmac_muziejus.en.htm

Tel. +370-37-201569

Geöffnet: Dienstag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr

Ein weiterer Raum zeigt einen Schreibtisch, einen Bücherschrank, eine Sammlung von Mörsern und einen Schrank für Homöopathika (Abb. 3). In den sich anschließenden Räumen präsentiert das Museum ein Coctorium, in dem Wasser destilliert und Drogenauszüge hergestellt wurden, sowie eine voll funktionsfähige dampfbetriebene Transmissionsanlage (Abb. 10) mit Tablettenpressen und Dragierkesseln für die Arzneimittelherstellung im Großmaßstab. Die Anlage stammt aus der Krankenhausapotheke des Roten Kreuzes in Kaunas und wird auf Wunsch der Besucher auch gerne unter großem Getöse angeworfen. In den Kellergewölben lagern Weinfässer und Tonkrüge wie in den Anfangsjahren der litauischen Pharmazie (Abb. 1), darüber hinaus zeigt die Ausstellung hier auch einige authentische Szenen aus der medizinischen und pharmazeutischen Frühgeschichte. Die relativ kleine medizinische Abteilung im Obergeschoss des Museums präsentiert litauische Medizingeschichte von 1918 bis 1940 anhand von Einrichtungsgegenständen aus damaligen gynäkologischen, radiologischen sowie augen- und zahnärztlichen Praxen.

Autor

Dr. rer.nat. Andreas S. Ziegler, Studium der Pharmazie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mit anschließender Promotion am dortigen Lehrstuhl für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie. Seit 2005 Referent und Wissenschaftsjournalist mit den Schwerpunkten Life Science und Wissenschaftskommunikation. Seit 2007 Fachapotheker für Pharmazeutische Technologie und Lehrauftrag für das Fach Pharmazeutische Technologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. In den vergangenen Jahren entwickelte er zahlreiche Konzepte für die effiziente und qualitätsgesicherte Herstellung von Arzneimitteln in der Apotheke.

E-Mail: aziegler@dav-medien.de

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