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Erfolgreiches Konzept, schlechter Name

Interview mit dem Vorsitzenden der Gehe-Geschäftsführung André Blümel zum Aus für Lloyds

BERLIN (lk) | In Deutschland wird es in Zukunft keine Apotheken unter dem Namen Lloyds (mehr) geben. Der Stuttgarter Pharmahändler Celesio hat sein Konzept zur Einführung des neuen Markennamens nach nur neunmonatiger Pilotphase mit drei Apotheken wieder aufgegeben. Stattdessen soll das inhaltliche Konzept den Apothekern der Gehe-Kooperation „gesund leben“ angeboten werden. Wir sprachen mit André Blümel, Vorsitzender der Gehe-Geschäftsführung, über die Gründe hierfür.

Das Konzept

Das Lloyds-Konzept, das nun inhaltlich den gesund-leben-Apotheken angeboten werden soll, „stellt den Menschen und seine Gesundheitsbedürfnisse in den Mittelpunkt“. Den Kern bilden besondere Serviceformate, die sich derzeit auf die Indikationen Haut und Schmerz konzentrieren. Dabei soll „Exzellenz in Beratung und Produktangebot“ geboten werden. Dazu durchlaufen die Apothekenteams umfangreiche Trainings und erhalten anschließend eine Zertifizierung. Darüber hinaus bietet das neue Konzept weitere Module wie Ladenbau, Marketing-Unterstützung, Category Management und eine optimierte Warenwirtschaft mit WawiTop.

Foto: Celesio
André Blümel: „Wir drehen die Uhr nach vorne.“

DAZ: Sie haben die Pilotphase des Lloyds Konzeptes nun abgeschlossen. Welches Fazit hat sich daraus ergeben?

Blümel: Das europäische Apothekenkonzept hat sich auch im deutschen Markt bewährt. In der Pilotierungsphase hat sich gezeigt, dass die Serviceangebote des Konzeptes von den Patienten gut angenommen werden. Vor allem die Expertenkategorien werden als starkes Differenzierungsinstrument wahrgenommen. So konnten beispielsweise die Abverkäufe bei den Produkten der Expertenkategorien Haut und Schmerz signifikant gesteigert werden. Ebenso haben sich die einzelnen Leistungsbausteine für die am Test teilnehmenden Apotheken bewährt. Aber auch die Backofficelösungen haben zu einer Ertragssteigerung der teilnehmenden Apotheken beigetragen.

 

DAZ: Nach der Pilotphase verzichtet Celesio/Gehe in Deutschland jetzt auf die Einführung des europäischen Apothekenkonzeptes unter dem Markennamen Lloyds. Was ist passiert?

Blümel: Wir haben uns entschieden, das mit dem Namen Lloyds verbundene europäische Apothekenkonzept in Deutschland unter der bekannten Kooperationsmarke gesund leben einzuführen. Wir haben in den vergangenen neun Monaten Marke und Konzept getestet. Am Ende haben wir festgestellt: Das Konzept ist erfolgreich. Verbunden mit der bereits etablierten und erfolgreichen Kooperation gesund leben ergibt sich so ein noch erfolgreicheres Kooperationsangebot.

 

DAZ: Der Name Lloyds wird wieder beerdigt?

Blümel: Der Name Lloyds wird in Deutschland nicht eingeführt. Im Rahmen der Celesio-Markenstrategie wird der Markenname Lloyds zukünftig nur für Celesio-eigene sowie Franchisepartner-Apotheken genutzt. Wir bieten das Apothekenkonzept unseren Kooperationspartnern unter der jeweils bekannten, nationalen Kooperationsmarke an. In Deutschland ist gesund leben mit 2300 Partnern die größte Apothekenkooperation und auf unserem Markt seit zehn Jahren etabliert. Es ist also naheliegend, dass wir unsere bewährte Kooperation ausbauen.

 

DAZ: Und bleibt es bei der neuen grünen Farbgebung für die Apothekenausstattung?

Blümel: Die Apotheken, die neue Konzeptbausteine nutzen, werden auch in der neuen Farbwelt auftreten und von außen an einem grünen gesund leben-Logo erkennbar sein.

 

DAZ: Wurde die Umflaggung vom Konzern bzw. von McKesson unterstützt?

Blümel: Der Verzicht auf die Einführung des Markennamens Lloyds in Deutschland war eine sehr naheliegende und pragmatische Entscheidung, die wir in enger Abstimmung mit der Celesio getroffen haben. Einen vergleichbaren Entscheidungsprozess gab es übrigens auch in Frankreich. Dort wird das Konzept ebenfalls unter dem Namen der bereits bekannten Kooperation Pharmactiv eingeführt. Auch McKesson legt Wert auf eine Unternehmensführung nah am Markt, nah an den Kunden. Damit verbunden ist ein klares Bekenntnis von McKesson zu den individuellen Bedürfnissen des jeweiligen Marktes.

 

DAZ: Gab es Proteste aus den Reihen der Apotheker oder nicht?

Blümel: Wir haben in den Gesprächen mit unseren gesund leben-Apothekern gelernt, dass es zum einen eine große Unterstützung für das Apothekenkonzept gab, zum anderen wurde die Marke gesund leben stark favorisiert. Es ging darum: Wo schlägt das Herz unserer Apotheker, wo schlägt das Herz unserer Kunden und Industriepartner? Das wissen wir jetzt. Unsere Kunden haben uns unmissverständlich signalisiert: Wir finden das Konzept gut, aber wir wollen das unter dem Markennamen gesund leben machen. Das wollten und konnten wir nicht ignorieren. Ich mache aber keinen Hehl daraus, dass auch mein Herz eher für gesund leben schlägt.

 

DAZ: Wie geht es jetzt weiter? Wird die Uhr zurückgedreht?

Blümel: Nein, wir drehen die Uhr nach vorne. Wir haben jetzt schon 30 gesund leben-Apotheken, die das Konzept umsetzen. Das Interesse weiterer Kunden ist groß. Die Apotheker haben mit dem neuen Angebot die Möglichkeit, ihre gesund leben-Apotheke um innovative Bausteine zu erweitern, ganz nach ihren individuellen Anforderungen. Die einzelnen Leistungsbausteine des neuen Konzeptes werden modular unter der Marke gesund leben in der PRO-Stufe angeboten. Die vollständige Konzeptumsetzung inklusive Ladenbau bieten wir nun ebenfalls und ausschließlich unter der bewährten Marke gesund leben in der OPTIMUM-Stufe an.

 

DAZ: Jetzt hat der neue Eigentümer McKesson bei Celesio das Zepter übernommen. Was ändert sich für die Gehe-Kunden?

Blümel: Die McKesson-Philosophie ist, die Entscheidungen sollen nah an den Märkten, nah an den Kunden getroffen werden. Diese Erfahrung ist für uns sehr angenehm. Auch McKesson ist ein Traditionsunternehmen mit einer mehr als 180-jährigen Erfahrung im Großhandel. Wir sehen daher nur Vorteile für unsere Kunden. Wir können damit die Services für unsere Kunden erfolgreich weiterentwickeln.

 

DAZ: Wie beurteilt McKesson die Rabattschlacht in Deutschland?

Blümel: Das ist eine Frage, die Sie an McKesson richten müssen. Wir können nur sagen, dass wir in den letzten 15 Monaten einen irrationalen Konditionswettbewerb hatten. Diese Überhitzung kühlt aus unserer Sicht derzeit wieder ab.

 

DAZ: Und was hält McKesson von den Kostenstrukturen des deutschen Großhandels?

Blümel: Auch hier gilt, dass es nicht an uns ist, für McKesson zu sprechen. Allerdings können wir darauf verweisen, dass wir mit der Großhandelsstruktur in Deutschland ein effizientes und leistungsfähiges System für die Arzneimitteldistribution haben. Im europäischen Kostenvergleich liegen wir damit im unteren Drittel. Natürlich arbeiten wir im Unternehmen permanent an einer Optimierung der Prozesse und damit der Kosten. In diesem Jahr investieren wir z.B. in unseren Niederlassungen in eine neue Kommissioniertechnik, wodurch wir sowohl die Produktivität als auch die Qualität unseres Service erneut steigern.

 

DAZ: Was bedeutet das für Sie?

Blümel: Wenn unsere Apotheker schneller liefern wollen als die Internet-Apotheke, nämlich am selben Tag, brauchen sie mehrere Lieferungen. Aber klar: Über Verbesserungsmöglichkeiten denken wir immer nach. Wir schauen uns den Markt genau an. Aber man kann einen Paketlieferdienst mit unserem Angebot nicht vergleichen. Wir orientieren uns an den Herausforderungen des Marktes. Wir haben beispielsweise 18.000 Rabattverträge. Diese Rabattverträge können mit einer Lieferung am Tag nicht erfüllt werden. Der Präsenzapotheker will seine Patienten schneller versorgen als der Versandhandel. Darum agieren wir so und entwickeln wir uns weiter. Wir werden beispielsweise in diesem Jahr neue Automaten in unseren Niederlassungen einsetzen.

 

DAZ: Gibt es aber in Deutschland nicht zu viele Lieferungen und damit entsprechende Kosten?

Blümel: Natürlich kann man im Zusammenhang mit den Kosten über die Lieferfrequenz diskutieren. Aber mit einer Lieferfrequenz von etwa drei Touren pro Tag liegen wir in Deutschland knapp über dem europäischen Durchschnitt von 2,6 Touren. Wir sind also nicht so weit davon entfernt.

 

DAZ: Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang den Wettbewerber AEP?

Blümel: Natürlich nehmen wir jeden Anbieter ernst und schauen uns die Entwicklung sehr genau an, aber Sie können die Angebote nicht vergleichen. AEP ist ein Paketlieferdienst mit angeschlossenem Großhandelslager und Lieferung am Folgetag. Wenn die Präsenzapotheken ihre Patienten schneller versorgen wollen als die Versand-Apotheke, nämlich am selben Tag, dann reicht eine Lieferung am Folgetag nicht aus.

 

DAZ: Denken Sie jetzt auch verstärkt über Eigenmarken nach?

Blümel: Die haben wir im Freiwahlbereich bereits vor Jahren eingeführt. Mit gesund leben sind wir bei Eigenmarken in diesem Segment auch Marktführer. Das Thema hat für uns große Bedeutung und wir werden unser Sortiment weiter ausbauen. Übrigens, unsere Freiwahlprodukte sind auch sehr interessant für unsere britischen Kollegen. Auch so herum funktionieren Synergien.

 

DAZ: Wird es künftig eine Kopfschmerztablette der Marke gesund leben geben?

Blümel: Ja, wir denken auch über Eigenmarken im OTC-Bereich nach.

 

DAZ: Vielen Dank für das Gespräch. 

 

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