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Erneut Debatte um Pille danach

Sachverständigenausschuss befürwortet Rezeptfreiheit

BERLIN (jz/ral) | Der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht hat sich in seiner Sitzung am 14. Januar erneut dafür ausgesprochen, die Pille danach aus der Rezeptpflicht zu entlassen. Die Bewertung habe keine medizinischen Argumente ergeben, die zwingend dagegen sprächen. Bereits 2003 hatte der Ausschuss ein Ende der Rezeptpflicht empfohlen und damit für Diskussionen gesorgt. In der Großen Koalition dürfte die Debatte nun erneut aufflammen – denn Union und SPD sind sich in der Frage der Rezeptfreiheit für die Pille danach nicht grün. Bereits vor der Sitzung heizten Gesundheitspolitiker Jens Spahn (CDU) und seine Kritiker via Twitter die Diskussion an.
Foto: DAZ/rb
Der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht befürwortet die Entlassung der Pille danach aus der Verschreibungspflicht. Nun muss der Gesetzgeber entscheiden, ob er diesem Votum folgt. Die Parteien sind sich bislang uneins.

Konkret bezieht sich der Sachverständigenausschuss mit seiner Entscheidung auf ein Notfallkontrazeptivum auf Basis des Wirkstoffes Levonorgestrel (PiDaNa®). Es kann eine Schwangerschaft verhindern, wenn es bis spätestens 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Hat sich die Eizelle bereits in die Gebärmutter eingenistet, verhindert das Arzneimittel die Schwangerschaft nicht mehr. Das Votum des Sachverständigenausschusses wird nun als Empfehlung an den Gesetzgeber weitergeleitet. Dieser kann dem Ausschuss folgen oder aber von dessen Einschätzung abweichen.

Spahn: „Das ist das falsche Signal“

Zwischen SPD und Union besteht in puncto Rezeptfreiheit für die Pille danach keine Einigkeit. Während die SPD die Entlassung fordert, lehnen Gesundheitspolitiker der CDU sie ab: „Für uns als CDU ist klar, die Pille danach wird es auch in Zukunft nur auf Rezept geben“, betonte Jens Spahn kurz vor der Sitzung gegenüber der „Rheinischen Post“. Und im Anschluss an die Sitzung teilte er mit: „Die Entscheidung des Sachverständigenausschusses ist das falsche Signal. Im Zweifel muss die Sicherheit der Patientinnen vorgehen. Die Nebenwirkungen der Pille danach sind nicht zu unterschätzen, es gibt zudem bessere und wirksamere Präparate als das, dessen Freigabe empfohlen wird. Deshalb ist und bleibt ein Beratungsgespräch mit einem Arzt auch so wichtig und ist sicher auch zumutbar.“ SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach erklärte dagegen: „Ich halte die medizinischen Risiken für vertretbar.“ Wie der neue Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in dieser Sache denkt, ist bislang unklar.

Die Bundesapothekerkammer begrüßt die Entscheidung. „Die Apotheker erwarten, dass diese Empfehlung schnell umgesetzt und die Arzneimittelverschreibungsverordnung entsprechend geändert wird“, sagte BAK-Präsident Dr. Andreas Kiefer.

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