DAZ aktuell

„Zu viele Apotheken, zu wenig Wettbewerb“

Sachverständigenrat kritisiert Apothekendichte in Deutschland

BERLIN (jz) | In seinem diesjährigen Gutachten hat sich der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen unter anderem für mehr Wettbewerb im deutschen Arzneimittel- und Apothekenmarkt ausgesprochen (siehe DAZ 2014, Nr. 26, S. 13). Zur Begründung verweist das Beratergremium auf den sehr begrenzten Preiswettbewerb im Arzneimittelbereich und die im Verhältnis zu anderen europäischen Ländern vergleichsweise hohe Apothekendichte in Deutschland.

Im Gutachten findet sich ein Bundesländer-Vergleich zu den Apothekenzahlen und zur Apothekendichte für das Jahr 2013, die auf Daten der ABDA und eigenen Berechnungen des Beratergremiums beruhen. Danach hat die niedrigste Apothekendichte Bremen: In der Freien Hansestadt gab es im letzten Jahr 152 Apotheken, jede einzelne versorgte 4280 Einwohner. Es folgt Brandenburg mit 576 Apotheken, die jeweils 4260 Einwohner zu versorgen hatten. Die höchste Apothekendichte hatte hingegen das Saarland: Auf 316 Apotheken entfielen jeweils 3160 Einwohner.

Apothekenzahl rückläufig

Insgesamt gab es letztes Jahr 20.662 Apotheken, 16.661 Haupt- und 4001 Filialapotheken. Während die Gesamtzahl der Apotheken seit 2000 von 21.592 „geringfügig zurückging“ (-4,3%), nahm die Zahl der Filialapotheken seit dem Jahr 2004 kontinuierlich zu, schreiben die Autoren. Im Durchschnitt lag die Apothekendichte in Deutschland letztes Jahr bei 3880, wobei sie in den neuen Bundesländern geringer ausfiel. Vor 14 Jahren hatte die durchschnittliche Apothekendichte in den neuen Bundesländern 4660 und in den alten 3670 betragen. Zwischenzeitlich fand somit eine „Angleichung“ statt. 1970 lag sie in den alten Bundesländern sogar noch bei 5000 – „ohne dass daraus damals Versorgungsprobleme resultierten“.

Hohe Apothekendichteim EU-Vergleich

Wenngleich die Apothekendichte per se keinen in normativer Sicht validen Indikator darstelle, betonen die Regierungsberater, deute ihr Wert auf eine geringe Wettbewerbsintensität hin. Im Durchschnitt liegt die Apothekendichte der 28 EU-Länder bei 3230 – Deutschland erreicht insoweit eine unterdurchschnittliche Apothekendichte. Allerdings schließe diese Berechnung auch Länder wie Bulgarien, Griechenland, Litauen, Malta und Zypern ein, deren Apothekendichte den Wert von 2500 unterschreite, heißt es im Gutachten. Verglichen mit den meisten wirtschaftlich ähnlich entwickelten Ländern weise Deutschland eine recht hohe Apothekendichte auf. Übrigens: Im internationalen Ländervergleich haben die Apotheken in Griechenland mit 1010 jeweils zu versorgenden Einwohnern die wenigsten und die Apotheken in Dänemark mit 16.670 die meisten Einwohner zu versorgen.

Fremd- und Mehrbesitzverbot wettbewerbshemmend

Angesichts der im europäischen Vergleich weit überproportionalen Bevölkerungsdichte in Deutschland erleichtere die recht hohe Apothekendichte eine nachhaltige Sicherung der Versorgung, heißt es im Gutachten. Allerdings gehe sie einher mit einem sehr begrenzten Preiswettbewerb, der sich auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente und damit auf nur zwölf Prozent des Apothekenumsatzes an Arzneimitteln beschränke. Einer effizienten Arzneimitteldistribution stünden neben der Arzneimittelpreisverordnung noch weitere „wettbewerbshemmende staatliche Regulierungen im Apothekenbereich“ entgegen – etwa die Beschränkungen bei Fremd- und Mehrbesitz. 

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