DAZ aktuell

Kein Geld für die Rezeptübermittlung

Urteil zum Geschäftsmodell der Schweizer Zur Rose AG

BERLIN (ks) | Das Geschäftsmodell der Schweizer Zur Rose AG, nach dem Ärzte für die elektronische Übermittlung von Rezepten eine finanzielle Entschädigung erhalten, ist nicht zulässig. Das hat das Schweizer Bundesgericht in Lausanne entschieden. Es bestätigte damit eine Entscheidung des Zürcher Verwaltungsgerichts.

Die Apotheke Zur Rose AG verfügt über eine Bewilligung für den Groß- und Einzelhandel mit Arzneimitteln. Ihr Schweizer Geschäftsmodell sieht unter anderem vor, dass sie von vertraglich angeschlossenen Ärzten, die über keine eigene Bewilligung zur Arzneimittelabgabe verfügen, Rezepte in elektronischer Form erhält und sie hierfür entschädigt: 40 Franken gibt es pro Neukunden, zwölf Franken jährlich für den „Dossiercheck“ sowie einen Franken pro Rezeptzeile für die Interaktionskontrolle.

Schon 2012 kam das Zürcher Verwaltungsgericht zum Schluss, dass dieses Geschäftsmodell nicht zulässig ist. Die Richter in Lausanne bestätigten nun dieses Urteil im Ergebnis: Der Arzt sei beim praktizierten Geschäftsmodell in wesentlichen Teilen mit der Übertragung und Überlassung des verwendungsfertigen Medikaments befasst. Das fragliche Zusammenwirken zwischen der Zur Rose AG und den Ärzten setze damit voraus, dass diese selber über eine Bewilligung zur Arzneimittelabgabe verfügten – doch diese haben sie gerade nicht. Überdies stellen die Entschädigungszahlungen der Zur Rose AG an die Ärzte therapiefremde geldwerte Vorteile dar, welche nach dem Schweizer Heilmittelgesetzes verboten sind.

Ob ein Arzt ein Medikament direkt in der Praxis abgeben darf oder nicht, ist in der Schweiz kantonal geregelt. Im konkreten Fall geht es um Ärzte im Kanton Zürich, wo die Selbstdispensation vorbehaltlich einer Bewilligung erlaubt ist. Viele Ärzte nutzen diese Möglichkeit – aber nicht alle. Ihnen bot Zur Rose den Medikamentenversand an. Um diesen „patientenfreundlichen Vertriebskanal günstiger und effizienter zu gestalten“, schreibt Zur Rose in einer Pressemitteilung zum aktuellen Gerichtsurteil, sollten die Ärzte die Rezepte elektronisch übermitteln. Die Ärzte erbrächten zudem weitere kostensenkende Leistungen für Zur Rose. Das honorierte das Unternehmen. Zur Rose erklärt ferner, dass die Frage der Zulässigkeit von Entschädigungen nicht abschließend geklärt wurde und Gegenstand eines anderen Verfahrens am Bundesverwaltungsgericht ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Strafprozess in der Schweiz

Freispruch für Oberhänsli

Staatsanwaltschaft Thurgau erhebt Anklage wegen Widerhandlungen gegen das Heilmittelgesetz und das Bundesgesetz über den unlauteren Wettbewerb

Zur-Rose-Chef Oberhänsli unter Beschuss

CEO Oberhänsli: „Wir sind bereit für das elektronische Rezept“

Zur Rose setzt auf den EuGH

Zur Rose unterliegt vor Schweizer Bundesgericht

Schweizer OTC-Versand wird in die Schranken gewiesen

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.

DAZ.online mit Werbung und Tracking

Nutzen Sie den Newsbereich von DAZ.online wie gewohnt kostenlos. Alle Details zu unseren Werbe- und Trackingverfahren finden Sie hier.

DAZ.online – ohne Tracking

Nutzen Sie DAZ.online ohne verlagsfremde Werbung und ohne Werbetracking für 9,80 Euro pro Monat.
Alle Details zu unserem DAZ.online PUR-Abo finden Sie hier.

Jetzt DAZ.online PUR-Zugang buchen

(Sie können Ihren DAZ.online PUR-Zugang jederzeit kündigen.)