Aus den Ländern

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Nordrhein-Westfalen: Fachtagung Sozialpharmazie

Die Besonderheiten der Arzneitherapie bei Kindern und Jugendlichen standen am 3. und 4. Juni im Mittelpunkt der 17. Fachtagung Sozialpharmazie des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen und der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf.

Probleme der Arzneimittelsicherheit

Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS), den Dr. Hildtraud Knopf vom Robert Koch-Institut vorstellte, beruht auf den von 2003 bis 2006 erhobenen Daten von 17.641 Kindern und Jugendlichen in Deutschland (www.kiggs-studie.de). Wie eine Auswertung ergab, erfolgt die Arzneimittelanwendung in der ambulanten Therapie (einschl. Selbstmedikation) häufig im Off-label-use (30,0%), wobei die Arzneimittel meistens unterdosiert werden (17,4%).

„Das Risiko, dass Kinder durch ungeprüfte Medikamente geschädigt werden, ist erschreckend hoch“, sagte Prof. Wolfgang Rascher von der Kommission Arzneimittel für Kinder und Jugendliche (KAKJ) des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Doch das Problem ist erkannt: Gemäß EU-Kinderarzneimittel-Verordnung (Verordnung Nr. 1901/ 2006) müssen sowohl neue als auch bereits zugelassene Arzneimittel für Kinder gesondert geprüft werden. Das eigentliche Problem in der Pädiatrie, so Rascher, sei aber das Fehlen von Arzneimitteln bei seltenen Krankheiten, die zum Teil nur bei Kindern vorkommen.

Besser 1-mal als 3-mal täglich

Tipps zum richtigen Einsatz von Antibiotika bei Kindern und Jugendlichen – auch im Hinblick auf die Resistenzproblematik – gab Dr. Burkhard Lawrenz vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Es sei wichtig, die geeignete Arzneiform (Tablette oder Saft) und eine angemessene Dosierung zu wählen, denn 1- bis 2-mal täglich ist besser umzusetzen als 3- bis 4-mal täglich.

Laut KiGGS erhalten 0,5% der Mädchen und 1,5% der Jungen Methylphenidat und andere Stimulanzien zur Therapie des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS). Am häufigsten ist die Methylphenidattherapie bei den 11- bis 13-Jährigen. Dr. Ingo Langner vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie relativierte diese Zahlen, denn die regionalen Unterschiede (Bundesländer, Landkreise, Städte) sind sehr groß.

Missbrauch und Prävention

Der Substanzmissbrauch ist ein Thema der „Euregionalen Jugendbefragung“ 2013 in der Euregio Maas-Rhein (Teile der Niederlande, Belgiens und Deutschlands), die Dirk Philippsen vom Gesundheitsamt des Kreises Düren vorstellte. Beim Vergleich zur Euregionalen Jugendbefragung von 2001 fällt auf, dass Jungen und Mädchen heute etwa gleich häufig zu Tabak, Alkohol und Cannabis greifen und dass das Einstiegsalter heute höher ist als damals.

Durch das Projekt „Apotheke macht Schule“ will die Apothekerkammer Westfalen-Lippe die Prävention bei Kindern fördern. Dabei gehen Apotheker in die Schulen und unterrichten die Schüler zu Themen rund um Gesundheit und Arzneimittel.

Die pharmakritische Verbraucherorganisation BUKO Pharma-Kampagne hat speziell für Kinder und Jugendliche die Website www.pillen-checker.de entwickelt. 

Zum Weiterlesen

Mehr oder weniger? – Besonderheiten der Arzneimitteltherapie von Säuglingen, Kleinkindern und Kindern.

DAZ 2014, Nr. 24, S. 56–62

Quelle: Esther Luhmann, Münster

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