Prisma

Urin doch nicht steril

Physiologische Bakterienflora in der Blase

wes/cae | Im Urin befinden sich verschiedene nicht-pathogene Bakterien, die bisher übersehen wurden, weil sie sich nicht mit den etablierten Methoden kultivieren lassen. Sie hinterlassen jedoch genetische Spuren im Urin, die ihre Anwesenheit verraten.

Mediziner und Apotheker lernen in ihrer Ausbildung: Der Urin von Gesunden ist keimfrei. Finden sich Bakterien im Urin, weisen diese auf einen Harnwegsinfekt hin. Doch das scheint nicht die Regel, sondern vielmehr die Ausnahme zu sein. Denn auch im Urin von gesunden Frauen fanden amerikanische Forscher um die Urologin Linda Brubaker von der Loyola University in Chicago zahlreiche Bakterien. Diese sind zwar mit Standardverfahren nicht kultivierbar, aber mit einer Erbgutanalyse, dem 16S-rRNA-Sequencing, nachweisbar. Nachdem die US-Forscher die Existenz der Bakterien indirekt nachgewiesen hatten, gelang es ihnen auch, sie mit einem speziellen Verfahren zu kultivieren.

Immerhin in 80% der untersuchten Urinproben haben die US-Forscher Bakterien gefunden. Bei 92% dieser positiven Proben war im Standardtest kein Bakterienwachstum feststellbar gewesen; sie hätten also fälschlich als keimfrei gegolten.

Insgesamt 85 Bakterienarten haben die US-Forscher im Urin der Frauen nachgewiesen, und zwar die meisten aus den Gattungen Lactobacillus (15%), Corynebacterium (14,2%), Streptococcus (11,9%), Actinomyces und Staphylococcus (je 6,9%). Weiterhin fanden sie Spezies von Aerococcus, Gardnerella, Bifidobacterium und Actinobaculum.

Bereits vor einigen Jahren war der Forschergruppe der Nachweis von bakteriellem Erbgut im Urin gesunder Frauen gelungen. Die neuen Ergebnisse zeigen nun, dass es entgegen der bisher vorherrschenden Lehrmeinung auch in der gesunden Harnblase eine Art physiologische Bakterienflora gibt, die von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein kann. 

Quelle: Hilt EE, et al. Urine is not sterile: Use of Enhanced Urine Culture Techniques to Detect Resident Bacterial Flora in the Adult Female Bladder. J Clin Microbiol 2014;52(3):871.

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