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Hallo, Kinder!

Baby- und kinderfreundliche Apotheke – so geht’s

Von Peter Ditzel | Kinder sind die Kunden von morgen – ein Grundsatz, der heute zum kleinen Einmaleins des Marketings gehört, auch bei zahlreichen Apotheken. Allerdings stehen hier nicht nur die Kinder im Fokus, sondern in der Regel auch die Mütter (oder Väter). Mutter-und-Kind-Apotheken haben sich auf die Beratung der Eltern spezialisiert, von der Schwangerschaft bis zur Babyzeit und darüber hinaus. Unser Beitrag zeigt auch, mit welchen Ideen sich Apotheken als baby- und kinderfreundlich präsentieren – und das mit großem Erfolg.

Das sollte man nicht unterschätzen: Wenn sich Kinder in einer Apotheke wohlfühlen, wenn sie eine besondere Zuwendung des Apothekenpersonals erhalten, wenn man sie kindgerecht anspricht, werden sie das ihrer Mutter deutlich zu verstehen geben. Ein Kind, das in einer Apotheke ein besonderes Erlebnis hat, möchte diese Apotheke immer wieder gerne besuchen. Und die Mutter wird diese Apotheke mit großer Wahrscheinlichkeit zu ihrer Stammapotheke erklären.

Bisweilen wirkt ein positives Apothekenerlebnis ein Leben lang nach. Ich kann mich noch gut daran erinnern: Als mich meine Großmutter in die Apotheke mitnahm, war das für mich im Alter von fünf oder sechs Jahren immer etwas Besonderes. Schon der besondere Geruch der Apotheke bleibt in der Erinnerung, dann die vielen bunten Packungen und Schachteln. Der Höhepunkt war allerdings immer, als mir der Herr Apotheker, ein älterer gütig blickender Mann im weißen Kittel, einen Bonbon, ein Stückchen Traubenzucker überreichte oder manchmal auch einen Ausschneide- und Bastelbogen. (Ob mich dieses Bild so stark prägte, dass ich später Apotheker wurde?)

Fortbildung für Schwangerschaft und Babyzeit

Viele Apotheken haben sich auf die Beratung von Frauen in der Schwangerschaft, Stillzeit und Babyzeit spezialisiert. „Alles für Mutter und Kind“ heißt hier das Motto. Apotheken, die sich auf diesem Gebiet profilieren, haben sich in der Regel fortgebildet, um die speziellen Fragen beantworten zu können. Eine Arzneitherapie in der Schwangerschaft und Stillzeit verlangt nach besonderen Kenntnissen, welche Arzneimittel eingenommen werden dürfen, welche nicht und welche Alternativen zur Verfügung stehen. Außerdem sollte sich eine Mutter-und-Kind-Apotheke bestens auskennen auf dem Gebiet der Kinderkrankheiten, der Impfungen, Selbstmedikation für Kleinkinder, Homöopathie für Kinder und in der Säuglingspflege.

Fortbildungsangebote kommen von verschiedenen Seiten. So bietet beispielsweise das Weiterbildungsinstitut für PTA (WIPTA) in Zusammenarbeit mit „PTA interaktiv“ ein Online-Seminar („Beratungsfit für Mutter und Kind“) fürs Apothekenteam an, das vom Hintergrundwissen über die Aktionsplanung bis hin zur Neukundengewinnung und Netzwerkbildung umfassend informiert. Der dreimonatige Kurs ist von der Bundesapothekerkammer anerkannt. Die Teilnehmer erhalten ein Abschlusszertifikat mit Fortbildungspunkten.

Hilfestellung für potenzielle Mutter-und-Kind-Apotheken kommt auch vom Verein „Babyfreundliche Apotheke e.V“. Dieser Verein hat sich darauf spezialisiert, seinen Mitgliedsapotheken zahlreiche Materialien und Schulungen anzubieten, die für die Beratung von Schwangeren, Stillenden und Eltern mit Baby fit machen. Apotheken, die diesem Verein beigetreten sind und bestimmte Anforderungen erfüllen, werden mit dem Qualitätssiegel „Babyfreundliche Apotheke“ ausgezeichnet. Zu den Anforderungen gehört zum Beispiel, dass mindestens zwei Apothekenmitarbeiter(innen) für das „babyfreundliche Team“ qualifiziert sind, damit während der Hauptöffnungszeiten immer eine kompetente Beratung gewährleistet ist. Diese Apothekenmitarbeiter(innen) müssen außerdem ein „QM-Handbuch für Babyfreundliche Apotheken“ durcharbeiten und entsprechende Schulungen mit Trainings absolvieren. Eine Gutachterin nimmt Prüfungen ab und kontrolliert die Umsetzung des Handbuchs. Ist alles bestanden, erhält die Apotheke das Qualitätssiegel. Alle drei Jahre erfolgt durch den Verein ein Nachgutachten.

Der Verein unterstützt die Mitgliedsapotheken mit Schulungen, aktuellen Infos (Newsletter), verschiedenen Werbe- und PR-Maßnahmen wie Handouts und Broschüren.

Zu den Standards babyfreundlicher Apotheken gehört beispielsweise, Schwangere oder Mütter in der Stillzeit eingehend zu beraten, wenn sie Arzneimittel einnehmen müssen. Ist eine Arzneitherapie des Säuglings notwendig, werden die Eltern detailliert beraten.

Die babyfreundlichen Apotheken informieren schwangere Kundinnen über die Vorteile und die Praxis des Stillens, über den sinnvollen Einsatz von Stillhilfsmitteln und sie verleihen Milchpumpen und Babywaagen. Außerdem berät die Apotheke über eine gesunde und vollwertige Ernährung. Wird der Einsatz von künstlicher Säuglingsnahrung notwendig, werden die Eltern auch hierzu kompetent von der Apotheke beraten.

Kinderfreundliche Apotheken

Doch auch ohne Vereinsmitgliedschaft ist es möglich, sich seinen Kunden als kinderfreundliche Apotheke zu präsentieren. Viele Apotheken signalisieren mit unterschiedlichsten Aktionen, dass sie Kinder herzlich willkommen heißen. „Die Kleinsten sind bei uns die Größten“ heißt es beispielsweise in einer Apotheke, die vor dem Handverkaufstisch eine kleine Kindertreppe aufgestellt hat. Steigen die Kinder auf die Treppe, können sie auf den Handverkaufstisch blicken und ihr Rezept des Kinderarztes selbst überreichen. Die Apotheke erstellt für die Kleinen auch eine eigene Kinderkundenkarte, mit der die Apotheke einen Überblick über die verordneten Arzneimittel hat und sofort Hinweise zu Unverträglichkeiten, Wechselwirkungen, Allergierisiken geben kann. Gespeichert werden auch die Impftermine, so dass die Eltern rechtzeitig an den nächsten Termin erinnert werden können. Zum Geburtstag erhalten die Kinder in der Apotheke eine kleine Überraschung. Als Zugabe sind bei Kindern neben Traubenzucker oder Kinderbonbons nach wie vor Poster sehr beliebt. Diese Idee einer Apotheke kam bei Kleinkindern besonders gut an: An einer bestimmten Stelle in der Offizin befindet sich eine „Schatztruhe“, in die die Kinder mit verbundenen Augen greifen und sich ein kleines Geschenk herausnehmen dürfen.

Foto: K. Bürger
Ein Häuschen in der Offizin, in dem die kleinen Kunden spielen können.


Immer beliebt: Aktionen

Positiven Anklang bei Kindern und Eltern findet ein „Kindertag“ der Apotheke: ein Tag der offenen Tür, bei dem die Kinder zum Beispiel hinter die Kulissen der Apotheken schauen dürfen, eine Salbe rühren oder Schokoladencreme in Tuben abfüllen dürfen.

Beliebte Aktionen von Apotheken, die sich auf die Zielgruppe Mutter (Vater) und Kind spezialisiert haben, sind Malwettbewerbe, beispielsweise „Malt Eure Apotheke“ oder „Meine Sommerferien“ oder ähnliche Themen. Manche kinderfreundlichen Apotheken bieten den Kindern an, vor dem Nikolaustag einen kleinen Stiefel in der Apotheke vorbeizubringen, der dann am Nikolaustag mit kleinen Geschenken befüllt abgeholt werden kann. Andere Apotheken laden in der Vorweihnachtszeit Mutter und Kind zum Weihnachtsbaumschmücken in die Apotheke. In der Osterzeit bietet sich ein Eiermalwettbewerb für Kinder an – die Eier werden dann im Schaufenster an Zweigen aufgehängt. Weitere Aktionsideen: Beliebt ist auch Schultütenbasteln oder als Aktion, bei der Gesundheitsinfos vermittelt werden können: Zahnbürstengravur mit Tipps für die richtige Zahnpflege.

Zu den speziellen Aktionen, mit denen sich kinderfreundliche Apotheken besonders profilieren und die Aufmerksamkeit der Mütter gewinnen können, gehören beispielsweise Vorträge zu den Themen Stillen, Ernährung, Hausapotheke für Kinder, Homöopathie für Kinder und ähnliches. Einige Apotheken haben großen Zulauf, indem sie an bestimmten Nachmittagen in der Woche einen „Wiegetag“ anbieten: Die Mütter können in der Apotheke vorbeikommen, um in einem Nebenraum der Apotheke ihr Baby messen und wiegen zu lassen, um Fragen zum Stillen, zur Ernährung, zur Säuglingspflege zu stellen und sich mit anderen Müttern auszutauschen.

Bewährt hat sich für kinderfreundliche Apotheken der Aufbau eines Netzwerkes mit Kinderärzten und Hebammen.

Die Kinderecke

Kinderfreundliche Apotheken denken auch an einen Bereich in der Apotheke, an dem Mütter – während sie vom Apothekenteam beraten werden – ihre Kinder auch mal kurz alleine lassen können. So findet man in Apotheken mitunter Spielecken mit kleinen Kindertischen, Kinderstühlen, Holzspielzeug, Buntstiften. Mit Sicherheit eine gute Idee, sofern der Platz dazu gegeben ist. Apotheken sollten hier jedoch darauf achten, dass das Mobiliar und das Spielzeug auch wirklich kindergerecht und die Umgebung der Kinderecke „kindersicher“ ist – und falls doch mal ein Kind ein wenig lebhafter spielt, nichts zu Bruch gehen kann. Eine nette Idee ist beispielsweise ein „eingezäunter“ Bereich mit weichem Boden und kleinen Bällen. Für alle Apotheken gilt: Die Freiwahl muss sicher sein, d.h., Kinder dürfen sich nicht verletzen, Ständer dürfen nicht umkippen, wenn Kinder daran rütteln.

Foto: K. Bürger
In dieser Arena kann der Sprößling unbesorgt spielen und toben, während sich die Mutter über Arzneimittel beraten lässt.

Babyfreundliche Apotheken, Mutter-und-Kind-Apotheke, kinderfreundliche Apotheken – nur das Apothekenteam, das sich auf diesen Gebieten fortgebildet hat, an Aktionen Spaß hat und auch über das Ambiente der Apotheke signalisiert, dass die Kleinen willkommen sind, wird punkten können. Kinder geben schon sehr früh ihren Eltern zu verstehen, welche Geschäfte sie besonders gerne besuchen und welche nicht. Wenn Kinder gerne in Ihre Apotheke kommen, kommen auch die Eltern gerne. 

Autor

Peter Ditzel ist Herausgeber der Deutschen Apotheker Zeitung.

pditzel@deutsche-apotheker-verlag.de

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