Aus den Ländern

Wenn das Geld für Arzneimittel fehlt …

Kongress Armut und Gesundheit

cae | „Gesundheit nachhaltig fördern – langfristig, ganzheitlich, gerecht“ lautete das Motto des diesjährigen Public Health-Kongresses Armut und Gesundheit vom 12. bis 14. März in der Technischen Universität Berlin. Ein Thema war auch die schlechte Arzneimittelversorgung sozial benachteiligter Menschen.

Wer in Armut lebt, leidet häufiger unter Krankheiten und hat eine geringere Lebenserwartung. So sterben Männer und Frauen aus den ärmsten Bevölkerungsschichten etwa elf bzw. neun Jahre früher als Personen aus der Oberschicht.

Im Zusammenhang mit dem geplanten Präventionsgesetz wurde diskutiert, wie in Armut lebenden Menschen geholfen werden kann, dass sie ihr Leben und ihre Probleme (wieder) meistern und auch die Gesundheitsvorsorge in die eigene Hand nehmen können.

Die Apothekerschaft war auf diesem Kongress nur schwach vertreten, obwohl die Apotheken als niederschwellige Einrichtung des Gesundheitswesens geradezu ideale Partner in lokalen Public Health-Netzwerken sein können. So wurde auf dem Kongress ein Projekt von 18 Apotheken in Österreich vorgestellt, die über lokale Netzwerke Angehörige von Demenz-Erkrankten in Kontakt mit unterstützenden Organisationen bringen. Auch wenn es laut Dr. Petra Plunger, Wien, anfangs ein mühsamer Weg ist, mit anderen Organisationen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich ins Gespräch zu kommen und eine gemeinsame Strategie zu finden, so zeigen Projekte dieser Art doch die Chancen für Apotheken.

Selbstmedikation bei sozial Benachteiligten

Ein Workshop befasste sich mit dem Thema Selbstmedikation von Menschen, die in Armut leben. Zwar wurden in den letzten Jahren sogenannte Medikamententafeln errichtet, die Bedürftigen Medikamente der Selbstmedikation vergünstigt anbieten; es sind jedoch nur wenige Einrichtungen, die darüber hinaus umstritten sind. Um mehr über die Selbstmedikation in der ärmsten Bevölkerungsschicht zu erfahren, hat der Kreis Düren in Zusammenarbeit mit dem Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen im Jahr 2012 eine schriftliche Umfrage durchgeführt: In den Städten Düren, Münster, Neuss und Unna wurden in Lebensmitteltafeln entsprechende Fragebögen verteilt; insgesamt 391 angesprochene Personen haben die Bögen ausgefüllt, die inzwischen ausgewertet worden sind.

Die Ergebnisse überraschen nicht: Die meisten Personen kauften sich Selbstmedikationsarzneimittel, wenn sie sich diese finanziell leisten konnten, insbesondere Schmerz- und Fiebermittel sowie Nasentropfen und Magenmittel. Wenn das Geld fehlte, mussten sie darauf verzichten: So hatte fast jede vierte Person im Laufe eines Jahres auf acht oder mehr Arzneimittel verzichtet, die sie sich gern gekauft hätte.

Zwar liegen keine Zahlen vor, wie der Verzicht auf Selbstmedikation sich auf die Gesundheit der jeweiligen Menschen auswirkt. Ein Zusammenhang mit einem verstärkten Krankheitserleben und ggf. mit einer Krankheitsverschleppung ist jedoch naheliegend.

Quelle: Bericht von Dr. Udo Puteanus, Münster

 

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