DAZ aktuell

PTA-Schule in Kassel droht das Aus

Auslaufende Förderung bringt Schule in Bedrängnis – zahlen bald die Apotheker?

BERLIN (lue/ks) | Auch in Hessen haben die PTA-Schulen zu kämpfen. Die finanzielle Förderung der Schulen durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) ist bereits ausgelaufen. Bald wird auch das Land kein Geld mehr bereitstellen. Das heißt, es wird teuer für die PTAs. Letztlich werden jedoch die Apotheken für die Ausbildung ihrer Fachkräfte aufkommen müssen. Der stellvertretende Vorsitzende des Hessischen Apothekerverbands (HAV), Hans Rudolf Diefenbach, hat auch schon eine Idee, wo er das hierfür nötige Geld einsparen will: Bei den ABDA-Mitgliedsbeiträgen.

Die Darmstädter Schule ist bereits geschlossen – nun ist auch die Zukunft der PTA-Schule in Kassel ungewiss. Hier absolvieren derzeit rund 100 Jugendliche die Ausbildung zur PTA. Nicht nur die zeitlich begrenzte Förderung durch den ESF ist Ende letzten Jahres ausgelaufen – auch das Land Hessen unterstützt die PTA-Schulen in Zukunft nicht mehr. Mit 125 Euro im Monat wurde bislang jeder Schüler gefördert. Dieser Betrag wurde zu gleichen Teilen aus dem ESF und vom Land gezahlt. Schulleiter Reiner Heine hat dennoch eine gute Nachricht: Die bestehenden Ausbildungsverträge – zu denen auch 35 neue Verträge für den Ausbildungsstart im September 2014 gehören – werden weiterhin von der Landesregierung gefördert. Auch der Anteil des ESF werde vom Land Hessen mitgetragen. Allerdings hat der Träger der PTA-Schule, die Arbeitsförderungsgesellschaft im Landkreis Kassel (AGiL), nur eine statt wie bislang zwei Klassen genehmigt.

Der aktuelle Stand ist, dass ab Herbst 2015 keine neuen Schüler aufgenommen werden können, sofern keine finanzielle Unterstützung erfolgt, erklärte Heine gegenüber der DAZ. Die letzte Klasse würde im Sommer 2016 die Ausbildung beenden – geht man davon aus, dass Prüfungen wiederholt werden müssen, Anfang 2017. Die Ausbildung in Hessen sei „extrem gefährdet“, macht Heine deutlich. Eine anderweitige Finanzierung gestaltet sich mehr als schwierig. Schon vor ein paar Jahren habe er angeregt, das Heilberufsgesetz zu ändern, sodass die Apotheker auch für die Ausbildung der PTA zuständig wären. Eine Gesetzesinitiative sei leider gescheitert, so Heine. Nicht aufgenommen wurde auch die Anregung, dass die PTA-Schulen in Hessen nicht mehr in die Zuständigkeit des Landessozialministeriums, sondern in die des Kultusministeriums fallen und damit wie Berufsschulen behandelt werden.

Die anderen drei PTA-Schulen in Hessen wollen Heine zufolge das Schulgeld erhöhen. Derzeit liege das Schulgeld in Marburg bei 395 Euro – in Kassel zahlen die Schüler zurzeit maximal 196 Euro im Monat. Heine selber hat sich in seiner Not an die Hessische Apothekerkammer gewandt – diese machte ihm gegenüber deutlich, dass sie nichts zahlen würde. Auf Nachfrage bestätigte die Kammer, dass sie nicht zuständig sei. Der HAV hingegen erwägt laut Heine eine Satzungsänderung, sodass Zuschüsse möglich wären. Diese wären dann allerdings erst frühestens zum Sommer 2015 möglich. Die HAV-Geschäftsführung hielt sich gegenüber der DAZ zu diesen Plänen bedeckt. Die weitere Förderung durch das hessische Sozialministerium ist offenbar keine Option. Das Ministerium habe bei der Frage nach weiterführender Förderung abgewunken, erklärt Heine.

HAV-Vize Diefenbach ist durchaus bereit, seinen Beitrag zu leisten, dass der Berufsstand der PTA erhalten bleibt. Er will auf der nächsten ABDA-Mitgliederversammlung den Antrag stellen, die Mitgliedsbeiträge zu senken. Mit dieser Einsparung sollten die PTA-Schulen finanziert werden – eine sinnvolle Anlage, findet Diefenbach. 

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