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„Wir sind schließlich die Apotheker der Zukunft“

Interview mit Sven Lobeda, BPhD-Beauftragter für Studium und Lehre

BERLIN (lue) | Nicht nur approbierte Apotheker machen sich Gedanken zu ihrem Leitbild. Auch – und gerade! – für Studierende ist die Diskussion von Bedeutung. An der von der ABDA initiierten Leitbilddebatte durften sie jedoch nicht teilnehmen. Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden e.V. (BPhD) hat deswegen kurzerhand eine eigene Umfrage unter den Studierenden gestartet. Die Teilnehmerzahl war mit 1186 erfreulich hoch. Positiv findet der Verband auch, dass sich mit 584 Studierenden bereits viele aus den unteren Semestern beteiligten. Die DAZ sprach mit Sven Lobeda, dem BPhD-Beauftragten für Studium und Lehre, über die Umfrage und darüber, was zukünftige Apotheker von ihrem Beruf erwarten.
Foto: BPhD
Sven Lobeda, BPhD-Beauftragter für Studium und Lehre, sieht eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie sich die Studierenden Gehör verschaffen können - und will diese auch kräftig nutzen.

DAZ: Die Studierenden haben ihre Ideen für die „Apotheke der Zukunft“ eingebracht. Welche Anregungen empfanden Sie als besonders innovativ oder auch provokativ?

Lobeda: Interessant fand ich die Anregung, dass in der Apotheke geimpft, Blut abgenommen und Labordiagnostik durchgeführt werden sollte. Ein anderer Teilnehmer der Umfrage wünschte sich Beratungsautomaten – was damit genau gemeint ist, werden wir hoffentlich über ein Diskussionsforum auf Facebook herausfinden. Sehr häufig wurde der Wunsch nach einer besseren Zusammenarbeit mit den Ärzten geäußert, beispielsweise über eine gemeinsame Datenbank. Schließlich hat der Hausarzt heute kaum noch den Überblick, welche Medikamente sein Patient von diversen Fachärzten verschrieben bekommt. Mit einer gemeinsamen Datenbank hätten nicht nur Ärzte einen Überblick über die verschiedenen Arzneimittel, sondern auch die Apotheker.

 

DAZ: Gibt es auch Leistungen, die nach Meinung der Studierenden aus der Apotheke verschwinden werden?

Lobeda: Zum Beispiel über die Zukunft der Rezeptur sind sich die Studierenden uneinig. Viele sagen, dass vor allem die Herstellung von Kapseln und Zäpfchen völlig verschwinden wird, manche vermuten dies auch bei Teemischungen. Einig ist man sich aber vor allem darüber, dass individuelle Rezepturen im Bereich der Dermatika bleiben – und wahrscheinlich auch noch zunehmen werden.

DAZ: Laut Umfrage wünschen sich Studierende ein verlängertes Studium.

Lobeda: Grund dafür ist die Vielzahl an Themen, die aus Sicht der Studierenden neu dazukommen sollten. Diese passen nicht mehr in den vollgepackten Stundenplan. Es wird wahrscheinlich nicht dazu kommen, dass andere Studieninhalte dafür gestrichen werden. Zudem soll es ein naturwissenschaftliches Studium bleiben. Deswegen bleibt nur die Möglichkeit, das Studium um ein bis zwei Semester zu verlängern.

 

DAZ: Welche Bereiche sollen denn ausgeweitet werden?

Lobeda: Die Klinische Pharmazie und die Pharmakologie – gerade unter Berücksichtigung des Medikationsmanagements und der Arzneimitteltherapiesicherheit. Die Studierenden wünschen sich mehr Praxisbezug zur öffentlichen Apotheke. Zudem haben Studierende in den wenigsten Universitäten Kontakt zu Patienten. Das soll wesentlich deutlicher gefördert werden. Hier könnte man beispielsweise mit Medizinern und künftigen Medizinern zusammenarbeiten und Projekte in den Universitätskrankenhäusern starten. Wenn man bereits während des Studiums die Zusammenarbeit lernen könnte, wäre das hervorragend. Die angehenden Mediziner sehen das sicherlich ähnlich.

 

DAZ: Was geschieht jetzt mit den Ergebnissen der Umfrage?

Lobeda: Zum einen werden die Ergebnisse an die Fachschaften weitergegeben, sodass die Studierenden der jeweiligen Universität intern darüber diskutieren können. Außerdem sollen sie an die Kammern herangetragen werden. Unser Wunsch ist es, dass sie breit genutzt werden, damit die Belange, Ideen und Bedenken der Studierenden berücksichtigt werden. Wir sind schließlich die Apotheker der Zukunft.

 

DAZ: Werden die Meinungen der Studierenden zurzeit ausreichend berücksichtigt?

Lobeda: Wir sind recht zuversichtlich, dass unsere Meinung ausreichend berücksichtigt wird, und auch froh, dass wir die Unterstützung der Bundesapothekerkammer haben. BAK-Präsident Andreas Kiefer ermöglichte es uns, im Rahmen der ABDA-Leitbilddiskussion mitzuwirken: Der BPhD-Vorstand bekam drei Leitbild-Fragebögen zum Ausfüllen. So konnten wir die Meinungen der Studierenden gebündelt weitergeben. Zudem sind die Studierenden auch in den Landesapothekerkammern aktiv. Ich denke, wir haben eine Vielzahl an Möglichkeiten genutzt, um gehört zu werden.

 

DAZ: Herr Lobeda, herzlichen Dank für das Gespräch!

Studium optimieren und verlängern

Insgesamt nahmen 1186 Studenten an der vom Bundesverband der Pharmaziestudierenden e.V. (BPhD) initiierten Umfrage zum Leitbild teil – das sind etwa neun Prozent der Pharmaziestudierenden in Deutschland. Die Auswertung zeigt: Die Studierenden halten die Apotheke im Hinblick auf den demografischen Wandel für wichtig oder sehr wichtig – das stellten 84 Prozent fest. Auch die Zusammenarbeit mit Ärzten und anderen Heilberuflern erachten sie als wichtig oder sehr wichtig (78%). Zudem finden über 70 Prozent der teilnehmenden Studenten, dass eine aktive Rolle des Patienten in der Arzneimitteltherapie wichtig ist. So kam auch der Wunsch auf, dass Seminare und Workshops für Patienten häufiger angeboten werden.

Um Wissen und Kompetenz des Berufstandes zu stärken und zu fördern, wünschen sich viele angehende Apothekerinnen und Apotheker ein optimiertes Studium und eine verlängerte Regelstudienzeit. Zudem sollten verpflichtende Fortbildungen, Spezialisierungen und Weiterbildungen für das Apothekenteam auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Hier wünschen sich die zukünftigen Apotheker eine bessere Finanzierung und Unterstützung durch den Arbeitgeber. Zudem wurden regelmäßige In-Haus-Schulungen vorgeschlagen, die der Apotheker für sein Team durchführt. Gelobt wurden Kolloquien, wie die regelmäßigen Fortbildungsveranstaltungen der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) und der Kammern.

Auch zu der Ausrichtung des Apothekers zwischen Heilberufler und Kaufmann haben die Studenten eine Meinung: Die Apotheken sollen einen gesunden Mittelweg zwischen Wirtschaftlichkeit und heilberuflicher Tätigkeit wählen. Das Wohl des Patienten soll bei allen Entscheidungen an erster Stelle stehen.

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