DAZ aktuell

Streit über Ärztemangel

Kassen und Ärzte uneins über Ausmaß und Konsequenzen

BERLIN (jz) | In der medizinischen Grundversorgung fehlen Ärzte: 2600 Hausarzt- und 2000 Facharztsitze sind heute unbesetzt, mahnt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) – und es wird noch schlimmer. Bis 2020 sollen 51.000 Ärzte altersbedingt ausscheiden. Der GKV-Spitzenverband hält dagegen: Einfach nur mehr Ärzte lösten keine Versorgungsprobleme.

In Deutschland gibt es so viele Ärzte wie noch nie, betont der GKV-Spitzenverband – bei Fachärzten flächendeckend sogar eine Überversorgung. Trotz Einkommen auf „Rekordniveau“ – durchschnittlich 166.000 Euro brutto pro niedergelassenem Arzt – gebe es teilweise lange Wartezeiten und Versorgungslücken in der ambulanten Versorgung. Als „völlig inakzeptabel“ bezeichnet der Verband es, Diagnosen „übertrieben“ aufzuschreiben, um mehr Honorar für die Ärzteschaft herauszuholen. Die Ausbildung an den Hochschulen sollte sich stärker auf die hausärztliche Basisversorgung konzentrieren, fordert der Verband. Und statt der bisherigen Konzentration auf die klassische Einzelarztpraxis sollten mehr Kooperationen und Anstellungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Aus Sicht der Ärzteschaft wollen die Kassen mit „ewig gestrigen Neidkampagnen“ von ihrer eigenen Untätigkeit ablenken. Dabei seien die Kassen verantwortlich dafür, dass das Gesundheitswesen mehr und mehr zu einer Gesundheitswirtschaft degeneriere: durch „Überbetonung von Wettbewerb und Verbürokratisierung“. Die Ärzte fordern von den Kassen, ihren gesundheitspolitischen Beitrag für eine bessere Patientenversorgung sowie zur Steigerung der Attraktivität des Arztberufes zu leisten – denn: „billige Polemik haben wir genug gehört“.  

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