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Belgien: Pharmamarkt in der Kritik | Sinkende Arzneimittelausgaben in Holland | Zweite PUMA-Empfehlung

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Belgien: Pharmamarkt in der Kritik

Auch in anderen Ländern wirbeln Verbraucherorganisationen den Pharmamarkt auf. Unlängst hat in Belgien „Test-Achats“ („Test-Käufe“) 4000 der rund 7000 Präparate des heimischen Arzneimittelmarkts unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Von den bewerteten Medikamenten hätten 57 Prozent ihren Nutzen deutlich gezeigt. 27 Prozent wird nur ein begrenzter Nutzen zugeschrieben. Sie sollten deshalb einer kleinen Gruppe von Menschen vorbehalten sein oder als Präparate zweiter oder dritter Wahl genutzt werden, wenn andere Therapeutika nicht anschlagen. Für 15 Prozent der bewerteten Produkte wirft das belgische Experten-Team ernsthafte Fragen auf. Bei 460 bestünden Zweifel an der Wirksamkeit und/oder der Sicherheit, und von der Verwendung weiterer 113 wird sogar strikt abgeraten. Diese Medikamente hätten mehr Nachteile als Vorteile und sollten vom Markt verschwinden. Auch gegen die Selbstmedikation wird Stimmung gemacht. Patienten wird geraten, Präparate, die Test-Achats nicht empfiehlt, einfach nicht mehr einzunehmen. Sie sollten sich vielmehr von ihrem Arzt oder Apotheker beraten lassen.

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Sinkende Arzneimittelausgaben in Holland

In den Niederlanden sind die ambulanten Ausgaben für Arzneimittel im zweiten Jahr in Folge gesunken. Dies meldet die niederländische Stiftung für Pharmazeutische Statistik (SFK). Im Jahr 2013 belieferten die öffentlichen Apotheken die Patienten im Rahmen des „Basis-Versorgungspakets“ mit Medikamenten im Wert von 4,089 Mrd. Euro, das sind 310 Mio. Euro weniger als im Jahr 2012 und 912 Mio. Euro weniger als 2011. Zwischen 2008 und 2011 waren die Ausgaben noch um jährlich durchschnittlich 2 Prozent gestiegen, in den Jahren zuvor sogar um 6 bis 8 Prozent. Stark zur Verringerung der Ausgaben über die öffentlichen Apotheken beigetragen hat der Transfer der oralen Antikrebsmittel und Wachstumshormone auf das Krankenhaus-Budget. Dieser Kostenanteil hatte im Jahr 2012 bei 181 Mio. Euro gelegen. Seit 2013 werden sie über das Krankenhaus-Budget finanziert, auch wenn sie ambulant abgegeben werden. Doch den gesamten Rückgang erklärt dies nicht. Die Regierung hatte mit einem Ausgabenplus von 5,9 Prozent gerechnet.

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Zweite PUMA-Empfehlung

Der Ausschuss der Europäischen Arzneimittel-Agentur für Humanarzneimittel (CHMP) hat seine bislang zweite Empfehlung zur Erteilung einer Zulassung für die pädiatrische Verwendung (PUMA) ausgesprochen. Sie betrifft eine orale Lösung des Betablockers Propranolol (Hemangiol) für die Behandlung des proliferierenden infantilen Hämangioms. Entwickelt wurde das Präparat von Pierre Fabre Dermatologie.

Infantile Hämangiome sind gutartige Wucherungen unter Beteiligung von Blutgefäßen (Blutschwämmchen), die sich in der Haut oder in inneren Organen entwickeln. Sie sind normalerweise unkompliziert. Gelegentlich können sie aber mit lebensbedrohlichen Komplikationen wie Atembeschwerden und Herzproblemen verbunden sein. In diesen Fällen, die eine systemische Therapie erfordern, soll Hemangiol eingesetzt werden.

PUMAs können für Arzneimittel gewährt werden, die bereits zugelassen sind, aber nicht mehr unter Patentschutz stehen, und die speziell für Kinder entwickelt wurden. Voraussetzung ist ein pädiatrisches Prüfkonzept. Als Anreiz zur Erforschung bekannter Wirkstoffe an Kindern erhalten PUMA-Zulassungen einen zehnjährigen Vermarktungsschutz.

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