DAZ aktuell

Begeisterung – und Wehmut

Vivesco-Apotheken bereiten sich auf Flaggenwechsel vor

FRANKFURT/M. (wes) | Nachdem der neue Eigentümer Alliance Boots die Anzag in Alliance Healthcare Deutschland umbenannt hat, steht nun der nächste Namenswechsel an: Die deutsche Alliance-Apothekenkooperation Vivesco soll in das europäische Kooperationskonzept Alphega integriert werden. Teile dieses neuen Kooperationskonzepts werden bereits getestet.
Foto: Vivesco
Vivesco-Geschäftsführer Oliver Prönnecke ist zuversichtlich, dass die Vivesco-Gesellschafter der Umbennennung in Alphega zustimmen werden.

Ende März entscheidet sich, wie es mit Vivesco weitergeht: Am 25. März entscheidet die Gesellschafterversammlung, ob die Kooperationsmarke des Großhändlers Alliance Healthcare in Alphega umbenannt wird und damit im europäischen Alliance-Apotheken-Netzwerk aufgeht. Bei der Umfirmierung geht es aber nicht nur um einen neuen Markennamen. Mit einer Integration in das Alphega-Netzwerk werde sich das Angebot für die rund 1100 Mitgliedsapotheken stark erweitern, erklärt Vivesco-Geschäftsführer Oliver Prönnecke gegenüber der DAZ. Man sehe die Chance, den Vivesco-Apotheken viele Vorteile und neue Angebote zu bieten. Bei Vivesco habe man sich bisher sehr erfolgreich auf die Kommunikation von der Apotheke zum Kunden fokussiert, also auf das Marketing. Mit den neuen Elementen aus dem Alphega-Konzept werde dies nun um Angebote zur Patientenbetreuung ergänzt – „Bisher haben wir 180° abgedeckt, in Zukunft werden es 360° sein“, so Prönnecke. Diese Angebote wolle man ausbauen, wenn man das Votum der Mitglieder bekomme.

Business-Coach hilft beim Management

Nicole Massolle haben aber eher die die neuen Management- und Unternehmensführungs-Werkzeuge überzeugt, die sie momentan in ihrer Apotheke testet. „Um die Patienten haben wir uns schon immer sehr stark gekümmert“, erzählt sie. „In den anderen Bereichen, die ich nicht gelernt habe, brauche ich Unterstützung. Und diese habe ich bei Vivesco immer wieder eingefordert. Deshalb wollte ich jetzt unbedingt die Alphega-Tools testen.“ Massolle ist Inhaberin der Apotheke im Viamiko in Bremen, einer von sieben Apotheken, die seit ungefähr sechs Monaten das Alphega-Konzept für Deutschland erproben.

Foto: Vivesco
Die Apotheke von Nicole Massolle in Bremen ist eine von sieben Apotheken bundesweit, die das Alphega-Konzept erproben.

Überzeugt habe sie vor allem der „Business-Coach“, der ihr und ihrem Team viele wertvolle Anregungen gegeben habe. „Da waren ganz kleine Dinge dabei, etwa eine professionelle Warteschleife für das Telefon“, so Massolle. Aber etwa auch eine ausführliche Analyse und Umgestaltung der Sichtwahl. Im Unterschied zu vielen Beratern, die sich im Apothekenmarkt tummelten, gehe es beim Business Mentor um eine kontinuierliche Begleitung und nicht um eine einmalige Aktion. Der größte Vorteil sei aber, dass sich der Coach tatsächlich um ihre Apotheke kümmere, mit ihren Mitarbeitern spreche, ihre Apotheke betrachte. „Vorher ist keiner zu mir rausgekommen und hat mich gefragt, warum ich bestimmte Dinge so mache wie ich sie mache und nicht anders.“

Auf Erfahrungen zurückgreifen

Prönnecke betont, der aus England übernommene Business Coach sei nur ein Teil des Unterstützungskonzepts. Ziel sei, dass Mitgliedsapotheken bei Problemen welcher Art auch immer in Zukunft zuerst an das Netzwerk denken, dem sie angehören, und dort Hilfe suchen. Dabei könne man auf die Erfahrungen eines der größten europaweiten Apothekennetzwerke zurückgreifen.

Dass sich die Management-Tools, die bei Vivesco unter dem Namen EMMA (Entwicklung-Management-Modul Alphega) laufen, auch ganz konkret in Zahlen niederschlagen, betont Dr. Walter Taeschner, Inhaber der Frosch-Apotheke in Lörrach. Er testet die Alphega-Module in seiner neu übernommenen Filiale in Grenzach-Wyhlen und hat so den direkten Vergleich zur Hauptapotheke. „Bisher habe ich mir alle Bausteine einzeln zusammengesucht: hier ein Training, dort eine Beratung und dann noch eine ERFA-Gruppe. Hier habe ich jemanden, der das alles koordiniert und mir viel Arbeit abnimmt.“ Am Anfang habe eine Analyse gestanden – „eine Kundenbefragung, eine Teambefragung, und dann auch eine Chefbefragung“ – jetzt werde mit diesen Ergebnissen systematisch weitergearbeitet.

Welche Instrumente passen für den deutschen Markt?

Man teste nun verschiedene Teile des Alpega-Konzeptes in Vivesco-Apotheken, um herauszufinden, welche Angebote in Deutschland wahrscheinlich funktionieren und welche wohl eher nicht, sagt Vivesco-Geschäftsführer Prönnecke. Man könne von den Erfahrungen aus den anderen europäischen Ländern lernen. Alle Angebote müssten aber natürlich an den deutschen Markt angepasst werden. Wenn das Konzept in Deutschland eingeführt werde, soll es verschiedene Mitgliedsstufen für die teilnehmenden Apotheken geben.

Taeschner ist gespannt auf die Beratungs-Angebote von Alphega. „Services in a Box“ heißen diese Pakete, die bisher in den Test-Apotheken noch nicht erprobt wurden. Dies komme in einem späteren Schritt. Beim Ausbildungsniveau der deutschen Apothekenmitarbeiterinnen erscheine dieses englische Konzept auf den ersten Blick eigentlich unnötig, meint Taeschner. Und doch könne es dem Apothekenteam mehr Sicherheit geben, wenn alle Mitarbeiter auf dem selben Stand seien. Und gutes Infomaterial für die Patienten sei immer gefragt, so Taeschner. Die Pakete enthalten Schulungsunterlagen für die Mitarbeiter, Infomaterial für die Patienten und gegebenenfalls Demonstrationsutensilien.

Alphega

Alphega, ein Kunstwort zusammengesetzt aus Alpha und Omega, ist der Name einer internationalen Kooperation selbstständiger Apotheken. Sie wird vom Gesundheitskonzern Alliance Boots (in Deutschland mit dem Großhandel Alliance Healthcare, ehemals ANZAG, aktiv) betrieben. Bisher gibt es über 5000 Alphega-Apotheken in Italien, Spanien, Großbritannien, Tschechien, Frankreich und Russland, seit diesem Jahr auch in den Niederlanden. Dort haben die „Kring“-Apotheken in Alphega umfirmiert. Ob die rund 1100 deutschen Vivesco-Apotheken dem holländischen Vorbild folgen werden, entscheidet sich am 25. März. Dann stimmen rund 800 Vivesco-Gesellschafter über die Integration in die europäische Kooperation inklusive Umbenennung ab. Nach Angaben von Alliance Boots handelt es sich bei Alphega um die „führende Apotheken-Kooperation in Europa“.

Klare Trennung zwischen Boots und Alphega

Prönnecke ist wichtig zu betonen, dass es sich bei Alphega um ein Netzwerk selbstständiger Apotheken handelt. Anders als bei anderen europaweiten Apothekenkonzepten gebe es eine klare Trennung zwischen den Apothekenketten – die unter dem Namen Boots betrieben werden – und dem Kooperationskonzept Alphega. Es handle sich um zwei getrennte Firmen, die auch völlig getrennt voneinander betrieben werden, so Prönnecke.

Von den Konzepten scheinen die beiden Apotheker ehrlich überzeugt. Die geplante Umwidmung von Vivesco zu Alphega sehen sie jedoch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Nach zehn Jahren Mitgliedschaft bei Vivesco werde sie schon etwas wehmütig, wenn sie an den Namenswechsel denke, gesteht Massolle. Das sei so ähnlich, wie wenn Kinder das Elternhaus verlassen – ein trauriger Moment, der aber notwendig ist. Vivesco-Chef Prönnecke ist indes zuversichtlich, dass seine rund 800 Gesellschafter – die Apothekeninhaber – der Integration und Umbenennung in Alphega zustimmen werden. 

Das könnte Sie auch interessieren

Apotheken-Kooperation

Wird aus Vivesco bald Alphega?

Vivesco-Gesellschafterversammlung erörtert Umbenennung

Alphega oder Vivesco?

Alphega – Apothekenkooperation und europäisches Netzwerk. Ein Porträt.

Europaweit vernetzt

Unklare Zukunft für Vivesco – Pessina und Barra betonen Engagement für unabhängige Apotheken

Alliance Boots’ Pläne für die Apotheken

Kooperation geht in europäischem Netzwerk auf – Kritik von Mitgliedern

Aus Vivesco wird Alphega

DAZ.online-Serie Apotheken-Kooperationen (Alphega)

„Besser aufgestellt durch das internationale Netzwerk“

Kooperation rüstet sich für Dienstleistungen

Alphega führt „Herz-Kreislauf-Apotheke“ ein

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.