Gute Vorsätze

So beugen wir vor

Präventionsprojekte in Apotheken

Auch ohne Präventionsgesetz – das war im September vergangenen Jahres im Bundesrat gescheitert – haben bereits viele Apotheker die Schlüsselrolle, die der Berufsstand bei Vorbeugung und Vermeidung von Risiken und Krankheiten einnehmen kann (und auch sollte), erkannt und sind auf diesem Gebiet aktiv. Auf unterschiedlichste Weise werden verschiedene Zielgruppen angesprochen. Folgende Beispiele zeigen, wie vielfältig Prävention in Deutschlands Apotheken gelebt wird.

Apotheke macht Schule

„Apotheke macht Schule“ ist ein Projekt zur Primärprävention in Schulen. Es wurde von der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium Baden-Württemberg unter Mitwirkung von Apothekern und Diplom-Psychologen entwickelt und läuft bereits seit einigen Jahren. Im Unterricht, an Elternabenden und zu Lehrerfortbildungen informieren speziell geschulte Apotheker über alltagsrelevante Themen. „Apotheke macht Schule“ wird in mehreren Kammerbezirken angeboten beispielsweise in Berlin, Baden-Württemberg, und Rheinland-Pfalz.

Zu folgenden Themen werden Vorträge angeboten:

Für Schüler

  • Sexuell übertragbare Krankheiten – wenn Liebe krank macht
  • Pickel – (k)ein Problem!
  • Doping für den Alltag – Lifestyledrogen für jede Lebenslage?
  • Essstörungen – Wiegst Du noch oder lebst Du schon?
  • Sei schlau! Nicht blau

Für Eltern

  • Natürlich gesund – Helfen mit Hausmitteln
  • Gesund schmeckt besser
  • Läuse, Zecken & Co.
  • Auf Leistung getrimmt? Anspruch und Wirklichkeit leistungsfördernder Medikamente

Für Lehrer

  • Chronisch kranke Kinder im Unterricht: was Lehrkräfte wissen sollten.

Das WIPIG (Wissenschaftliches Institut für Prävention im Gesundheitswesen der Bayerischen Landesapotheker-kammer) führt das Konzept in erweiterter Form unter dem Titel „Apotheke ist Klasse“ in Bayern durch.

Weitere Informationen sowie Materialien zum Download finden Sie auf den Internetseiten der teilnehmenden Landesapothekerkammern.

Rezept für Bewegung

Das Präventionsangebot „Rezept für Bewegung“ wurde von der Bundesärztekammer, dem Deutschen Olympischen Sportbund und der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin erarbeitet. Patienten bekommen ein Rezept für Bewegung ausgestellt. Mithilfe einer Datenbank zu gesundheitsfördernden Sport- und Bewegungsangeboten können dann persönliche Programme erstellt werden. Die Maßnahmen werden teilweise von den gesetzlichen Krankenkassen finanziell gefördert. Das Konzept, das es in Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen gibt, ist primär ein Angebot der Ärzte. Die Ausnahme bildet Schleswig-Holstein. Hier können auch Apotheker ein Rezept für Bewegung ausstellen.

Herzensangelegenheit 50+

„Herzensangelegenheit 50+“ ist ein Konzept zur Prävention von Herzinfarkt, das vom WIPIG, dem Institut für Fettstoffwechsel und Hämorheologie in Windach und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg initiiert wurde. Die Durchführung beinhaltet zunächst die Bestimmung des kardiovaskulären Risikos anhand von Vorerkrankungen, Faktoren des Lebensstils, Blutfett- und Harnsäurewerten. Sofern ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko besteht, erhält die Person mit dem Befund außerdem die Empfehlung, Beratungen in der Apotheke und, falls notwendig, eine genauere ärztliche Abklärung und Behandlung in Anspruch zu nehmen.

Schulungen zur Durchführung der Aktion Herzensangelegenheit 50+ finden in Bayern und Westfalen-Lippe statt. Durch die Schulung qualifizierte Apotheker können das Konzept bei sich in der Apotheke umsetzen. Die Materialien wurden vom WIPIG erstellt und sind somit firmenunabhängig.

Im Rahmen einer Aktion in Nordostbayern mit 13 Apotheken und 1906 Teilnehmern wurde der Nutzen evaluiert. Circa zwei Drittel der Teilnehmer der Abschlussmessung (1043), die zu Beginn beeinflussbare Risikofaktoren hatten, konnten nach einem Jahr ihr Herzinfarkt-Risiko verbessern.

Nähere Informationen zum Konzept sind zu finden unter: www.wipig.de > Projekte > Aktuelle Projekte > Herzensangelegenheit 50+.

GLICEMIA

Ebenfalls eine Initiative des WIPIG und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ist „GLICEMIA“, ein Konzept zur Prävention von Typ-2-Diabetes, das sich damit befasst, welche Präventionsansätze erfolgreich flächendeckend etablierbar sind. Das Konzept wird derzeit im Rahmen einer randomisierten, kontrollierten Studie mit 40 Apotheken in Bayern und rund 1000 Teilnehmern wissenschaftlich evaluiert. Dazu wurden in der Kontroll- und der Interventionsgruppe im Laufe eines Jahres zu drei Zeitpunkten die individuellen Risikofaktoren erhoben (mittels Fragebögen und Messungen wie Blutglucosebestimmung). Außerdem wurde ein Präventionsratgeber mit Informationen zur Ernährung und Bewegung herausgegeben. In der Kontrollgruppe erfolgte keine darüberhinausgehende Betreuung. Die Teilnehmer der Interventionsgruppe erhielten zusätzlich individuelle Beratungen und Gruppenschulungen. Die Studie wurde im Dezember 2013 abgeschlossen. Das Konzept wird nun vom WIPIG anhand der Evaluation der Apotheken und Teilnehmer optimiert. Es soll demnächst unter www.wipig.de > Projekte > Aktuelle Projekte > GLICEMIA zur Verfügung stehen.

Bestands- und Bedarfsanalyse der Präventionsaktivitäten von Apotheken

Die Bestands- und Bedarfsanalyse der Präventionsaktivitäten von Apotheken wurde in Kooperation mit der Apotheke des Universitätsklinikums Erlangen durchgeführt und vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit gefördert.

Neben der Befragung von Apotheken zu deren Präventionsaktivitäten und einer Literaturrecherche nach durchgeführten Präventionsprojekten, wurden Kunden in 49 Apotheken zu ihrem Präventionsinteresse befragt. Aus der Zusammenführung der beiden Ergebnisse wurde ein Pilotprojekt ausgewählt, welches für alle Apotheken umsetzbar sein soll und auf großen Bedarf in der Bevölkerung stößt. Die Ergebnisse wurden in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlicht: Schmiedel K, Schlager H, Dörje F. Preventive counselling for public health in pharmacies in South Germany. Int J Clin Pharm 2012, DOI: 10.1007/s11096-012-9722-3

Kinderstube

Die Sächsische Landesapothekerkammer will sich mit der Webseite www.kinderstube-sachsen.de und dem zusätzlich halbjährlich erscheinenden Ratgeberheft „Kinderstube - Das Magazin für eine gesunde Kindheit“ als Gemeinschaftsprojekt mit weiteren sächsischen Heilberufekammern und dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz federführend in den Prozess der Kinder- und Jugendprävention einbringen. Die Themen sind vielfältig und decken alle Bereiche ab, die für die Gesundheitserziehung von Kindern und Jugendlichen eine Rolle spielen. Ernährung, Bewegung, Kinderkrankheiten sind nur Beispiele. Die „Kinderstube“ wendet sich an alle, die im Leben Heranwachsender eine Rolle spielen: Eltern, Großeltern, Tagesmütter, Erzieher, Lehrer und Pädagogen.

Weitere Informationen unter www.kinderstube-sachsen.de.

Leichter leben in Deutschland

Die „Leichter-leben-in-Deutschland“-Diät, die auf eine eiweißreiche Ernährung kombiniert mit gesunden Fetten und komplexen („langsamen“) Kohlenhydraten sowie langfristige Ernährungsumstellung setzt, wurde von einem Apotheker aus Straubing erfunden. Er hatte das Diätkonzept in seiner eigenen Apotheke umgesetzt. Seit 2004 wird die Diät bundesweit in Apotheken angeboten. Mittlerweile machen circa 1200 Apotheken bei der Abnehmaktion „Leichter leben in Deutschland“ mit. Die Diätteilnehmer werden von einer Apotheke in ihrer Nähe mit Ernährungsvorträgen, Beratung und ergänzenden Angeboten betreut. Auf der Webseite bietet ein Forum die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Abnehmwilligen. Mehr Informationen zu „Leichter leben in Deutschland“ sowie eine Suchfunktion, um teilnehmende Apotheken zu finden, gibt es unter www.llid.de/.

Von Klein auf in besten Händen

„Von Klein auf in besten Händen“ ist ein neues Vortragskonzept der LAK Baden-Württemberg, das sich an Kindergärten richtet. Von der AG Prävention wurden Vorträge für Kleinkinder und Eltern entwickelt. Diese können von interessierten Apothekerinnen und Apothekern in Baden-Württemberg kostenlos von der Homepage der LAK heruntergeladen werden, um Kindergärten Informationen zu interessanten Themen geben zu können. Gestartet wird mit dem Thema Ernährung. „Gesund schmeckt besser“ heißt das erste Vortragsmodul. Es gliedert sich in einen Vortrag für Eltern und eine spielerische Kindergartenstunde.

Zum Eltern-Vortrag wurden Handzettel konzipiert, die auch in russischer und türkischer Sprache verfügbar sind.

Mehr zum Konzept finden Sie im Mitgliederbereich der LAK-Homepage unter www.lak-bw.de > Service > Kindergartenprojekt.  

Burn-out-Prävention - Die entspannte Apotheke

In der heutigen Zeit werden hohe Anforderungen an Apothekenleiter und ihre Mitarbeiter gestellt. Freundlichkeit, Schnelligkeit und Fachkompetenz, einhergehend mit einer hohen Verantwortung werden abgefordert und stellen eine hohe Belastung für alle Apothekenmitarbeiter dar. Stress, innere Unruhe, Unkonzentriertheit und ein ungutes Gefühl können die Folgen sein. Daher hat die Apothekerkammer Berlin ein Präventionskonzept ins Leben gerufen, das sich grundlegend von den bisher vorgestellten unterscheidet: es richtet sich nicht von Apothekern an Patienten sondern an Apothekenleiter und Mitarbeiter. Im Workshop werden verschiedene Entspannungstechniken zur Stressbewältigung ausführlich vorgestellt und erprobt, damit jeder die beste Technik für sich finden kann um zu – so die Ankündigung – „Ruhe, Gelassenheit und innerer Zufriedenheit zurückzufinden“. Das Seminar für Apothekenleiter behandelt zusätzlich theoretische Inhalte zu Themen wie Zeitmanagement, Ursachen von und Umgang mit Stress und Kommunikation gegen den Stress. Alle Informationen zu den Seminaren finden Sie auf der Internetseite der Apothekerkammer Berlin unter Fortbildung > Veranstaltungen. 

Bewerben Sie sich für den WIPIG-DAZ-Präventionspreis 2014

Welche Präventionsprojekte haben Sie schon umgesetzt? Oder sind Sie gerade noch am überlegen, welche Aktion Sie als nächstes planen könnten? Dann zögern Sie nicht und bewerben Sie sich für den WIPIG-DAZ-Präventionspreis 2014! In den Kategorien Projekte, Kooperation Arzt/Apotheker und Wissenschaftliche Arbeit warten Preisgelder im Wert von insgesamt 14.000 Euro auf Sie.

Nähere Informationen sowie die Ausschreibungsunterlagen finden Sie unter: www.wipig.de/praeventionspreis

Apothekerin Julia Borsch, Stuttgart

Apothekerin Karin Schmiedel, München

Das könnte Sie auch interessieren

Welche Präventionsleistungen Apotheken anbieten können und sollten

Prävention – eine Dienstleistung der Apotheke

Prävention 2020 in Deutschland – eine Standortbestimmung für die Apotheke

Wo stehen wir? Wohin gehen wir?

Bayern: Aktionen zur Diabetesprävention

Diabetes bewegt uns!

Präventionsprojekte in Apotheken

So beugen wir vor

Preisverleihung der Stiftung Rufzeichen Gesundheit!

Gesund in jedem Lebensalter

Präventionsprojekt in Bayern

Apotheker für Vorträge in Schulen gesucht

GLICEMIA-Studie zeigt das am Beispiel von Diabetes

Prävention in der Apotheke ist machbar – und effektiv

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.