Wirtschaft

McKesson ist jetzt Chef in Stuttgart

Celesio-Übernahme klappt im zweiten Anlauf - Große Pläne für die Zukunft

BERLIN (lk) | Nach dem überraschenden Scheitern vor zwei Wochen hat sich der US-Konzern McKesson jetzt im zweiten Anlauf die Übernahme des Stuttgarter Pharmahändlers Celesio gesichert: Am vergangenen Donnerstagabend einigte sich McKesson mit den beiden Großaktionären Haniel und Elliott auf den Kauf eines Anteilpakets von über 75 Prozent. McKesson zahlt wie bereits vor 14 Tagen 33,50 Euro pro Celesio-Aktie.
Foto: Celesio
Freut sich über die Übernahme: Celesio-Chefin Dr. Marion Helmes.

Der Kauf soll nun binnen zehn Tagen über die Bühne gehen. Der hoch verschuldete Familienkonzern Haniel hatte zuvor seinen Anteil von etwas mehr als 50 Prozent auf 75,99 Prozent aufgestockt, indem er dem Hedgefonds Elliott dessen Aktien-Paket abkaufte. McKesson kaufte zudem Wandelanleihen von Elliott, um dieses Mal auf Nummer sicher zu gehen. Den verbleibenden freien Aktionären soll ebenfalls ein Kaufangebot von 23,50 Euro je Aktie unterbreitet werden. Mit der über 75-prozentigen Mehrheit kann McKesson jetzt einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Celesio schließen.

Auf Nummer sicher gegangen

Welche Summen nun zwischen Haniel und Elliott geflossen sind, wurde nicht bekannt. Nach Angaben einer mit der Transaktion vertrauten Person waren die Bedingungen für den Verkauf im zweiten Anlauf aber nicht geändert worden. Alle Parteien hätten ein Interesse daran gehabt, die Übernahme zum Abschluss zu bringen. Man sei nun keine Risiken mehr eingegangen, hieß es. Schon vor Tagen war durchgesickert, dass Haniel und der Elliott Hedgefonds von US-Investor Paul Singer den zunächst missglückten Übernahmeversuch heilen wollten. Zu diesem Zweck verabredeten beide Celesio-Großaktionäre das Schnüren eines über 75 Prozent schweren Aktienpakets als Kaufangebot an McKesson.

Der Celesio-Aktienkurs reagierte an der Börse: Nach einem kurzfristigen Absturz um sechs Prozent nach dem gescheiteren ersten pendelte der Kurs tagelang knapp unter 23 Euro. Wie Celesio Anfang letzter Wochen bereits mitteilte, hatte Elliott am 13. Januar die Schwelle von 30 Prozent der Stimmrechte überschritten und 32,01 Prozent erreicht. Allerdings bestand diese Beteiligung an Celesio nur zum Teil aus Aktien. Der Rest waren Wandelanleihen. Deshalb musste der Hedgefonds auch kein Pflichtangebot vorlegen, das sonst beim Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle vorgeschrieben gewesen wäre. An einer Celesio-Übernahme war Elliott von Anbeginn nicht interessiert. So ist die neue Offerte auch nicht mehr an eine Vollzugsbedingung geknüpft. Mit dieser Paketlösung kann die sonst bei einem weiteren Übernahmeversuch durch McKesson notwendige einjährige Wartefrist ausgehebelt werden.

Letzte Hürde: BaFin

Jetzt muss nur noch die deutsche Aufsichtsbehörde BaFin zustimmen, und der Deal ist perfekt. Celesio-Chefin Dr. Marion Helmes hat den Zusammenschluss bereits öffentlich begrüßt: „Ich freue mich, dass der Zusammenschluss mit McKesson zustande kommt.“ Damit schafften Celesio und McKesson eine ausgezeichnete Basis, um profitabel zu wachsen. Der Stuttgarter Pharmahändler hatte zuletzt massiv unter dem Rabattwettbewerb in Deutschland gelitten. Der von McKesson jetzt gebotene Preis entspricht dem Mitte Januar leicht angehobenen Gebot. Insgesamt wird Celesio bei der Übernahme mit etwas mehr als sechs Milliarden Euro bewertet.

McKesson und Celesio wollen sich früheren Angaben zufolge mit 81.500 Mitarbeitern weltweit und einem Jahresumsatz von mehr als 150 Milliarden US-Dollar (111 Mrd. Euro) zu einem der größten Pharmagroßhändler zusammenschließen. 

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