Gesundheitspolitik

Verzerrungen

Kommentar von Benjamin Wessinger

Die Zahlen, die IMS Health über den Arzneimittelmarkt in Deutschland vorgelegt hat (siehe Artikel unten), enthalten einige Verzerrungen, die bei der Bewertung zu berücksichtigen sind. Beispielsweise steigen aus Herstellersicht die Umsätze mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln seit Jahresbeginn an. Dies hat aber vor allem damit zu tun, dass der Zwangsrabatt der Hersteller an die Krankenkassen abgesenkt wurde.

Für die Hersteller verschreibungspflichtiger Arzneimittel – und für die Hersteller erhebt IMS Health seine Daten primär – hat diese Änderung natürlich große Auswirkungen.

Der Apotheker hat davon aber nichts: Sein Umsatz bleibt gleich, denn der Preis, den er für die Packung von seinem Rechenzentrum bekommt, hat sich ja nicht geändert. Nur die Summe, die das Rechenzentrum nicht von der Krankenkasse, sondern vom Hersteller bekommt, ändert sich. Eine andere Verzerrung, die vor allem den OTC-Bereich betrifft, liegt im Vergleich des diesjährigen Absatzes und Umsatzes mit dem Vorjahr. Immer wieder wird die fehlende Grippewelle im Frühjahr 2014 angeführt. Doch das ist (höchstens) die halbe Wahrheit. Denn das Jahr 2013 hatte eine besonders schwere Grippewelle und eine besonders lange Erkältungssaison. Deswegen waren die Ab- und Umsätze der entsprechenden Arzneimittelgruppen im vergangenen Jahr besonders hoch.

Eigentlich ist es eine Binsenweisheit, dass die Zahlen eines normalen Jahrs schlecht aussehen, wenn man sie mit den Zahlen eines besonders guten Jahres vergleicht. Das Jahr 2013 war – was grippale Infekte und Erkältungen angeht – der Ausreißer nach oben, nicht 2014 der nach unten!

Dr. Benjamin Wessinger

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