Wirtschaft

Techniker retaxiert

Streit um Rezepturgrundlagen

BERLIN (lk) | Bundesweit hat die Techniker Krankenkasse (TK), Deutschlands größte Krankenkasse, seit Anfang Oktober zahlreiche Apotheken für die Herstellung von Rezepturen retaxiert. Nach Intervention des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) zog die TK die Retaxationen inzwischen jedoch wieder zurück. Jetzt verhandeln DAV und TK über das Problem.

Der Kern des Streits dreht sich um Rezepturen mit einem Nicht-Arzneimittel (Kosmetikum nach EG-Verordnung) als Grundlage zur Herstellung von Salben oder Cremes. Auf Nachfrage wollte sich die TK nicht dazu äußern, warum seit Anfang Oktober solche Rezepturen retaxiert wurden und wie viele Apotheken davon betroffen sind. Inzwischen sollen die ausgesprochenen Retaxationen wieder zurückgezogen worden sein.

Nach Ansicht der TK halten die Apotheken die in der Apothekenbetriebsordnung enthaltenen Vorschriften zur Prüfung und Verarbeitung solcher Rezepturen nicht ein. Der DAV vertritt hingegen die Auffassung, dass diese Retaxationen unrechtmäßig sind, da der vdek-Arzneiversorgungsvertrag keine entsprechende Regelung enthält. In Gesprächen soll nun im November eine Lösung für die Meinungsverschiedenheiten gesucht werden. Bis zur Klärung sollten eigentlich keine Retaxationen stattfinden.

Als erste Reaktion auf die bekannt gewordenen Retaxationen hat der Vorsitzende des Hamburger Apothekervereins, Dr. Jörn Graue, in einem Schreiben an den stellvertretenden TK-Vorstandsvorsitzenden Thomas Ballast die Kassen aufgefordert, Retaxationen zu unterlassen: „Ohne im Einzelnen auf diese Vorgänge eingehen zu wollen, möchte ich Sie bitten, dieser völlig unverständlichen Praxis lhrer Kasse Einhalt zu bieten, um die Versorgung lhrer Mitglieder nicht zu gefährden.“

Er bedaure das „Handeln lhres Hauses umso mehr, als dadurch die traditionell sehr guten Beziehungen – ich verweise in diesem Zusammenhang explizit auf unsere exzellente Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Vergehen im Gesundheitswesen – erheblich beeinträchtigt sind“, so Graue und weiter: „Für eine umgehende Stellungnahme zu dieser unerfreulichen Thematik wäre ich ihnen sehr dankbar.“

TK holt Retaxationen nach

Zu Beginn der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die TK ab November die Retaxationen vollziehen will, die während des Musterstreitverfahrens zwischen DAV und den gesetzlichen Krankenkassen ausgesetzt waren. 2009 hatten der DAV und der Verband der Ersatzkasen (vdek) mit Ausnahme der Barmer GEK vereinbart, gerichtlich die Rechtmäßigkeit von Nullretaxationen prüfen zu lassen. Nach der Entscheidung des Bundessozialgerichts (BSG) im Juli 2013, dass Nullabsetzungen rechtmäßig seien, will die TK nun wie mit dem DAV vereinbart die während des Prozesses begrenzten Retaxationen korrigieren. 

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