Gesundheitspolitik

Spahn kritisiert Preis-Poker

BERLIN (lk) | Mit Blick auf die Preisverhandlungen für neue Arzneimittel hat der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, dem GKV-Spitzenverband „starrköpfiges und kurzsichtiges Verhalten“ vorgeworfen. Dadurch seien den Krankenkassen in einigen Fällen unterm Strich erhebliche Mehrkosten entstanden.

Die Preisverhandlungen erwiesen sich in der Praxis offensichtlich als schwierig, schreibt Spahn in seinem Internet-Blog. Sie „gleichen teilweise Pokerpartien, bei denen gezockt wird. Wie bei Glücksspielen üblich, verzockt man sich dann auch mal. Dies ist leider meistens der GKV-Spitzenverband als Vertreter der Krankenkassen“. Als Beispiel für seine Vorwürfe nennt Spahn unter anderem Vildagliptin von Novartis. Nach erfolglosen Kompromissversuchen habe Novartis das Diabetes-Präparat ab dem 1. Juli 2014 in der Lauer-Taxe außer Vertrieb gemeldet. Das bedeute faktisch eine Marktrücknahme. „Das Nachsehen haben am Ende die Patienten“, so Spahn. Denn es müssten jetzt über 300.000 Patienten von Vildagliptin auf Behandlungsalternativen umgestellt werden. Und die Kassen zahlten auch noch drauf. Es sei zwar legitim und auch gewollt, dass der GKV-Spitzenverband in den Verhandlungen hart verhandele, um faire und wirtschaftliche Preise zu vereinbaren, so Spahn. Aber seit Einführung des AMNOG erreichten die Politik immer mehr Berichte, nach denen sich die GKV-Verhandler quasi mit verschränkten Armen in den vier, fünf Verhandlungsrunden, die das formalisierte Verfahren vorsehe, einfach hinsetzten und ihre Maximalposition verträten. Spannend werde nun, wie der GKV-Spitzenverband beim neuen Hepatitis-C-Medikament Sovaldi® von Gilead agiere. Für eine große Gruppe von Patienten sei das Medikament ein echter Segen. Die ersten Einlassungen des Spitzenverbandes ließen jedoch „wenig Gutes ahnen“. „Anstatt konstruktive Gespräche zu suchen und mit dem Hersteller, der wirklich einen ziemlich (zu?) hohen Preis will, vernünftig zu verhandeln, wird in billiger öffentlicher Stimmungsmache der Nutzen infrage gestellt und mit den Hoffnungen vieler Patienten gespielt. So wird das nix“, sagt Spahn. 

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