Management

Sich seiner selbst sicher sein

Wie man Kunden, Mitarbeitern und Kollegen selbstbewusst gegenübertritt

Nur wer mit Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit ins Kundengespräch geht, kann den Gesprächspartner auch überzeugen. Wer nicht an sich und „seine Sache“ glaubt, hat schon verloren. Aber nicht jedem von uns ist Selbstsicherheit in die Wiege gelegt – zum Glück lässt sich Selbstsicherheit aufbauen und stärken.

Obwohl die meisten Apotheker allein aufgrund ihrer beruflichen Erfolgsgeschichte über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und ein hohes Maß an Selbstsicherheit verfügen sollten, ist dies nicht bei allen der Fall. Sich seiner selbst sicher sein: Das setzt voraus, dass man sich – und das Folgende gilt für jeden, für Apothekenleiterinnen und -leiter wie für Mitarbeiter, für Selbstständige wie Angestellte – mit der Frage, wer man überhaupt ist, auseinandersetzt. In einem selbstreflexiven Prozess geht es um die Beschäftigung mit den eigenen Werten, der Identität, mithin mit dem, was einen im Kern ausmacht.

Muss man dazu Philosophie studiert oder zumindest einen Volkshochschulkurs absolviert haben? Nicht unbedingt – es genügt vielleicht zunächst einmal, die folgenden Schritte zu gehen.

Schritt 1: Notwendigkeit der Selbstreflexion akzeptieren

Jeden Tag beurteilen wir andere Menschen, mit denen wir zu tun haben – Mitarbeiter, Kunden, Bekannte, Freunde, Familienmitglieder. Wir fragen uns oft genug: Wer ist dieser Mensch, was zeichnet ihn aus, wie steht es um seine Fähigkeiten, Gefühle, Wünsche, Ziele und Pläne? Wir brauchen die Antworten, um beurteilen zu können, wie wir uns ihnen gegenüber verhalten sollen. Jene Antworten geben Sicherheit im Umgang mit anderen Menschen.

Seltsam: Bezogen auf uns selbst stellen wir uns diese Fragen nicht, kaum oder viel zu selten. Vielen Menschen fällt dies schwer – darum ist es sinnvoll, sich Hilfe von außen zu holen oder sich mithilfe einer konkreten Anleitung mit sich selbst zu beschäftigen. Entscheidend ist wohl, dass man Ja sagt zu dieser Beschäftigung mit sich selbst und den Nutzen erkennt, der in dem Wissen liegt, wie man selbst tickt.

Leider wird dies allzu oft unter den Stichworten „Sozial-Klimbim“ und „Zeitverschwendung für Menschen, die nichts anderes zu tun haben, als in den Spiegel zu schauen“ abgetan. Die anscheinend ergebnislose Selbstbeschäftigung wird als Hindernis desavouiert, tatkräftig ins Handeln zu kommen. Dabei wird oft übersehen, dass vor allem diejenigen Menschen stark in der Umsetzung sind, die mit sich selbst im Reinen sind.

Mit anderen Worten: Man muss zunächst die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit jener Selbstreflexion bejahen.

Schritt 2: Konkrete Fragestellungen finden und bearbeiten

Welche Möglichkeiten gibt es, die Selbstreflexion unter Anleitung oder mit einer Hilfestellung voranzubringen? Neben der obligatorischen Stärken-Schwächen-Analyse ist es gewiss zielführend, wenn man sich fragt, ob man eher ein introvertierter oder ein extrovertierter Mensch ist. Wichtig ist, die Begriffe mit konkreten Inhalten zu füllen, um dann sagen zu können: „Ja, genau, darin erkenne ich mich wieder“ oder „Richtig, das liegt mir gar nicht“. Business-Coach Stefanie Demann beschreibt in ihrem Buch „Selbstcoaching“ (Gabal Verlag, Offenbach) intro- bzw. extrovertierte Menschen wie folgt:

  • Introvertiert: Reflektiert lieber in Ruhe ohne andere Menschen – erst denken, dann reden – lieber nochmal nachdenken, bevor man handelt – bevorzugt kleinere Gruppen oder Vieraugengespräche, um Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen – verbringt gern Zeit mit sich – gewinnt Energie aus sich selbst.
  • Extrovertiert: Äußert Gedanken spontan vor anderen Menschen – es ist in Ordnung, Gedanken erst einmal zu äußern, man muss nicht immer erst alles im stillen Kämmerlein durchdenken – machen statt quatschen – mag große Gruppen und den abwechslungsreichen Austausch – verbringt gern Zeit mit anderen – gewinnt Energie durch Begegnung mit anderen.

Durch diese inhaltlich detaillierten Gegenüberstellungen kann man entscheiden, welcher Aussage man tendenziell zustimmt oder nicht.

Schritt 3: Selbstreflexive Auseinandersetzung vorantreiben

Weitere wichtige Fragen sind laut Stefanie Demann:

  • Wie man die Welt begreift: Bevorzugt man Zahlen, Daten, Fakten, Logik und analytisches Denken – oder thematisiert man Erfahrungen und Gefühle und bevorzugt das ganzheitliche und visionäre Denken?
  • Wie man Probleme löst:eher sachlich und kühl, aus der Distanz, objektiv und tatsachenorientiert – oder konsequent subjektiv, persönlich und emotional?
  • Wie man sich Lösungsansätze erarbeitet: eher vorausschauend-planend, methodisch-systematisch und zielorientiert – oder eher spontan-flexibel, kreativ-zwanglos und ohne ständigen Blick auf die Zielerreichung?

Es gibt weitere zahlreiche Möglichkeiten, die selbstreflexive Auseinandersetzung mit der Frage, wer man denn wirklich sei, durchzuführen. Die in Schritt 2 und 3 vorgestellten Bereiche verstehen sich als Anregung. Wichtig ist der Übergang zu Schritt 4 – denn der Sinn der Übung ist nicht allein die Selbstreflexion, sondern die Entwicklung von mehr Selbstsicherheit.

Schritt 4: Mehr Selbstsicherheit entwickeln

Allein die Tatsache, nun seine Persönlichkeit und Mentalität, seinen Charakter und sein Wesen mit konkreten Begriffen und Eigenschaften beschreiben zu können, verhilft oft zu einem solideren und sichereren Fundament. Oft kann man jetzt einschätzen, warum man in gewissen Situationen so und nicht anders reagiert, warum einen manche Menschen auf Anhieb mögen, während andere einen ablehnen, warum man auf Kunden, Mitarbeiter und Kollegen eine bestimmte – positive oder auch negative – Wirkung ausübt.

Dieses Wissen ist natürlich auch im Kundenkontakt und bei der Mitarbeiterführung von großem Vorteil – man kann seine Verhaltensweisen auf den jeweiligen Gesprächspartner abstimmen und vielleicht sogar Reaktionen des Gegenübers abschätzen. All dies führt zu mehr Selbstsicherheit.

Wenn man es überdies versteht, seine Erfolge angemessen zu feiern und sie sich selbst zuzuschreiben – und niemand anderem – sowie anscheinende Misserfolge als notwendige Lernschritte zu definieren, befindet man sich auf dem besten Weg, sein Selbstbewusstsein stetig zu steigern.

Wichtig ist zudem, sich Ziele zu setzen, die nicht zur Überforderung führen. Wer an seinen – zu hohen, weil unerreichbaren – Zielen scheitert, schmälert auch seine Selbstsicherheit. Besser ist es, sich mit einem Menschen seines Vertrauens auszutauschen, der dem Apotheker zwar zuweilen „reinen Wein“ einschenkt, also durchaus den Finger in die Wunde legt und ihn zum Beispiel auf fehlerhaftes Verhalten hinweist. Zugleich sollte diese Person in der Lage sein, die Erfolge des Apothekers gebührend herauszustellen und anzuerkennen.

Ein weiteres probates Mittel ist, sich den Situationen, von denen man sich fürchtet, möglichst oft auszusetzen. Wer also als Apothekenleiter das konfliktäre Gespräch mit einem Mitarbeiter scheut, bereitet eben dieses besonders intensiv vor – und begibt sich in die Höhle des Löwen. 

Dr. Michael Madel, freier Autor und Kommunikationsberater

Das könnte Sie auch interessieren

„Stuttgarter Gespräche“ über Differenzierungskonzepte für Apotheken

Anders sein als andere

– mit der richtigen Ohrenhygiene

Ganz Ohr sein

Neurobiologische Mechanismen des Placebo-Effekts

„Ich werde gefällig sein“

In Tübingen hat das Tübiom-Projekt begonnen – Teilnahme noch möglich

Der Darm und sein Mikrobiom

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.