Wirtschaft

Beratungsklau ein Problem?

APOkix-Erhebung zur Selbstmedikation

BERLIN (ks) | Seit zehn Jahren dürfen in Deutschland Arzneimittel auch im Versandhandel vertrieben werden. Online-Apotheken werben damit, rezeptfreie Arzneimittel und Kosmetika zu günstigeren Preisen anzubieten als die Konkurrenz vor Ort. Allerdings scheinen selbst preisaffine Versandapotheken-Kunden die Beratung von Angesicht zu Angesicht zu schätzen. Das legen die Ergebnisse der August-APOkix-Erhebung des Kölner Instituts für Handelsforschung nahe: 83 Prozent der befragten Apotheker erklärten, dass mindestens jeder zehnte Besucher, den sie zu OTC-Produkten beraten, empfohlene Arzneimittel nicht kauft.

Rund ein Viertel der 277 befragten Apothekenleiterinnen und -leiter gab an, dass sogar etwa jeder fünfte Besucher, der sich in der Apotheke zu OTC beraten lässt, hinterher nichts kauft. Rund zehn Prozent erklärten, dies sei bei jedem dritten Besucher der Fall. Generell gaben 60 Prozent der Befragten an, dass der Anteil an Kunden, die sich von ihnen zu Selbstmedikation beraten lassen, ohne die empfohlenen Produkte zu kaufen, in den letzten zehn Jahren gestiegen ist. Jeder fünfte Apotheker spricht sogar von einem starken Anstieg.

Die Beratung ohne anschließenden Kauf kommt besonders häufig bei Vitaminen, Mineralstoffen und Nahrungsergänzungsmitteln vor (57%). Es folgt der Indikationsbereich Haut, Wundheilung, Nägel (30%). An dritter Stelle steht der Selbstmedikationsbereich um Herz, Kreislauf und Venen (28%).

Apotheker skeptisch

Die Apotheker sehen diese Entwicklung kritisch: Mehr als drei Viertel der befragten APOkix-Teilnehmer gehen davon aus, dass die beratenen Kunden die gewünschten Produkte später bei einer Versandapotheke bestellen. Rund 96 Prozent sind der Meinung, dass die persönliche Beratung zu Fragen der Selbstmedikation in der Apotheke vor Ort nicht durch eine telefonische oder elektronische Beratung ersetzt werden kann.

Für APOkix ermittelt das IFH monatlich die wirtschaftliche Stimmung der deutschen Apotheker. Mit der „Frage des Monats“ werden Einschätzungen zu aktuellen Marktthemen erhoben. DAZ und AZ sind Medienpartner. 

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