Gesundheitspolitik

Streit um ARZ Haan: AVWL will vor Gericht ziehen

Konfrontation auf ARZ Haan-Hauptversammlung – Apothekerverbände in NRW im Clinch

DÜSSELDORF (lk) | Der Streit über den Ausstieg des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL) aus dem Aktionärskreis beim Apothekenrechenzentrum ARZ Haan wird voraussichtlich die Gerichte beschäftigen. Bei der ARZ Haan-Hauptversammlung letzten Donnerstag konnten die Kontrahenten keine Einigung über die Höhe des Aktienwertes erzielen.

Der Apothekerverband Nordrhein und die ApoBank als verbleibende Aktionäre wollen maximal 29,50 Euro pro Anteil an den ausscheidenden AVWL zahlen. Das entspräche einem Gesamtbetrag von 13,37 Millionen Euro für den AVWL-Anteil. Der AVWL sieht den Aktienkurs deutlich darüber. Im vergangenen Jahr betrug der Wert der ARZ Haan-Aktie über 36 Euro.

Daher kündigte der AVWL auf der Hauptversammlung Widerspruch gegen die Beschlussfassung der Hauptversammlung über die Höhe der Abfindung an. Man sehe sich gezwungen, „die Satzungswidrigkeit gerichtlich feststellen“ zu lassen, so AVWL-Vorstandsmitglied Johannes Hermes. Dafür läuft jetzt eine vierwöchige Frist. Außerdem rügte Hermes, dass die Gegenanträge des AVWL auf der Hauptversammlung nicht getrennt zur Abstimmung gestellt wurden.

Einvernehmliche Einigung weiterhin angestrebt

„Die Umsetzung des Beschlusses der Hauptversammlung entsprechend den Anträgen von Vorstand und Aufsichtsrat ist nach Auffassung des AVWL und seiner Anwälte rechtswidrig und würde für die Mitglieder des AVWL möglicherweise eine erhebliche Beschädigung des Verbandsvermögens bedeuten“, so der AVWL nach Abschluss der Hauptversammlung. Widerspruch sei eingelegt worden, „um die Beschlüsse erforderlichenfalls gerichtlich anfechten zu können, wenn es nicht noch zu einer einvernehmlichen Regelung kommt, die der AVWL weiterhin anstrebt“.

Mit der Konfrontation auf der ARZ Haan-Hauptversammlung hat sich der Konflikt zwischen den ARZ Haan-Aktionären Apothekerverband Nordrhein, ApoBank und AVWL nochmals verhärtet. Es soll in den nächsten Tagen zwar weitere Gespräche über eine außergerichtliche Lösung geben. Angesichts der kompromisslosen Haltung der Gegenseite schätzt der AVWL die Chancen auf eine gütliche Einigung aber skeptisch ein.

Der Streit um ARZ Haan dauert nun schon zwei Jahre: Wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Geschäftsführung hatte der AVWL seine Beteiligung an ARZ Haan und den Stimmrechtsvertrag Ende 2012 mit Wirkung zum 31. Dezember 2013 gekündigt. Aus Sicht des AVWL dominieren der Apothekerverband Nordrhein und die ApoBank die Geschäftspolitik von ARZ Haan. Man habe so keinen Einfluss mehr auf seine Beteiligung, heißt es.

Am Vortag der Hauptversammlung hatten die Kontrahenten noch nach einer Möglichkeit für eine gütliche Einigung gesucht. Hinter den Kulissen wurde verhandelt, um die offene Konfrontation auf der Hauptversammlung zu vermeiden. ARZ Haan hatte dem AVWL erstmals das Gutachten zur Aktienbewertung ausgehändigt. Danach beträgt der aktuelle Wert 28,58 Euro. Der AVWL geht aber davon aus, dass der Aktienwert „deutlich über 29,50 liegt“ und hatte ein unabhängiges Sondergutachten zum Aktienwert verlangt. Das lehnten der Apothekerverband Nordrhein und die ApoBank jedoch ab.

Umstrittenes Zinssicherungsgeschäft

Im Hintergrund spielt dabei unter anderem ein umstrittenes Zinssicherungsgeschäft eine Rolle. Im Jahr 2009 hatte ARZ Haan mit der DZ Bank, der Dachbank der Genossenschaftsbanken, zu der auch die ApoBank gehört, ein langfristiges Zinssicherungsgeschäft abgeschlossen. Angesichts des im Zuge der Euro-Krise gesunkenen Zinsniveaus führt dieses derzeit bei ARZ Haan zu erheblichem finanziellem Mehraufwand. Der AVWL sieht dadurch den Wert des Unternehmens und seines Aktienanteils geschmälert und fordert, das Zinssicherungsgeschäft rückgängig zu machen. Auch das lehnen der Apothekerverband Nordrhein und die ApoBank ab.

Zu Beginn der Hauptversammlung hatte ARZ-Vorstandsvorsitzender Siegfried Pahl noch sein Bedauern über das Ausscheiden des AVWL auf dem Aktionärskreis zu Protokoll gegeben und weitere Gesprächsbereitschaft signalisiert: „Ich setze weiter auf konstruktive Kommunikation als Grundlage für eine konsensuale Lösung.“ Mit der Beschlussfassung durch die Aktionärsmehrheit von Apothekerverband Nordrhein und ApoBank sind die weiteren Gespräche allerdings schwer belastet. 

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