Wirtschaft

Celesio in US-amerikanischer Hand

Übernahmepoker durch McKesson scheint geglückt – Angebot auf 23,50 Euro erhöht

BERLIN (lk) | Der Übernahmepoker um den Stuttgarter Pharmahändler Celesio scheint beendet: Nachdem der US-amerikanische Konzern McKesson letzten Donnerstag sein Angebot kurz vor Schluss der Frist von 23 Euro auf 23,50 Euro je Aktie aufgestockt hat, erklärten Investor Paul Singer und sein Hedgefonds Elliott ihre Bereitschaft, ihre Aktien und Wandelanleihen an McKesson zu verkaufen. Damit dürfte McKesson sein Ziel erreichen, 75 Prozent des Celesio-Aktienkapitals zu übernehmen.

Endgültige Klarheit über den Deal herrscht allerdings erst am heutigen Montagnachmittag nach Schließung der Banken. Dann kann die Auszählung der auf ein Konto der Deutschen Bank übertragenen Aktien erfolgen. Nach Zählweise von Elliott reicht die Übertragung seiner Anteile aus, die 75 Prozent-Marke für McKesson zu erfüllen. McKesson benötigt diese 75 Prozent, um auf der Hauptversammlung einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag für Celesio durchsetzen zu können. Wie aus Kreisen von McKesson zu hören war, reicht die Übertragung der Elliott-Anteile dafür allerdings noch nicht aus. Eine nicht näher quantifizierte Anzahl von Aktien im Besitz freier Aktionäre müsse zu den bereits bis Donnerstagmittag übertragenen knapp vier Prozent noch hinzukommen.

Teure Einigung

Bezogen auf die rund 170 Millionen Celesio-Aktien kostet das um 50 Cent verbesserte McKesson-Angebot rund 85 Millionen Euro extra. Der Erhöhung des Angebots vorausgegangen waren offensichtlich Verhandlungen bis tief in die Nacht auf Donnerstag und auch noch am Donnerstagvormittag. Die Börse reagierte auf die Lage zunächst mit einem Kursanstieg der Celesio-Aktie auf deutlich über 24 Euro. Offenbar wurde in Anlegerkreisen auf eine Aufstockung des Angebots auf bis zu 25 Euro spekuliert.

Sowohl für McKesson wie auch für Elliott stand viel auf dem Spiel. McKesson stand unter Zugzwang, weil im Kaufangebot vom Oktober 2013 eine Annahmequote von 75 Prozent des Kapitals für die Übernahme von Celesio festgeschrieben worden war. Am 24. Oktober hatte sich McKesson mit dem langjährigen Großaktionär Haniel bereits auf den Kauf von 50,01 Prozent der Aktien geeinigt.

Zunächst schien die Übernahme reine Formsache. Innerhalb weniger Wochen kaufte jedoch der Hedgefonds Elliott 22,7 Prozent des Kapitals zusammen und drohte mit der Blockade der Übernahme. Ein Scheitern des Geschäfts hätte allerdings auch für Elliot Gefahren geborgen. Börsenexperten rechneten für diesen Fall mit einem erheblichen Kursrutsch der Celesio-Aktie. Nach unbestätigten Berichten hat im Hintergrund auch Haniel kräftig am Zustandekommen des Geschäfts mitgewirkt.

Durch das neue Angebot beträgt der Börsenwert von Celesio jetzt rund 6,2 Milliarden Euro. Der Stuttgarter Pharmahändler erzielte im Jahr 2012 mit dem Arzneimittelgroßhandel in Europa sowie Brasilien sowie seinem Apothekengeschäft einen Umsatz von 22 Milliarden Euro. Umsatz- und Gewinnprognosen sind allerdings nicht besonders positiv, da nicht nur auf dem deutschen Markt die Regulierungen im Gesundheitssektor immer schärfer werden.

In Deutschland tobt dazu seit über einem Jahr ein heftiger Konditionenwettbewerb im Arzneimittelgroßhandel. Auch dadurch soll die Celesio-Tochter Gehe im letzten Jahr in die roten Zahlen gerutscht sein. Unklar ist noch, wie McKesson, bisher ein rein amerikanisches Unternehmen, seinen Schritt nach Europa jetzt in konkrete Unternehmenspolitik umsetzt. Branchenkenner halten den Kaufpreis für sehr hoch. Erwartet wird daher, dass McKesson relativ schnell mit der Realisierung der mit der Übernahme erwarteten Synergieeffekte in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro beginnt.

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