Gesundheitspolitik

Adexa schlägt Alarm: PKA-Ausbildung in Gefahr

APOkix-Umfrage: Geringer PKA-Bedarf – Konkurrenz durch Gesundheitskauffrau/-mann

BERLIN (lk) | Die Apothekengewerkschaft Adexa schlägt Alarm: Weil ein Großteil der Apotheker keinen Bedarf mehr an pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten (PKA) sieht, gerät der Ausbildungsgang in Gefahr.

Mehr noch: Die Krankenkassen mit ihrem Ausbildungsberuf Gesundheitskauffrau/-mann werden zur ernsten Konkurrenz um den Apothekennachwuchs. Dort steigt die Zahl der Auszubildenden um 40 Prozent. Der aktuellen Monatsfrage des APOkix des IFH Köln zufolge bot nur jeder vierte der 284 befragten Apotheker in diesem oder den letzten beiden Jahren Ausbildungsplätze für PKA an. Und das Angebot wird wohl auch in Zukunft weiter sinken. Sechs von zehn APOkix-Teilnehmern gehen davon aus, dass es zukünftig weniger Bedarf an PKA geben wird. Die PKA-Ausbildungsplätze sind in den letzten Jahren spürbar und besorgniserregend zurückgegangen, sorgt sich Adexa. „Diese Entwicklung ist deutlich und macht uns, aber auch den Schulen und PKA-Lehrkräften Sorgen“, erklärt Michaela Freudenfeld, Leiterin des Adexa-Referats Schulen & Unis. „Das ist im Osten besonders stark ausgeprägt, gilt aber vielfach auch für die westlichen Kammerbezirke.“ Bei ihren ersten Schulbesuchen im März 2012 lag die Untergrenze der Klassen bei zwölf Azubis – nun seien es oft weniger als zehn. Es gebe sogar Klassen mit sechs Schülern, etwa in Neumünster. „Ich befürchte, dass es bald regionen- und kammerübergreifenden Blockunterricht geben wird, weil die Schulklassen zu klein sind.“

Adexa-Vertreter hören immer wieder, dass statt PKA lieber PTA eingestellt werden, weil sie flexibler einsetzbar seien. „Hinter vorgehaltener Hand wird gesagt: PKA machen nur Lagerhaltung, das können PTA auch“, so Freudenfeld. Außerdem höre man, dass Arbeitsagenturen vom PKA-Beruf abraten oder zumindest nicht zuraten, weil die Gehälter unattraktiv sind.

Barbara Neusetzer, Adexas Erste Vorsitzende, hält dagegen: Der PKA-Beruf sei nach der Novellierung der PKA-Ausbildungsordnung „besser auf die Anforderungen der Apotheken ausgerichtet und bietet damit noch mehr Chancen im Apothekenteam. Mein Eindruck ist aber, dass die Apothekenleiter ihren PKA zu wenig anspruchsvolle Aufgaben übertragen und ihre Qualifikation nicht richtig nutzen“.

Neusetzer findet es „sehr bedauerlich, dass die Apotheken die PKA mit ihren wichtigen kaufmännischen Kompetenzen nicht stärker integrieren“. Ein gutes Backoffice mit kompetenten PKA entlaste die pharmazeutischen Mitarbeiter und den Apothekenleiter. „Und man muss auch sagen, dass PTA nicht für Logistik und Warenmanagement ausgebildet sind.“

Bemerkenswert sei gleichzeitig, so Adexa, dass der Ausbildungsberuf Gesundheitskauffrau/-mann in Bremen einen Zuwachs um 40 Prozent hat. Diese arbeiteten dann etwa in Krankenkassen oder großen Arztpraxen, so Neusetzer. Den Apotheken gehe dieser Nachwuchs verloren. „Aus meiner Sicht werben die Kammern und Apotheken nicht offensiv genug um Nachwuchs und für PKA-Ausbildungsplätze. Die BAK müsste eine entsprechende Kampagne starten“, findet Neusetzer.

Laut APOkix berichtet ein Großteil der befragten Apotheker über einen Rückgang bei der Anzahl der Bewerbungen auf freie Ausbildungsplätze für PKA (63%) sowie eine Verschlechterung bei der Qualität der Bewerber (69%).

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