Gesundheitspolitik

Gröhe macht Druck

eGK-Gesetz in Planung und ländliche Versorgung auf dem Plan

BERLIN (jz/lk) | Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will die Entwicklung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) nun doch schneller vorantreiben – und dafür gesetzlich tätig werden. „Ärzte und Kassen haben sich schon viel zu lange gestritten“, so Gröhe. Jetzt gehöre endlich der Nutzen der Karte für den Patienten in den Mittelpunkt. Des Weiteren will der Minister etwas gegen die Schwierigkeiten bei der medizinischen Versorgung in ländlichen Regionen unternehmen.

Nach Vorstellung des Ministers sollen Notfalldaten und Medikationslisten von Patienten schon bald von der eGK abrufbar sein. Nach einem Unfall solle der Arzt überlebenswichtige Notfalldaten sofort von der Karte abrufen können, erklärte er. Zudem solle dieser direkt sehen können, welche Medikamente sein Patient gerade einnimmt – um gefährliche Wechselwirkungen zu verhindern. Gesichert werden sollen die Daten über einen PIN-Code. Ohne Einwilligung des Patienten sollen Ärzte nur im Notfall Zugriff auf die Karteninformationen haben. Zum Medikationsplan, der künftig ebenfalls über die eGK zugänglich sein soll, soll im nächsten Jahr ein Testversuch starten. Wie die konkrete Ausgestaltung aussehen wird, ist noch nicht klar. Möglich wäre, die Daten zumindest teilweise direkt auf der Gesundheitskarte zu speichern – oder aber extern, wobei die Karte in diesem Fall als Schlüssel fungieren würde.

Starre Grenzen aufbrechen

Ein weiterer Schwerpunkt soll die medizinische Versorgung auf dem Land werden. „Dies wird unsere ganze Aufmerksamkeit erfordern“, sagte Gröhe bei der Eröffnung des Hauptstadtkongresses 2014 Medizin und Gesundheit. Dabei will er vor allem die „starre Grenzlinie“ zwischen ambulanter und stationärer Versorgung „aufbrechen“. Die Arzneimittelversorgung auf dem Land und die Rolle der Apotheker spielen derzeit offenbar keine Rolle. Dazu sagte Gröhe bislang noch kein öffentliches Wort. Nur so viel: Man werde die jüngsten Vorschläge des Sachverständigenrates im Gesundheitswesen „sorgfältig auswerten“. Dieser hatte sich ausführlich zu Apothekerfragen geäußert und unter anderem die Aufhebung des Mehr- und Fremdbesitzverbotes gefordert. Wie Gröhe zu solchen Vorstellungen steht, ließ er allerdings offen.

Stattdessen kündige er an, die Möglichkeiten der medizinischen Versorgungszentren (MVZ) auf stationäre Behandlungsformen in Regionen ohne Klinikversorgung zu erweitern. Kliniken sollen in unterversorgten Regionen verstärkt ambulant behandeln dürfen. Außerdem sei zu prüfen, welche ärztlichen Tätigkeiten auf qualifiziertes Pflegepersonal delegiert werden könnten. Ausbauen will Gröhe auch die Telemedizin. Moderne Kommunikationstechnik könne beispielsweise bei der Arzneimitteltherapiesicherheit eine wichtige Rolle spielen. 

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