Wirtschaft

Hessische Investitionen

Novartis und Sanofi bauen in Marburg und Frankfurt/M.

BERLIN (ks) | Trotz der viel beklagten Sparmaßnahmen investieren Pharmafirmen weiterhin in Deutschland. Die Politik freut‘s, in diesem Fall besonders die hessische. Denn Novartis Vaccines eröffnete vergangene Woche in Anwesenheit des hessischen Ministerpräsidenten den neuen „MARS-Campus“ in Marburg, Sanofi kündigte an, eine bestehende Zellkulturanlage in Frankfurt/M. auszubauen.

„Die neue Produktionsstätte am Marburger Standort ist mit 240 Millionen Euro eine der größten Investitionen in der hessischen Pharmaindustrie. Wirtschaft, Arbeitsmarkt und öffentliche Hand profitieren maßgeblich von der Anlage“, betonte Jochen Reutter, Leiter des Standortes Marburg und Geschäftsführer von Novartis Vaccines, bei der Eröffnung. Zugleich machte er aber auch klar: „Für die Zukunft wünschen wir uns politische Rahmenbedingungen, die für Nachhaltigkeit solcher Investitionen im Impfstoffbereich sorgen.“

Der neue MARS-Campus umfasst zwei Produktionsanlagen, die zwischen der Produktion von Tollwut- und FSME-Impfstoff wechseln können. Diese Anlagen seien in Europa einzigartig, so Novartis Vaccines. Sie ermöglichten fünffach höhere Produktionskapazitäten: zehn Millionen Dosen Tollwut- und zukünftig 20 Millionen Dosen FSME-Impfstoff pro Jahr. Damit steht zu hoffen, dass Engpässe beim Tollwut-Impfstoff künftig kein Thema mehr sind. Der in Marburg hergestellte Tollwut-Impfstoff wird in Deutschland, Australien und demnächst auch in den USA ausgeliefert.

Indessen kündigte Sanofi den Ausbau seiner erst drei Jahre alten Zellkulturanlage für die Herstellung therapeutischer Antikörper an – sie sind wichtige Bestandteile moderner Biologika. Derzeit verfügt das Unternehmen in Frankfurt über große Kapazitäten für die bakterielle Fermentation zur Herstellung von Insulinen. Therapeutische Antikörper, für die tierische Zellen benötigt werden, werden in Mengen hergestellt, die die bestehenden großen Anlagen nicht füllen können.

Mit dem jetzt geplanten Ausbau der Zellkulturanlage, die bislang ausschließlich der Entwicklung und Produktion von Chargen für klinische Studien der Phasen I und II diente, werde somit eine Lücke geschlossen, hieß es bei Sanofi. Herzstück sei ein zusätzlicher 2,5-Kubikmeter-Fermenter, die Investition betrage insgesamt sechs Millionen Euro. 

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