Gesundheitspolitik

ABDA kontert SPD-Politikerin

BERLIN (lk) | Mit einer ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme hat die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) die Äußerungen der SPD-Gesundheitspolitikerin Martina Stamm-Fibich zur Beratungsqualität von Vor-Ort-Apotheken zurückgewiesen.

Letzten Donnerstag hatte die SPD-Politikerin, die im Gesundheitsausschuss des Bundestages für Arzneimittel und Medizinprodukte zuständig ist, auf dem Kongress des Bundesverbandes der Versandapotheken (BVDVA) in Berlin die Beratungsqualität von Versandapotheken gelobt. Laut Stamm-Fibich können Versandapotheken ihre Kunden nicht nur genauso gut beraten wie die Vor-Ort-Apotheken. Aus Sicht der SPD-Gesundheitspolitikerin verfügen die Versandapotheken in der Beratung sogar über Vorteile: „Das Beratungs-Argument gegen den Versandhandel ist für mich entkräftet“, fasste Stamm-Fibich ihre Position zusammen.

Sie sei „schockiert, aber nicht überrascht“ gewesen über die Ergebnisse des jüngsten Apotheken-Tests der Stiftung Warentest mit Blick auf die Beratung. Sie selbst habe bereits einmal die Erfahrung in einer Offizin gemacht, über eine offensichtliche Unverträglichkeit eines OTC-Produkts in Bezug auf ihre Bluthochdruck-Medikation nicht fachgerecht hingewiesen worden zu sein. „Es ist ein Unding, dass in Deutschland Menschen sterben müssen wegen Arzneimittelunverträglichkeiten“, so die SPD-Politikerin. Notwendig sei mehr Kommunikation und Transparenz zwischen den Akteuren.

Im Test der Stiftung Warentest habe nur eine Versandapotheke alle Wechselwirkungen erkannt und richtig beraten, so Stamm-Fibich. Beratung sei aber der Kern der Apothekerleistung. Das gelte auch für den Verkauf von OTC-Produkten: „Rezeptfrei heißt nicht beratungsfrei. Der Arzt verordnet, der Apotheker kontrolliert.“ Diese Regel werde leider nicht überall beachtet. Vor allem in der „kontinuierlichen Beratung der Patienten“ sieht die SPD-Politikerin Vorteile des Versandhandels gegenüber der Vor-Ort-Apotheke. „Der Versandhandel ist mit seinen Hotlines auch am Wochenende und nachts stets erreichbar“, so Stamm-Fibich. Zudem verfüge er über die Medikationsdaten der Kunden. Das sei bei Vor-Ort-Apotheken nicht der Fall, „wenn der Patient im Not- und Nachtdienst zu einer anderen Apotheke gehen muss.“ Auch in der Beratung bei „heiklen, intimen“ Fragestellungen erleichtere der Versandhandel die Kommunikation.

Der Versandhandel gefährde die Arzneimittelversorgung daher nicht, so Stamm-Fibich: „Er ist eine effiziente und verbraucherfreundliche Alternative zur Offizin.“ Daher sieht die SPD-Politikerin auch gute Zukunftschancen für den Arzneimittelversand. Vor allem in „intelligenten IT-Lösungen, dem Internet und telemedizinischer Beratung“ liege die Zukunft.

Darauf reagierte die ABDA in ungewohnter Diktion: „Offensichtlich gibt es hier ein ganz erhebliches Missverständnis darüber, welche Aufgabe eine Apotheke für den Patienten übernehmen soll“, konterte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. „Eine echte Prüfung der Arzneimitteltherapiesicherheit kann nur die öffentliche Apotheke vor Ort leisten, denn sie erfordert in der Regel eine unmittelbare Intervention des Apothekers gegenüber dem Patienten. Genau hier liegen die Schwächen der Versandapotheke“, so Schmidt. Weiter heißt es seitens der ABDA, es sei „nachgerade absurd“, den Versandhandel als effiziente Alternative zur Offizin in der Arzneimittelversorgung zu bezeichnen. Nur die Offizin könne verlässlich sämtliche Arzneimittel liefern, den Patienten ohne Zeitverzug sofort bzw. am selben Tag mit dringenden Medikamenten versorgen und ist im Nacht- und Notdienst rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr für die Patienten da. 

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